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In der Gemeinde Lustenau entsteht ein 58,60 Meter hoher Holzturm, um ihn später abzubrennen.

Brauchtum gegen Klimaschutz

Streit um Weltrekord-Feuer in Österreich

Ein 58,60 Meter hoher Holzturm, der kurz nach dem Erbauen wieder abgefackelt wird: Der Weltrekord-Versuch wird in Österreich seit Wochen von harscher Kritik begleitet.

58,60 Meter Höhe, rund 100 Tonnen Gewicht. Der Holzturm, der gerade in der kleinen Gemeinde Lustenau unweit der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz gebaut wird, ist in jeder Hinsicht ein riesiges Projekt. Die 50 Zentimeter langen Nägel für das Bauwerk schmieden sich die Jungs von der Hofstalder Funkenzunft selbst, weil sie die passenden Größen nicht im Baumarkt kaufen können. „Es wollen Forscher aus Norwegen, den Niederlanden und Liechtenstein anreisen, um sich den Turm anzuschauen“, sagt Marco Hollenstein, Obmann der Funkenzunft. Gebaut wird schon seit Wochen - mit letztlich nur einem Ziel: Am 16. März ist das größte Lagerfeuer der Welt geplant.

Doch worum geht‘s genau? Im österreichischen Bundesland Vorarlberg ist es Brauch, am ersten Wochenende der Fastenzeit einen sogenannten Funken abzubrennen. Rund 220 dieser Holztürme werden nach Angaben des Landes jährlich in den etwa 90 Gemeinden entzündet.

In Lustenau kümmert sich die Hofstalder Funkenzunft um die Pflege dieses Brauchtums – und die wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Ein guter Zeitpunkt für einen Weltrekord-Versuch, dachte sich die Funkenzunft und plante einen Holzturm so hoch wie die örtliche Kirche. Bisher liegt der Rekord bei über 47 Metern, in Norwegen wurden dafür mehr als 4000 Paletten gestapelt.

Die Kritik an dem Großprojekt in Lustenau ließ aber nicht lange auf sich warten – und der Funken-Turm wurde zuletzt zu einer Projektionsfläche für die Frage: Wie sinnvoll sind Brauchtumsfeuer in Zeiten des Klimawandels?

„Das hat mit der Funken-Tradition nichts zu tun. Das ist Gigantonomie und ein Verschleiß von Rohstoffen“, sagt Franz Ströhle, Obmann des örtlichen Alpenschutzvereins. „Man kann doch auch Spaß haben, wenn ein Funken mal im Rahmen bleibt.“ Hinzu käme seit rund zehn Jahren vielerorts der Trend, zum Funken auch ein Feuerwerk abzubrennen, erklärt Ströhle. Gerade einer Gemeinde wie Lustenau, die seit 1999 Mitglied im Klimabündnis Österreich ist, ständen solche Dimensionen beim Brauchtum nicht gut zu Gesicht. Ströhle hat wegen der drohenden Schadstoffbelastung eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht, allerdings ohne Erfolg.

Die Debatte erinnert an jene, die in Deutschland alljährlich kurz vor Ostern geführt wird. Denn auch die traditionellen Osterfeuer sind Klimaschützern wegen des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) ein Dorn im Auge. Laut Umweltbundesamt wird in Deutschland jährlich eine Masse von rund 400 000 Tonnen bei Brauchtums- und Lagerfeuern verbrannt.

Bürgermeister Fischer ist derweil sogar froh, dass der Funken eine breite Debatte ausgelöst hat. „Das Thema Luftgüte und Emissionen ist allein durch die Verkehrsbelastung in Lustenau ständig präsent“, sagt er. „Wir haben ein paar Tausend Lastwagen, die täglich durch Lustenau fahren. Dazu kommt der Einkaufsverkehr nach Dornbirn und auch der Tourismus.“ Viele Kritiker hätten sich vorher nie Gedanken gemacht über die Luftsituation in der Gemeinde mit rund 20 000 Einwohnern. Dass der 58-Meter-Funken einen großen Unterschied für die Luftreinheit macht, bezweifelt er. „Es gibt gar keinen Überblick über die Emissionen durch Funken in Vorarlberg insgesamt. In Lustenau ist er dieses Jahr nun einmal 58 statt 35 Meter hoch.“

Ähnlich argumentiert die Funkenzunft. Etwa 30 Meter mehr Höhe als in den vorherigen Jahren würden bei den vielen Funken insgesamt keinen großen Unterschied machen, meint Hollenstein. Aus seiner Sicht ist auch nicht zu erwarten, dass in den kommenden Jahren ein großes Wettrennen um den Weltrekord entsteht. „Jeder der sich mit Holzbau auskennt, weiß, was das für ein komplexes Bauwerk ist. Wir sind da eigentlich schon am Zenit angekommen.“

Deutlich mehr als die Hälfte des Turms steht bereits. Die Veranstaltung wurde – ausnahmsweise, wie es heißt – auf das zweite Wochenende der Fastenzeit gelegt, um mehr Besucher anzulocken. Am kommenden Samstag erwarten die 20 Mitglieder der Funkenzunft bis zu 10 000 Zuschauer. Große Werbung für das Funkenfeuer mussten sie dank der medialen Aufmerksamkeit nicht mehr machen.

Ob das Bauwerk wirklich angezündet wird, wird sich aber erst kurz zuvor entscheiden. Die Gemeinde hat nach vielen Beratungen zur Sicherheit zwar den Veranstaltungsbescheid unterschrieben. Doch Bürgermeister Fischer macht auch klar: „Bei starkem Wind wird der Funken nicht brennen.“ (dpa)

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