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Gehört zum Landleben nun mal dazu!
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Gehört zum Landleben nun mal dazu!

Frankreich

Riechen und riechen lassen

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Eselsgeschrei, Glockenläuten und Kuhmist: Frankreich will die Gerüche und Geräusche des Landlebens schützen.

Bondons, 140 Einwohnerinnen und Einwohner, am Rand der Cevennen in Südfrankreich gelegen, ist eines jener französischen Dörfer, wo die Welt noch in Ordnung ist. Oder, genaugenommen, in Ordnung war. Denn seit kurzem sorgt die dortige Kapellen-Glocke für Unfrieden in dem hübschen Örtchen aus Natursteinhäusern. Ein Touristenpaar störte sich in seinem Gästezimmer an dem lustigen Gebimmel und beklagte sich darüber lauthals beim Bürgermeister.

Das brachte das Fass für Pierre Morel-A-L’Huissier zum Überlaufen. Der Abgeordnete des ländlichen Departementes Lozère reichte in der Nationalversammlung einen Gesetzesvorschlag ein, um die Klagen der städtischen Besucherinnen und Besucher zu unterbinden. Nicht weniger als 18 000 solcher Beschwerden gebe es in ganz Frankreich, behauptet der hauptberufliche Anwalt, ohne die Zahl zu belegen.

In dem Provence-Ort Beausset hätten Gäste wegen des Gesangs der Zikaden Beschwerde eingereicht, ärgert sich Morel-A-L’Huissier. „Sie verlangten, dass man sie mit einem Insektizid austilge!“ Gerade wegen der Pandemie zögen derzeit immer mehr Leute aufs Land – wo sie sich dann an den Geräuschen und Gerüchen der Landwirtschaft störten.

Kunst aus Mist und Gülle

„Die Leute, die hierherkommen, wissen nicht, was das Landleben ist. Es ist eine Kunst – inklusive Mist, Traktoren und Gülle!“ Einer breiteren Öffentlichkeit war das Thema bereits vor zwei Jahren bewusst geworden, als ein Gericht einen Hahn – immerhin das französische Nationalsymbol – vom Tatbestand des frühmorgendlichen Kikerikis freisprach.

Der Abgeordnete Morel-A-L’Huissier weiß, wie solche Prozesse zu verhindern sind: Die einzelnen Landesregionen sollen eine Liste mit Geräuschen wie dem Eselschrei oder Gerüchen wie dem des Kuhfladens erstellen, die zum lokalen Kulturerbe gezählt werden sollen. Einmal auf der Liste, sollen diese gegen Gerichtsklagen gefeit sein.

Der französische Staatsrat hat den Inhalt des Gesetzes vor einem Jahr abgesegnet. „Das Thema scheint auf den ersten Blick unerheblich, wirft aber in Wirklichkeit tiefgehende Fragen auf, die mit der französischen Identität und dem Zusammenleben zu tun haben“, heißt es dazu aus den höheren Verwaltungsebenen in Paris.

Die Nationalversammlung hat den Gesetzesvorschlag bereits gebilligt. Am Donnerstag hat der Senat die Beratung aufgenommen. Da die ländlichen Gebiete im französischen Oberhaus den Ton angeben, scheint der Inkraftsetzung des Gesetzes nichts mehr im Weg zu stehen. Auch aus dem ganzen Land kommt zustimmendes Muhen, Blöken, Quaken und Zirpen.

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