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Richtiger Riecher

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Von: Tanja Kokoska

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„Erst kribbelt es schön ...“
„Erst kribbelt es schön ...“ © dpa

Sensation: Bundestrainer Joachim Löw hat sich seine Nase versichern lassen.

Die Haxen von Cristiano Ronaldo sind 140 Millionen Euro wert. Oder sogar 206 Millionen Euro. Kommt darauf an, welcher Internetquelle man glauben will. Wie viel auch immer, es ist viel. Und so viel zahlt angeblich eine Versicherung, sollte der portugiesische Stürmerstar eines Tages nicht mehr so kicken können, dass man fast vergisst, was für ein eitler Fatzke er ist.

Mit Eitelkeit hat das aber nicht mal in Ronaldos Fall etwas zu tun, sondern mit Berufsrisiko. Deshalb gibt es viele solcher Bein-Versicherungen, Lionel Messi hat eine und Mesut Özil, und auch David Beckham hatte eine, als er seine Extremitäten noch für mehr brauchte, als zum nächsten Fotoshooting zu latschen.

Andere Prominente versichern ihren Hintern (Kim Kardashian, Jennifer Lopez), ihre Stimme (Tom Jones, Bruce Springsteen), ihr Lächeln (Julia Roberts) oder gleich den ganzen Körper (Daniel Craig). Die Versicherung, die Bundestrainer Joachim Löw abgeschlossen haben soll, dürfte aber ziemlich einmalig sein: seine Nase.

Odonkor war der Auslöser

Seine Nase sei nicht nur ein markantes Merkmal seiner visuellen Identität, erklärte der Trainer. Ohne seine Nase sei es ihm praktisch nicht möglich, wirklich auf das Spielgeschehen „fokussiert“ zu sein. Gerade in kniffligen Situationen verleihe der Griff an oder gar in seine Nase ihm die nötige Ruhe und Inspiration, um tiefgründig nach der richtigen Lösung für ein Problem (Gegentor, Muskelfaserriss, Gomez liegt sich doch wieder wund) zu forschen. Deshalb habe er schon – was die Fachwelt bislang nicht wusste – nach der Weltmeisterschaft 2006 eine Nasen-Versicherung abgeschlossen, weil er mit der Idee, den damals eher unbekannten David Odonkor zu nominieren, „den richtigen Riecher“ bewiesen habe.

Von der gestalterischen Kraft seiner Nase vollends überzeugt sei Löw schließlich beim Sieg im damaligen Vorrundenspiel gegen Polen gewesen, als der in der 64. Minute eingewechselte Odonkor die entscheidende Flanke auf den 1:0-Torschützen Oliver Neuville gegeben habe. „Da wusste ich, wie die Nase läuft“, erklärte Löw. Die genaue Höhe der Versicherungssumme wollte er allerdings nicht verraten.

Ein komplexer Vorgang

Das Phänomen, unter Talentforschern auch als „Wickie-Begabung“ bekannt, sei naturgegeben und nicht erlernbar. Leider genüge es nicht, „einfach mal den Finger in ein Nasenloch zu stecken“, sagte der Bundestrainer oder daran – also an der Nase – zu reiben. Es handele sich um einen komplexen Vorgang physischer Prozesse, den er „auch nicht so genau erklären“ könne. Fakt sei, „es kribbele schön“, dann sehe er „für zwei, drei Sekunden Sterne fliegen“ und plötzlich falle ihm die Lösung ein. So solle man bloß nicht glauben, er sei im WM-Finale 2014 in Brasilien ganz von selbst auf die Idee gekommen, zu Mario Götze zu sagen: „Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi.“ Er habe vielmehr „durch die Nase“ zu Götze gesprochen. „Mein Mund war quasi nur das Medium“, erklärte Löw..

So ließe sich auch erklären, weshalb Deutschland das EM-Halbfinale vor vier Jahren gegen Italien verlor: „Ich hatte Schnupfen“, gestand Löw jetzt ein, und daher habe er die Hinweise seiner Nase falsch (Kroos statt Klose) gedeutet. In Frankreich könne das zum Glück nicht passieren, dort sei eine „nasale Sprechweise“ ja üblich.

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