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Studie: Welchen Einfluss das Renteneintrittsalter auf die Gesundheit hat

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Von: Sandra Kathe

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Um herauszufinden, ob das Renteneintrittsalter Auswirkungen auf die Gesundheit hat, haben Forschende die Daten von Frauen zweier Rentenjahrgänge untersucht.
Um herauszufinden, ob das Renteneintrittsalter Auswirkungen auf die Gesundheit hat, haben Forschende die Daten von Frauen zweier Rentenjahrgänge untersucht. (Symbolbild) © imago-images.de

Wirkt sich das Renteneintrittsalter auf die Gesundheit aus? Mit dieser Frage haben sich Forschende befasst – und sind auf überraschende Ergebnisse gestoßen.

Berlin – In einer Studie haben Forschende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) untersucht, wie sich ein späterer Beginn der Frührente bei Frauen auf die Gesundheit auswirkt. Dazu haben sie Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von Frauen aus zwei besonderen Jahrgängen verglichen: Denen aus dem Geburtsjahrgang 1951, die vor der Anhebung des Frührentenalters 1999 bereits ab 60 in Rente gegangen sind und denen aus dem Jahrgang 1952, die erst mit 63 abschlagsfrei in Frührente gehen konnten.

Das Ergebnis soll beweisen, dass sich die Arbeit im höheren Alter negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken kann. So fielen im Vergleich in den drei Bereichen psychische Gesundheit, physische Gesundheit und in Anspruch genommene Gesundheitsleistungen die Daten bei den Frauen mit späterem Renteneintritt grundsätzlich schlechter oder gleich aus. Eine Verbesserung der gesundheitlichen Lage bei späterem Renteneintritt sei jedoch nicht zu erkennen gewesen, betonte die Wissenschaftlerin und Mit-Autorin Mara Barschkett in einem auf der Instituts-Website veröffentlichten Interview.

Zusammenhang zwischen Rentenalter und Gesundheit: Psychische und körperliche Krankheiten

So hätten die Forschenden erkannt, dass etwa die Wahrscheinlichkeit an einem stressbedingten Leiden zu erkranken bei den Frauen zwischen 60 und 62 aus dem Jahrgang 1952 bei 23 und damit 0,8 Prozent höher lag als bei den 1951 geborenen. Im Bereich der Stimmungsstörungen lag die Quote sogar um 0,9 Prozentpunkte höher bei 19,5 Prozent. Barschkett erklärte das mit der Annahme, dass Arbeit „offenbar insbesondere im höheren Alter mit Stress verbunden“ sei und einen Teil der Beschäftigten überfordere.

Doch nicht nur psychisch zeigten sich bei den untersuchten Daten die Effekte der längeren Arbeitszeit. Zu den häufiger auftretenden körperlichen Symptomen zählten etwa Übergewicht, Muskel- sowie Skelett-Erkrankungen, die häufigsten Arthrose- und Rückenbeschwerden. Bei Bluthochdruck oder Diabetes hingegen ließen sich laut Studienbericht kaum relevante Unterschiede feststellen. Im Durchschnitt lag bei den Frauen aus dem Jahrgang 1952 der Betrag bei den in Anspruch genommenen Gesundheitsleistungen um 14 Euro höher als bei den 1951 geborenen.

Gesundheitsprobleme durch späten Renteneintritt? Forschende sehen Zusammenhang

Aufgrund der Erkenntnisse ihrer Studie raten die Forschenden des DIW, dass künftig Präventivmaßnahmen dazu führen sollen, dass Menschen, die noch älter in Rente gehen, bereits früh aktiv gegensteuern und ihre Gesundheit fördern können. Zudem könne über Weiterbildungsangebote dafür gesorgt werden, Menschen vor Eintritt in die Rente bei Bedarf einen Wechsel ihres Tätigkeitsfelds zu ermöglichen. Darüber hinaus fordern die Studienautor:innen, das Erwerbsminderungsrentensystem anzupassen, um Personen, die nicht länger arbeiten können „aufzufangen“.

Im Jahr 1999 sorgte eine Gesetzesreform dafür, dass der Eintritt in die Rente statt mit 60 erst mit 63 Jahren möglich wurde. Inzwischen liegt das reguläre Renteneintrittsalter deutlich höher, bei 67. Wer früher in Rente will, muss mit Abzügen rechnen. (ska)

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