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Müssen noch trocknen: Seifen im Regal bei Housed Wolf.

Kosmetik

Die Renaissance der Seife

Ein Relikt aus Zeiten von Oma und Opa? Von wegen - Seifen erleben ein Comeback. Nebenbei sind sie umweltschonend.

Sorgsam faltet Cosmin Katko Papier um das duftende Stück Seife auf der Ladentheke. Erst die eine Seite, dann die andere, zum Schluss der Aufkleber. Viele Male am Tag machen er und sein Geschäftspartner Marc-Simon Wolf das. In ihrer Seifenmanufaktur Haused Wolf in Nürnberg ist alles selbst gemacht, von der Herstellung bis zum Online-Versand. Und das Geschäft läuft ihren Angaben nach gut. Der Renner: Haarseife.

Dabei wirkt Seife oft etwas altmodisch. Bei Oma und Opa lag immer so ein ausgewaschenes Stück mit Rissen in einer Schale mit Gumminoppen am Waschbecken. Nicht gerade ansehnlich. Manche Menschen ekeln sich sogar regelrecht vor Seifen, weil sie diese für unhygienisch halten.

„Die Nachfrage ist enorm“

Doch das Image der guten alten Seife wandelt sich gerade. „Seifen erleben eine Renaissance“, sagt die Marktforscherin Elfriede Dambacher, die auf Naturkosmetik spezialisiert ist. Vor allem wer umweltbewusst und möglichst verpackungsarm konsumieren will, seift Hände, Körper und seit neustem auch Haare ein. „Der Schaum der Seife zerfällt und belastet die Gewässer nicht“, sagt Dambacher. Außerdem sei sie sehr ergiebig. „Ein Stück hält so lange wie vier Flaschen Shampoo oder Duschgel.“

Und davon verbrauchen wir Deutschen eine Menge. Mehr als 14 Milliarden Euro gaben Verbraucher im vergangenen Jahr nach einer Hochrechnung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel für Schönheitsprodukte aus. Die Naturkosmetik wächst Dambacher zufolge seit Jahren und kommt inzwischen auf einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent. Ab Mittwoch dieser Woche trifft sich die Branche in Nürnberg auf der internationalen Naturkosmetikmesse Vivaness, die parallel zur weltgrößten Bio-Lebensmittel-Messe Biofach läuft.

Mehrere Aussteller werden dort ihre Haarseifen präsentieren, darunter Treibholz aus Nordrhein-Westfalen. „Die Nachfrage ist enorm nach Haarseife“, sagt Lucia Scheige, die Tochter des Firmeninhabers. Das Unternehmen vertreibt seit einigen Jahren drei verschiedene Haarseifen, vor allem in Bioläden. Zurzeit sind die Bestände so gut wie leer gekauft. „Aufgrund hoher Nachfrage vergriffen“, steht auf der Homepage. Erst im Mai soll es wahrscheinlich wieder Nachschub geben.

Im Geschäft von Haused Wolf stapeln sich Seifen in Regenbogenfarben, Pastelltönen oder tiefem Schwarz auf Blechen hinter der Kasse. Mehrere Wochen reifen die Stücke dort. In den Regalen steht an einigen Stellen ein Schild: „Ausverkauft – wird gerade nachproduziert.“ Die beiden Besitzer erweitern gerade die Produktion und suchen zu ihren vier Mitarbeiterinnen weitere Verstärkung, um die Lücken schneller wieder auffüllen zu können.

Bisher rühren sie die Zutaten für ihre Seifen in Zehn-Liter-Töpfen in der Küche hinter dem Verkaufsraum zusammen. „Die Rezepturen sind Betriebsgeheimnis“, sagt Katko. Nur so viel verrät er: Die Seife wird nicht gekocht, sondern kalt gerührt – und alle Zutaten sind natürlich. Das ist nicht bei jeder Haarseife der Fall. „Es gibt keine Vorschriften, was Haarseife enthalten darf“, sagt Wolf. „Es gibt auch welche, denen zusätzlich Tenside und Filmbildner hinzugefügt werden.“ Zudem sind Haarseifen leicht mit festen Shampoos zu verwechseln. Die sehen zwar ähnlich wie eine Seife aus, enthalten aber die gleichen Inhaltsstoffe wie Flüssigshampoo. „Das ist wie bei einer Ernährungsumstellung“, sagt Katko. „Man muss die Verpackungsrückseite genau studieren.“

Früher bekam man Haarseifen meist nur in spezialisierten Naturkosmetikgeschäften. Heute gibt es sie auch in Unverpackt-Läden, Biomärkten, Parfümerien und Drogerien. „Der Trend geht in die Breite“, sagt Elmar Keldenich vom Handelsverband Kosmetik. „Er spricht aber eine ganz bestimmte Zielgruppe an.“

Die Drogeriekette dm hat zum Beispiel seit Herbst Haarseife im Sortiment. Zusammen mit festen Shampoos kommt die feste Haarpflege damit auf zehn Produkte. Im Vergleich: Bei flüssigen Shampoos sind es rund 270. „Wir betrachten die Produkte als Ergänzung unseres Sortiments“, sagt Marketinggeschäftsführer Sebastian Bayer. Ähnlich sieht es bei Konkurrent Rossmann aus: Aktuell führt er elf feste Shampoos und etwa 280 flüssige.

„Haarseife ist nicht massentauglich“, erläutert Expertin Dambacher. Wieso? „Über Generationen hinweg hat sich ein Waschempfinden gebildet, dass es extrem schäumen muss und die Haare danach leicht kämmbar sind.“ Das glaubt auch Keldenich: „Die Mehrzahl der Menschen wird weiterhin normales Shampoo benutzen.“ (dpa)

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