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Auf der beschaulichen Insel Whidbey Island in den USA macht sich eine rechte Miliz breit. (Archivbild)
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Auf der beschaulichen Insel Whidbey Island in den USA macht sich eine rechte Miliz breit. (Archivbild)

USA

USA: Rechte Miliz breitet sich auf Insel aus und stellt Forderungen

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Einwohner:innen der Insel Whidbey Island im US-Bundestaat Washington sind besorgt über die Ausbreitung einer rechten Milizengruppe. Diese hingegen versucht, ihr Image aufzupolieren.

Whidbey Island – Eine ultrarechte Milizengruppe hat sich auf Whidbey Island, einer Insel im US-Bundesstaat Washington, nördlich von Seattle, ausgebreitet. Die Gruppe, die zur rechten Organisation Washington State Three Percenters gehört, hält dort seit einigen Monaten Kundgebungen ab und richtet sich gegen Gemeindegruppen und die lokale Regierung. Dies führt zu erheblichen Spannungen auf der Insel, wie die US-amerikanische Zeitung The Daily Beast berichtete.

Am Samstag (03.07.2021) versammelten sich etwa hundert Menschen in einem Park in Langley, eine normalerweise eher verschlafenen Stadt mit etwa 1.200 Einwohnern auf Whidbey Island, zu einer politischen Kundgebung. Die Redner:innen sprachen dabei über Rassismusbekämpfung, Rechte für LGTBQ, vor allem aber über die paramilitärische Organisation auf der Insel. „Der Rassismus und die Spaltung der rechten Milizen haben in unserer Gemeinde wirklich keinen Platz“, sagte Scott Chaplin, Bürgermeister in Langley, der Menge.

Rechte Miliz Washington State Three Percenters übernehmen Whidbey Island in Washington

Die Milizengruppe hält sich selbst für Brüder im Geiste der amerikanischer Siedler, die 1775 zu den Waffen griffen, um die Herrschaft Großbritanniens abzuschütteln. Ihr Name, Washington State Three Percenters, beruht auf der falschen Annahme, dass nur drei Prozent der US-Kolonisten in der amerikanischen Revolution gekämpft hätten, so The Daily Beast.

Mitglieder und Unterstützer:innen der Miliz hatten im vergangenen Herbst die Kontrolle über die fast 100 Jahre alte lokale Grange-Vereinigung übernommen und begonnen, sich gegen all jene zu stellen, die nicht mit ihnen sympathisierten. The Grange, offiziell The National Grange of the Order of Patrons of Husbandry, ist eine landwirtschaftliche Interessenvertretung in den USA. Im Oktober hatte die Milizengruppe zudem eine Anti-Lockdown-Kundgebung auf der Insel abgehalten. Viele Einheimische hätten nicht mit einer Ausbreitung der Miliz in ihrer beschaulichen Gemeinde gerechnet, so The Daily Beast. Die Insel Whidbey Island war zuvor vor allem bei Tourist:innen für ihre hügelige, bewaldete Landschaft, ihre idyllischen Farmen und ihre spektakulären Ausblicke bekannt.

Die Deception Pass Bridge auf Whidbey Island. Die Insel ist vor allem bei Tourist:innen beliebt. (Archivbild)

Gründer der Milizengruppe auf Whidbey Island bestreitet Rechtsextremismus

Kritiker:innen halten die Milizengruppe für rechtsextrem, rassistisch und gefährlich. Der Gründer und Präsident der Gruppe, Matt Marshall, lehnt es hingegen ab, seine Gruppierung als extremistisch oder rassistisch zu bezeichnen. Die Gruppe trainiert mit Waffen und ist für ihre Äußerungen bekannt, bereit zu sein, sich zu wehren, wenn sie einer ihrer Meinung nach tyrannischen Regierung ausgesetzt seien. Trotz dieser Tatsache bestreitet der Kampfveteran und Assistenzarzt Marshall, dass es sich bei der Gruppierung um eine Miliz handele, so The Daily Beast.

Trotz der Spannungen innerhalb der Gemeinde scheinen staatliche Behörden keinen Grund für ein Einschreiten zu sehen, wie das Portal berichtet. Mitarbeiter:innen der örtlichen Strafverfolgungsbehörden sollen demnach gegenüber The Daily Beast angegeben haben, dass sie die Milizengruppe nicht als ihre oberste Priorität ansehen. Der Sheriff des Insel-Bezirks, Rick Ferici, sagte der Zeitung Seattle Times: „Menschen haben das Recht, sich Organisationen anzuschließen und ihre Meinung zu äußern.“ Scott Chaplin, Bürgermeister in Langley, sagte gegenüber The Daily Beast, dass vor allem die Präsidentschaft von Donald Trump dazu geführt habe, dass sich rechte Gruppierungen bilden.

Ausbreitung rechter Gruppen in der Lokalpolitik als häufiges Phänomen in den USA

Dass sich rechte Gruppen in die Lokalpolitik mischten, sei in den USA häufiger zu bemerken, so The Daily Beast. Da sie sich auf Kommunal- und Landtagswahlen konzentrierten, blieben sie häufig unter dem Radar staatlicher Beobachtung. Daryl Johnson, Leiter der Firma DT Analytics, die gegen rechte Gruppierungen vorgeht, sagte gegenüber The Daily Beast: „Sie versuchen das schon seit geraumer Zeit: Extremisten kandidieren für Ämter, Kommunalwahlen, Kreisräte, staatliche Parlamente und ähnliches. Wenn niemand etwas dagegen unternimmt, wird das zur neuen Norm.“

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Laut The Daily Beast konnten bisher noch keine konkret ausgeübten rassistischen Handlungen von Three Percenters benannt werden. In einer SMS, in der Marshall ein Interview ablehnte, bezeichnete er die Kritik lokaler Aktivist:innen an seiner Organisation als „Schmierkampagne“. Einige Personen, die in Kontakt mit der Gruppe stehen, sollen zudem verdächtigt werden, mit dem Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang Januar 2021 und den dort agierenden rechten Milizen in Verbindung zu stehen. Konkrete Beweise sollen jedoch auch hier nicht vorliegen, so The Daily Beast.

Milizengruppe auf Whidbey Island: Gründer Marshall zum Schulvorstand gewählt

Laut Daily Beast soll die Gruppe einige Schritte unternommen haben, um das Image zu erzeugen, sich mehr in Richtung der politischen Mitte zu bewegen. Die Milizengruppe registrierte sich zum Beispiel als gemeinnützige Organisation, und Matt Marshall, Gründer der Washington State Three Percenters-Gruppe auf der Insel, wurde zum Schulvorstand in Eatonville, einer ländlichen Stadt südlich von Seattle, gewählt.

Schulen spielen in den USA als Austragungsort lokalpolitischer Konflikte eine besonders große Rolle, so The Daily Beast. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie Rassismus oder Rechte für LGBTQ. Der Kampf um die politische Ausrichtung von Whidbey Island soll sich am 11. Juni zugespitzt haben, als mehr als 100 Demonstrant:innen gegen die von Schülern geleiteten Bemühungen protestierten, die South Whidbey High School dazu zu bringen, einen LGBTQ-inklusiven Lehrplan einzuführen und die Black Lives Matter-Bewegung anzuerkennen. Ein Gegenprotest von mehr als 300 Schüler:innen stellte sich der Demonstrationsgruppe entgegen. Einheimische befürchten, dass die Kandidat:innen der nächsten Schulratswahlen mit der rechten Milizengruppe sympathisieren könnten.

Bürgermeister von Langley auf Whidbey Island hält Aufstieg rechter Kräfte für vorübergehend

Scott Chaplin, Bürgermeister in Langley, rechnet damit, dass die politischen Spannungen auf der Insel in nächster Zeit noch zunehmen könnten. Dennoch ist er optimistisch, dass der Aufstieg rechtsextremer Kräfte in seiner Gemeinde ein vorübergehendes Phänomen ist.

„Ich denke, ironischerweise wird das, was sie tun, nach hinten losgehen, weil es den Rest der Gemeinde auf eine Weise zusammenbringt, wie wir es schon lange nicht mehr waren“, so Chaplin gegenüber The Daily Beast. (Anna Charlotte Groos)

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