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Perfekte Besetzung: Die Verlobte des Rechtspopulisten Matteo Salvini moderiert die Show.

Italien

Rechte Kochshow schmeckt Salvini

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Eine italienische Kochshow will multikulturelle Rezepte verbannen. Die Verlobte von Italiens rechtspopulistischem Innenminister Matteo Salvini präsentiert künftig nur noch Pasta.

Elisa Isoardi ist nicht nur Moderatorin der italienischen Fernseh-Kochshow „La prova del cuoco“ (Die Koch-Probe). Sie ist auch die Verlobte von Italiens neuem, rechtspopulistischen Innenminister Matteo Salvini. Die ständigen Selfies des Paares sind ebenso wie Gerüchte über Beziehungskrisen und Seitensprünge ein sprudelnder Quell für sämtliche Klatschzeitschriften.

Bei den Fans der täglich kurz vor Mittag ausgestrahlten Kochsendung kommt Isoardi allerdings nicht so gut an. Seit sie Anfang September die Moderation übernahm, hat die Show stark an Quote verloren. Immer wieder unterlaufen ihr Pannen, jetzt kam es zum Eklat. Ein Gourmetkoch hat seine Mitarbeit aufgekündigt – aus politischen Gründen. Die Show folge immer mehr Salvinis berüchtigtem Slogan „Die Italiener zuerst“, so Vittorio Castellani, bekannt als „Chef Kumalé“. Sie habe das Motto sogar noch ausgeweitet – auf: „Nur die Italiener“.

Castellani ist Koch, Autor und Food-Blogger. Er bezeichnet sich als „Gastro-Nomade“, reist um die Welt und sammelt Rezepte. Für Bohnenbällchen aus Ghana etwa, brasilianische Maniok-Brötchen oder vietnamesischen Fischsalat. Doch Multikulturelles bei Tisch war den Machern der „Koch-Probe“ offenbar nicht erwünscht. 

Salvini wird’s schmecken

„Man hat mir gesagt, in der Sendung werde die traditionelle regionale Küche Italiens bevorzugt“, schrieb Castellani in seinem Facebook-Eintrag. Die Sendung habe einen nationalistischen Einschlag bekommen und biedere sich der aktuellen Stimmung unter italienischen Wählern an, kommentierte er zornig. „Themen, die mit der Küche und Kultur anderer zu tun haben, riskieren dank des Klimas der Intoleranz zum Tabu zu werden.“

Dazu trügen die italienischen Medien bei. „Man verschließt die Türen zur Welt“, so der Koch – unter dem Vorwand, dass typische italienische Produkte, die nationale Identität und das Made in Italy geschützt werden müssen.

Anzumerken ist hier, dass Italien kulinarisch gesehen noch nie sonderlich offen war. Schon lange vor dem Aufstieg des Nationalisten Salvini fand sich kaum ein Italiener, der nicht davon überzeugt wäre, dass die italienische Küche die beste der Welt und in ihrer regionalen Vielfalt unübertroffen sei. Exotische Zutaten und Gewürze sind in italienischen Supermärkten deshalb kaum zu finden. Und indische, thailändische oder südamerikanische Restaurants sind auch in einer Großstadt wie Rom vergleichsweise rar.

Salvinis Verlobte hat sich zu den Vorwürfen von „Chef Kumalé“ bisher nicht geäußert. Der staatliche Fernsehsender Rai dementierte. „La prova del cuoco“ sei offen für alle Küchen der Welt. So sei etwa erst kürzlich in der Sendung eine Auberginen-Parmigiana mit japanischem Sushi kombiniert worden. Nur dass die Parmigiana an sich ein traditionell sizilianisches Gericht ist.

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