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Nichts als bunte Federn? Hinter den Revuen steckt viel Arbeit.

Lido

Raus aus der Schmuddelecke

Eigentlich ist das Pariser Lido bekannt für anzügliche Oben-Ohne-Shows. Nun dürfen die Tänzerinnen ihre Oberteile öfter mal anlassen: Sie geben Fitnesskurse und sollen das Image des Theaters so aufpolieren.

Nur ein sexistisches Spektakel? Eine reine Touristen-Attraktion? Das Revuetheater Lido in Paris will weg von den Vorwürfen – und raus aus der Schmuddelecke. Deshalb bietet das berühmte Theater am Boulevard Champs-Elysées nun auch einen Fitness-Intensivkurs an. Dieser wird geleitet von den hauseigenen Tänzerinnen, den berühmten „Bluebell Girls“. Sie wollen den sportlichen Aspekt ihres Berufs unterstreichen. Und so beweisen: Das Lido ist im 21. Jahrhundert angekommen.

Am Lido-Eingang hängen normalerweise Bilder von leichtbekleideten Tänzerinnen in Glitzerkleidchen mit Federn. Jetzt steht da allerdings ein Schild, auf dem junge Frauen in Leggings abgebildet sind. Sie machen Yoga. Doch das Angebot richtet sich nicht nur an Frauen. Auch Männer sind eingeladen, an dem Kurs teilzunehmen. Neben Yoga werden Ausdauerkurse und Pilates angeboten, jede Einheit dauert 40 Minuten.

Danach bringen die Tänzerinnen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch einige Schritte aus dem Stück „Paris Merveilles“ bei, das derzeit im Lido aufgeführt wird. Als der belgische Regisseur Franco Dragone die Show vor rund vier Jahren entwarf, hatte er bereits einen ähnlichen Hintergedanken: „Es war mir wichtig, auszudrücken, dass eine Frau kein Objekt ist: Die ‚Bluebells‘ übernehmen die Macht“, sagte er.

Die Tänzerin Alicia gibt ihm Recht: „Auch wenn wir bei einigen Nummern im Laufe des Abends ohne Oberteil tanzen, sind wir doch eigentlich Hochleistungssportlerinnen.“ Um täglich eine eineinhalbstündige Show aufzuführen, sei mehr nötig als die Bereitschaft, sich auszuziehen.

Alicia ist eine der sieben Fitness-Trainerinnen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Intensivkursen betreuen. Sie hält ihren Körper täglich mit Liegestützen, Kniebeugen, Bauch- und Gesäßmuskelübungen in Form. Zuvor arbeitete Alicia als Tänzerin an der Oper von Marseille. Wie alle „Bluebell Girls“ bringt auch sie eine klassische Tanzausbildung mit.

Die „Bluebell Girls“ gehen zurück auf die irische Tänzerin und Choreographin Margaret Kelly, die wegen ihrer blauen Augen Bluebell – zu deutsch „Hyazinthe“ – genannt wurde. Sie arbeitete bereits ab 1948 für das Pariser Lido und legte denn auch fest, wie die Tänzerinnen aussehen müssen: Ein „Bluebell Girl“ muss etwa mindestens 1,75 Meter groß sein.

Die Teilnehmerinnen des Intensivkurses dagegen haben unterschiedliche Größen und Figuren. Sie entsprechen durchaus dem Werbespruch, der da lautet „Das Lido liebt die Diversität der Körper und Charaktere.“ Beim Aussehen der allesamt großen, schlanken und schönen „Bluebells“-Trainerinnen kommt dieser Slogan allerdings nicht ganz so zur Geltung. (afp)

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