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Das Spektrum der Comics begrenzt sich nicht nur auf Fantasy und Science-Fiction.

Comics

Raus aus der Nerd-Nische

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Das Geschäft mit Comics und Graphic Novels läuft in Deutschland immer besser. Einen Anteil daran hat auch der Splitter-Verlag im ostwestfälischen Bielefeld. Ein Besuch.

Dirk Schulz sieht die Arbeit der vergangenen 13 Jahre jeden Tag in seinem Büro. In einer riesigen Regalwand steht das Archiv: Sämtliche Comicbände, die der Splitter-Verlag seit seiner Gründung im Oktober 2006 herausgebracht hat. Die Regalfächer reichen bis an die gut vier Meter hohe Decke, insgesamt mehr als 1600 verschiedene Titel. Für einen Comic-Verlag aus Deutschland ist das eine bemerkenswerte Zahl.

„Da steckt viel Energie drin“, sagt Schulz. „Aktuell produzieren wir 16 neue Titel pro Monat, das ist schon eine ordentliche Arbeit“, so Schulz, einer der drei Gründer von Splitter. Der 53-Jährige ist wie der andere Geschäftsführer, Hans Gotta, ausgebildeter Grafikdesigner und hat früher selbst Comics gezeichnet („Indigo“) und in der Werbebranche gearbeitet. Das Zeichnen hat Schulz nicht ganz aufgegeben, quasi nebenher produziert er noch Cover der Kult-Serie „Perry Rhodan“. Doch hauptberuflich leitet er heute den Splitter-Verlag. Und der gilt in der deutschen Szene als Erfolgsgeschichte.

Splitter-Mitgründer Dirk Schulz.

Die Verlagsräume in einem Bielefelder Altbau strahlen eine natürliche und ungezwungene Kreativität aus. Holzboden und Ledermöbel, ein Aquarium und zwei neugierige Hunde, die für Leben sorgen. Überall liegen Comics und Zeichnungen, Splitter hat sich in den vergangenen Jahren in den Kreis der etablierten Verlage geschoben. Während die Platzhirsche wie Ehapa oder Carlsen zum großen Teil von ihren Dauerbrennern wie Micky Maus oder Tim und Struppi zehren, gilt der Splitter-Verlag in seinen Bereichen mittlerweile als führend.

Nach einem zunächst vornehmlichen Fantasy- und Science-Fiction-Angebot hat sich im Laufe der Jahre ein breiteres Spektrum entwickelt, das nun auch Klassiker wie moderne franko-belgische Serien und Graphic Novels beinhaltet. Die Abenteuer des Detektivs Rick Master oder des Piloten Dan Cooper, die viele noch aus den Zack-Magazinen der 1970er Jahre kennen, gehören ebenso dazu wie neue Serien. Beispielsweise die bissige Sozialkomödie „Die alten Knacker“, die nicht nur im comic-affinen Frankreich, sondern auch in Deutschland zu einem großen Erfolg wurden.

„Der erste Band der Serie ist derzeit in der sechsten Auflage, ein Wahnsinnserfolg“, sagt Schulz. Mehr als 12 000 Exemplare seien verkauft worden, für deutsche Verhältnisse eine hohe Zahl. Weitere Bestseller sind die tiefgründige und gesellschaftskritische Graphic Novel „Blau ist eine warme Farbe“, die Serien des französischen Science-Fiction-Spezialisten Leo oder die visionären Werke des im Jahr 2012 verstorbenen Großmeisters Moebius alias Jean Giraud.

Deutsche Talente fördern

Die drei Gründer, zu denen auch Schulz’ mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedene Frau Delia Wüllner-Schulz gehört, starteten 2006 mit jeweils 20 000 Euro Eigenkapital. „Wir hatten ausgerechnet, dass das Geld für drei Monate reichen würde, wenn wir gar nichts verkaufen würden“, erinnert sich Schulz. Doch bereits nach drei Wochen habe man gemerkt, „dass es läuft“. Mittlerweile produziert Splitter mehr als eine halbe Million Comicbände im Jahr, die in einer Regensburger Druckerei hergestellt werden. Die Zahl der fest angestellten Grafiker und Redakteure ist auf sieben angestiegen, dazu kommen aktuell ein fester freier Mitarbeiter sowie 15 Übersetzer.

Gezielt versucht das Splitter-Team auch deutsche Comickünstler zu fördern. Etwa Zeichner wie Peter Eickmeyer aus dem ostwestfälischen Melle. Der 54-Jährige feierte seinen kommerziell bislang größten Erfolg mit der Adaption des Anti-Kriegsromans „Im Westen nichts Neues“ von Erich-Maria Remarque, ebenfalls bei Splitter erschienen und laut Schulz „extrem erfolgreich“.

Im Juli dieses Jahres soll nun mit „Der zweite Mann“ die Geschichte von Buzz Aldrin erscheinen, der vor 50 Jahren als zweiter Mensch nach Neil Armstrong den Mond betrat. Auch dieser Band hat das Potenzial zum Erfolg: ein künstlerisch hochwertiges Werk, das sich an ein breites Publikum richtet. Eine Leserschaft. die dieses Genre in Deutschland längst aus seiner Nerd-Nische hervorgeholt hat.

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