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Hübscher Ausblick vom Sonnendeck: eine Kreuzfahrt ins Eis - hier in Alaska.

Kreuzfahrten

Noch immer vieles unklar bei der Havarie der „Viking Sky“

Viele versprechen sich von einer Kreuzfahrt einen gemütlichen Urlaub. Doch gerade im Norden kann das ziemlich ungemütlich werden.

Es waren bizarre Bilder, an diesem Wochenende auf dem Kreuzfahrtschiff Viking Sky, das vor dem norwegischen Küstengebiet in Seenot geriet. Möbel rutschten über das Deck, Teile der Decke fielen herunter. Da das Schiff nur schwer zu kontrollieren war und auf Grund zu laufen drohte, wurden fast 500 Passagiere mit Hubschraubern an Land gebracht.

Die restlichen fast 900 Menschen an Bord konnten am Sonntagnachmittag an Land gehen, als das Schiff im Hafen der norwegischen Kleinstadt Molde einlief. 28 Personen mussten nach Angaben des norwegischen Rundfunks bislang in Krankenhäusern behandelt werden. Es gäbe unter den Passagieren drei Schwerverletzte.

Die Reise mit der Viking Sky ist ein Beispiel für die steigende Beliebtheit von Kreuzfahrten in rauen Gegenden und bei schwierigen Wetterverhältnissen. Auf der Webseite MarineTraffic.com ist zu sehen, dass Dutzende Fährschiffe und Kreuzfahrer zurzeit rund um die norwegische Küste, aber auch um Island und Spitzbergen fahren. Dabei geht die Saison erst noch los. Eigentlich ist der Zeitraum von Mai bis August der wichtigste für den Kreuzfahrttourismus in Nordeuropa.

Die Notlage der „Viking Sky“ hat Touristen verunsichert.

Deutsche Touristen spielen bei der Entwicklung eine sehr wichtige Rolle. Letztes Jahr besuchten mehr als 275 000 Deutsche Norwegen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Ein Plus von fast 20 Prozent gegenüber 2017. „Wir schätzen Deutschland sehr, es ist für uns der wichtigste Markt, vor Großbritannien und den USA“, sagt Direktor Inge Tangerås vom Tourismusbüro Cruise Norway denn auch. Insgesamt buchten letztes Jahr 2,26 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt – das ist eine Steigerung von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Eine Kreuzfahrt in den Norden ist jedoch anders als im Mittelmeer oder in der Karibik. „Diese Reisen richten sich an Menschen, die sich mehr für die Natur interessieren als für Unterhaltungsangebote wie Casinos und Schwimmbäder“, sagt Rob Grin von der Meeresforschungsagentur Marin.

Norwegens Polizei untersucht den Fall der Viking Sky

Die Viking Sky ist mit 227 Metern sicherlich kein kleines Schiff. In der Kreuzfahrtbranche allerdings schon, so Forscher Grin. „Es ist ein typisches Schiff für die nördliche Region. Diese Schiffe sind oft zwischen 200 und 250 Meter lang, während Schiffe in der Karibik oder im Mittelmeer mehr als 300 Metern Länge haben. Und kleine Schiffe sind stärker von hohen Wellen betroffen.“

Gerade im Norden sehen sich Schiffe häufig mit schwierigen Bedingungen konfrontiert, sagt Kapitän Rudolf Kreutzer, Professor an der Hochschule Emden/Leer. „In dieser Jahreszeit sind die Wetterbedingungen in Norwegen sicherlich schlechter als im Mittelmeer. Man muss oft mit Stürmen, hohen Wellen und kaltem Wasser rechnen.“

Welche Rolle das Wetter hier gespielt hat, ist aber noch unklar. Die norwegische Polizei leitet nach dem glimpflich ausgegangenen Zwischenfall Untersuchungen ein. Auch die staatliche Havariekommission ging am Montag an Bord des Schiffes, um zu überprüfen, wie es am Samstag zu den schwerwiegenden Motorproblemen kommen konnte. Bislang wisse der deutsche Motorenhersteller MAN nicht, warum mindestens drei der vier Motoren ausgefallen seien, sagte ein Sprecher in Augsburg.

„Dies ist ein dramatischer Vorfall, aber alles hat gut funktioniert“, so Schifffahrtsexperte Kreutzer. „Die Hilfe war schnell zur Stelle und die Evakuierung verlief gut. Die Kreuzfahrtbranche ist sich der Risiken bewusst. Die Sicherheitsstandards sind höher als bei anderen Schiffen. Die Passagiere müssen sich keine Sorgen machen.“

Es gibt aber auch Kritik aus Umweltschutzkreisen. Denn Touristen zerstören die gleiche Natur, die sie auf ihren Reisen sehen wollen. „Es ist wie bei einer Safari in Afrika. Die Menschen wollen die Natur sehen, aber es ist ein Eingriff in das Ökosystem“, sagt Professor Kreutzer. „Die Schifffahrt ist ein ständiger Eingriff in die Natur – zum einen durch Abgase, aber auch die Tiere werden gestört. So funktioniert aber unsere Gesellschaft.“

Die Tourismusanbieter haben das im Blick, versichert Inge Tangerås vom norwegischen Tourismusbüro. „Umwelt ist ein Thema. Aber fast jeder Tourismus stößt Kohlendioxid aus. Wir arbeiten daran, das zu verbessern.“

Autor: Ties Brock

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