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Ratsmitglieder rudern zurück: Stadt Osnabrück rückt wieder vom Gendern ab

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Von: Luisa Weckesser

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Verzichtet die Stadt Osnabrück künftig wieder auf das Gendern? (Symbolfoto)
Verzichtet die Stadt Osnabrück künftig wieder auf das Gendern? (Symbolfoto) © Sebastian Gollnow/dpa

Die gendergerechte Sprache nimmt einen immer größeren Platz im deutschen Sprachgebrauch ein. Die Stadt Osnabrück will sie jetzt dennoch wieder streichen.

Osnabrück – Erst im vergangenen Sommer hatte die Osnabrücker Stadtverwaltung das Gendern eingeführt. Nun rudert der Stadtrat unter der neuen Oberbürgermeisterin Katharina Pötter direkt wieder zurück. Angeblich soll Pötter bereits im Juli vergangenen Jahres, neben Stadtkämmerer Thomas Fillep (SPD), gegen die geschlechtergerechte Sprache gewesen sein, berichtet die Osnabrücker Onlinezeitung Hasepost.de.

Ihr Vorgänger Wolfgang Griesert (CDU) gab jedoch seine Stimme für die umstrittene Sprach-Variation – ebenso wie einige andere Ratsmitglieder.

Nun wird aber in Zukunft wieder auf Gendersternchen verzichtet. Nach aktuellen Umfragen wird der alte Sprachgebrauch ohnehin von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung bevorzugt. Das sei auch einer der Gründe, warum die Stadt Osnabrück der Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung, auf die üblichen Formen gendergerechter Sprache zu verzichten, folgen werde. Man wolle sich dennoch um eine geschlechtergerechte Sprache bemühen – allerdings auf Gendersterne, Unterstriche und das große Binnen-I verzichten.

Was ist geschlechtergerechte Sprache?

Als Geschlechtergerechte Sprache bezeichnet einen Sprachgebrauch, der in Bezug auf Personenbezeichnungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und darüber hinaus aller Geschlechter zum Ziel hat und die Gleichstellung der Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache zum Ausdruck bringen will. Als Personenbezeichnung werden dabei alle sprachlichen Mittel verstanden, die sich in ihrer inhaltlichen Bedeutung (Semantik) auf einzelne Personen, auf gemischtgeschlechtliche Gruppen oder auf Menschen im Allgemeinen beziehen.

(Quelle: Wikipedia)

Stadt Osnabrück will Gendern kippen: Grund ist eine Empfehlung

Der Grund für die Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung sei, dass Gendersternchen und Co Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und Übersetzbarkeit von Texten behindern und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen benachteiligen.

„Als Dienstleistungsunternehmen muss die Stadtverwaltung sich befleißigen, die Sprache der Bürgerinnen und Bürger zu sprechen und zu schreiben, statt ihnen Vorgaben zu machen, wie sie zu sprechen und zu schreiben haben. Ein solcher autoritärer Stil liegt der Stadt fern“, steht in einem Auszug der Beschlussvorlage aus der jüngsten Ratssitzung.

Aus für das Gendersternchen: Stadt Osnabrück will Gendern abschaffen

Diese defensive Haltung sei offen für die Entwicklung der Sprache auf der Basis des Unterschieds von Genus (grammatisches Geschlecht) und Sexus (biologisches Geschlecht). Sie ignoriere nicht die Ungerechtigkeiten in der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft, maße sich aber keine Entscheidungsbefugnis darüber an, wie diesen sprachlich zu begegnen sei, heißt es weiter.

Die Vorlage hat laut Hasepost.de gute Chancen vom Stadtrat bewilligt zu werden, da die Oberbürgermeisterin und führende Lokalpolitiker aller Parteien im Ausschuss vertreten seien und dort „vermutlich die benötigten Mehrheiten bereits geklärt wurden“.

In anderen Städten wurden ebenfalls Anträge gegen die Verwendung gendergerechter Sprache eingereicht. Ein Antrag der AfD, die geschlechtergerechte Sprache in Kassel wieder einzustellen*, wurde abgelehnt. Ein CDU-Politiker bezeichnete den Versuch als „scheinheilig“. (Luisa Weckesser) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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