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Waffengeschäft USA Tom Cai Sturmgewehr
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Tom Cai arbeitet für Jimmy‘s Sport Shop in Mineola, New York. Die Waffenkäufe asiatisch-amerikanischer Kundschaft nehmen zu.

Hassverbechen gegen Asiaten

Rassismus in den USA: Asiatische Community deckt sich nach Amoklauf mit Waffen ein

  • VonMirko Schmid
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Die asiatische Community in den USA greift vermehrt zur Schusswaffe. Grund dafür ist die Zunahme von Hassverbrechen.

  • Die Zahl asiatisch-amerikanischer Waffenbesitzer:innen in den USA steigt.
  • Grund dafür ist auch die anti-asiatische Rhetorik von Donald Trump, der China für die Corona-Pandemie verantwortlich macht.
  • Die meisten Waffenkäufer:innen mit asiatischen Wurzeln in den USA geben Selbstschutz vor Hassverbrechen als Kaufanreiz an.

New York City - In den USA schildern Waffenhändler ihre Eindrücke, wonach sich gerade Menschen mit asiatischen Wurzeln in letzter Zeit zunehmend mit Schusswaffen versorgen würden. Einig sind sie sich darin, dass dieser Trend darin begründet liegt, dass es im Zuge der Corona-Krise vermehrt zu Hassverbrechen auf asiatisch-stämmige US-Amerikaner:innen kommt.

„China-Virus“: Donald Trump heizt Hass auf asiatisch-amerikanische Community in den USA an

Das liegt auch an Donald Trump. Der ehemalige US-Präsident und passionierte Aufstachler nutzte die Corona-Pandemie wiederholt, um xenophobe Vorurteile zu bedienen. Nachdem er die Pandemie zunächst klein geredet und die Regierung Chinas über alle Maßen gelobt hatte, kehrte er mit der zunehmend über die USA rollenden Welle von Neuinfektionen mit dem Coronavirus schnell in gewohnte Muster zurück. Er schob die Schuld für die rasant wachsenden Fallzahlen von Infizierten und Todesopfern statt auf das eigene Missmanagement in den ersten Wochen auf China und taufte den Erreger in „China-Virus“ um.

Darüber hinaus stand er unbewiesenen Gerüchten wie dem eines fehlgeschlagenen Experimentes mit biologischen Kampfstoffen in chinesischen Laboren offen gegenüber, welche gemäß dieses Narratives ursächlich für die Ausbreitung des Coronavirus sein sollen. Diese ständig wiederholten Unwahrheiten führten letztlich zu einer skeptischen Stimmung unter seiner Anhängerschaft gegenüber Menschen mit asiatischen Wurzeln.

Bei einer Terrorattacke in Georgia schießt ein Mann auf Asiatinnen

Laut einer auf Polizeistatistiken des Zentrums für das Studium von Hass und Extremismus der California State University in San Bernardino basierenden Studie, stieg die Zahl von Hassverbrechen gegen asiatisch-stämmige Amerikaner:innen im Jahr 2020 um 149 Prozent an, wohingegen die Zahl der Hassverbrechen allgemein um sieben Prozent zurückging. Die Forscher fanden heraus, dass die Hassverbrechen im März und April 2020 „inmitten einer Zunahme von Covid-Fällen und einer negativen Stereotypisierung von Asiat:innen im Zusammenhang mit der Pandemie“ zugenommen haben.

Demonstrantinnen fordern das Ende des Hasses gegenüber der asiatisch-amerikanischen Bevölkerung der USA.

Eine Schießerei mit mehreren Todesopfern in der Region Atlanta rückte die antiasiatische Gewalt in den USA zuletzt grausam ins Rampenlicht. Ein Amokläufer ermordete am 16. März 2021 acht Menschen, darunter sechs Frauen asiatischer Herkunft, die in drei unterschiedlichen Wellness-Einrichtungen ihren Tod fanden. Auch wenn der wegen Mordes angeklagte vermutliche Amokläufer Robert Aaron Long eine vermeintliche „Sexsucht“ als Tatmotiv nannte, passt sein grausames Werk ins Bild der USA der letzten Wochen und Monaten.

Menschen asiatischer Herkunft kaufen vermehrt Waffen „zum Selbschutz“ vor Hassverbrechen

Infolge dieser Umstände mehren sich verschiedenen übereinstimmenden Schilderungen gemäß die Waffenkäufe gerade von Menschen asiatischer Herkunft in den USA. „Es machen sich immer mehr Asiat:innenen mit Schusswaffen vertraut“, sagt etwa Jimmy Gong, der Besitzer von Jimmy‘s Sport Shop in Mineola, New York gegenüber dem „Forbes“-Magazin. „Früher gab es in der asiatischen Gemeinschaft keine Waffenkultur. Aber seit der Pandemie und all den Hassverbrechen kaufen immer mehr Asiat:innen Waffen, um sich zu verteidigen. “

Gong berichtet, dass sich seine Waffenverkäufe während der Pandemie verdoppelt haben und er inzwischen etwa die Hälfte seines Geschäfts mit asiatisch-stämmiger Kundschaft macht, die unter anderem vermehrt zu Pfefferspray greift. Mit seinem Eindruck steht er nicht allein. Diverse Waffengeschäfte im ganzen Land berichten von einer Zunahme asiatisch-amerikanischer Waffenkäufer:innen. Danielle Jaymes, Geschäftsführerin des Waffenladens Poway Weapons & Gear in Poway in Kalifornien, rechnet vor, dass die Anzahl der asiatisch-amerikanischen Erstkund:innen in ihrem Geschäft im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 20% gestiegen sei. Ihrer Meinung nach erfolgen diese Waffenkäufe „zum Selbstschutz“.

Die Zahl asiatisch-amerikanischer Kundschaft in Waffengeschäften steigt rasant

Tim Hensley, Geschäftsführer von Towers Armory, einem Waffengeschäft in Oregon, Ohio, berichtet von ungefähr fünf bis sechs asiatisch-amerikanischen Kund:innen täglich, vor dem Ausbruch der Pandemie seien es nur zwei bis drei pro Monat gewesen. „Sie fühlen sich in ihrer Umgebung viel unsicherer und ich denke, dass es jetzt noch dramatischer für sie ist.“ Bezug auf den Terrorangriff von Georgia nehmend fügt er hinzu: „Besonders nachdem, was gerade passiert ist.“

Hensley wurde mehrfach berichtet, dass viele asiatisch-amerikanische Waffen-Erstbesitzer:innen viel Zeit mit ihren bei ihm erworbenen Glock-Pistolen und AR-15-Sturmgewehren an den Schießständen verbringen würden. „Sie versuchen, sich mit den Waffen schnellstmöglich vertraut zu machen. Mir zeigt das, dass es für sie eine Dringlichkeit gibt, sich zu verteidigen.“

Antiasiatische Hassverbrechen als Motiv von Waffenkäufen

„Wir haben viele asiatisch-amerikanische Kund:innen, die Waffen kaufen“, stimmt Jerry Hwang, Verkäufer bei Wade‘s Eastside Guns in Bellevue, Washington, mit ein. „Sie kommen wegen der Pandemie und der Unruhen, wegen der Leute, die mit Geschäften und mit dem Eigentum der Leute herumspielen.“ Seiner Schilderung zufolge würde die neue Kundschaft bevorzugt zu halbautomatischen Pistolen und Gewehren greifen, welche sich im ganzen Land hoher Beliebtheit erfreuten.

David Liu, Inhaber des Waffenladens Arcadia Firearm & Safety in Arcadia, Kalifornien, einer mehrheitlich asiatisch-amerikanisch geprägten Stadt, berichtet von einer „Flut von Waffenkäufen“ seit Anfang 2020. Liu, selbst ein in den 1980er Jahren aus Hongkong zugezogener US-Bürger, vermutet, dass große Teile seiner Kundschaft das Ausmaß der Pandemie bereits erkannt hätten, bevor die Unruhen begannen. In den letzten Wochen sei er vermehrt auf antiasiatische Hassverbrechen als Motiv für den Wunsch nach Selbstschutz angesprochen worden.

Die Waffenbranche in dne USA profitiert von den Ängsten der asiatisch-amerikanischen Community

Der größte Profiteur der auch durch Donald Trumps hasserfüllte Rhetorik angefachten Ängste der asiatisch-amerikanischen Bevölkerungsgruppe in den USA ist die Branche der Waffenhersteller und -verkäufer. Bisher waren US-Amerikaner:innen mit asiatischen Wurzeln als Käufer:innen von Waffen in den USA historisch unterrepräsentiert. Die Waffenlobbygruppe National Shooting Sports Foundation (NSSF) legt Zahlen vor, wonach Anfang 2020 lediglich 3,1 Prozent der Waffenkäufer:innen asiatische Männer und 0,7 Prozent asiatische Frauen waren, obwohl sie 6 Prozent der US-Bevölkerung ausmachen. Verglichen mit weißen Männern, auf die 55,8 Prozent der Waffenkäufe entfielen und weiße Frauen, die mit 16,6 Prozent zu Buche schlagen.

VolksgruppeWaffenbesitz: Prozentualer Anteil in den USA
Asiatisch-Amerikanisch (Männer)3,1 Prozent
Asiatisch-Amerikanisch (Frauen)0,7 Prozent
Weiß (Männer)55,8 Prozent
Weiß (Frauen)166 Prozent

„Jeder gesetzestreue Amerikaner hat bei seiner Geburt das Recht, Waffen zu behalten und zu tragen“, bekräftigt Mark Oliva, Direktor für öffentliche Angelegenheiten der NSSF, die Bestrebungen der den Republikanern nahestehenden Waffen-Lobby, ihre Geschäfte auf weitere Minderheiten auszuweiten. „Die Bedenken hinsichtlich der persönlichen Sicherheit von Amerikanern aus Asien sind nicht weniger legitim als die einer anderen demografischen Gruppe in Amerika.“ (Mirko Schmid)

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