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In Friedberg fand am Samstag vor der „Hof-Apotheke zum Mohren“ eine zweite Demo gegen Rassismus statt.
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In Friedberg fand am Samstag vor der „Hof-Apotheke zum Mohren“ eine zweite Demo gegen Rassismus statt.

Friedberg

Demonstration vor „Hof-Apotheke zum Mohren“: Das „M-Wort“ ist noch immer rassistisch

  • Nico Scheck
    VonNico Scheck
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Im Rassismus-Streit um die Namensänderung der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg hat am Samstag erneut eine Demo stattgefunden. Mit dabei: ein Mittelfinger und ein Anwalt.

Friedberg – Kurioses trägt sich in diesen Tagen und Wochen in Friedberg zu. Ein aus dem offenen Fenster ausgestreckter Mittelfinger eines vorbeifahrenden Autos, ein Anwalt, undercover unterwegs, und eine Apotheke, die nach wie vor das rassistische „M-Wort“ im Namen trägt. All das kam am Samstag (10.07.2021) in Friedberg vor der „Hof-Apotheke zum Mohren“ zusammen.

Im Rassismus-Streit um die Friedberger Apotheke hatten die Aktivist:innen von „United Colors Of Change“ eine Demo angekündigt und organisiert. Gesagt, getan. Rund 100 Demonstrant:innen versammelten sich samstags auf dem Elvis-Presley-Platz. Schon vor rund einem Jahr hatte an gleicher Ort und Stelle eine Demo stattgefunden. Der Unterschied zur zweiten Runde: Dieses Mal gab es keine Gegen-Demo.

Rassismus-Streit um Friedberger Apotheke: Zweite Demo als „Knowledge-Workshop for free“

Zu den Redner:innen bei der Demo zählten neben Aktivist:innen von „United Colors Of Change“ unter anderem auch der Rechtsanwalt Markus Fenske (Grüne), Vertreter:innen von Fridays for Future und Siraad Wiedenroth und Mirrianne Mahn von der ISD Frankfurt. Der Titel der „Demo gegen Rassismus und koloniale Sprache“ war Programm, Organisator Ousman Conteh versprach zu Beginn einen „Knowledge-Workshop for free“, der dann auch folgte - den offenbar nur leider nicht jeder verstand.

Wie ein Vertreter von „United Colors Of Change“ gegenüber fr.de sagte, sei während der Demo eine unbekannte Person mit dem Auto hupend an den Demonstrant:innen vorbeigefahren und habe den Mittelfinger aus dem offenen Fenster gehalten. Subtile Kritik geht anders.

Friedberg: Bei Demo vor „Hof-Apotheke zum Mohren“: Unbekannte Frau taucht wieder auf

Hinzu kamen zwei altbekannte Gesichter, die offenbar lieber incognito geblieben wären. Kurzer Rückblick zur ersten Demo: Dort soll eine Frau einen Demonstranten angefahren haben. Wie die Pressestelle der Polizei Friedberg gegenüber fr.de damals bestätigte, wurde gegen besagte Frau Anzeige erstattet. Ausgang unbekannt.

Was bekannt ist: Die Frau soll laut Aussagen der Aktivist:innen nun bei der zweiten Demo erneut vor Ort aufgetaucht sein. Demnach saß sie im Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite und filmte die Demo – ehe sie entdeckt wurde. Daraufhin habe sie den Motor angeschmissen und sei davongefahren.

Demo vor „Hof-Apotheke zum Mohren“ nach Streit-Gespräch 2020 in Friedberg

Doch offenbar war die Frau nicht die einzige, die sich an diesem Samstag im 007-Modus befand. Wie ein Vertreter von „United Colors Of Change“ gegenüber fr.de berichtet, saß auch Konrad Dörner, Anwalt der Apotheken-Inhaberin Kerstin Podszus, nicht unweit des Schauplatzes entfernt auf einer Parkbank und beobachtete das Treiben. Wie ein Foto, das fr.de exklusiv vorliegt, zeigt, trägt Dörner ein Sport-Jersey und hält ein Buch in der Hand.

Entgegen lokaler Medienberichte aus Friedberg hatte Ende 2020 ein Gespräch zwischen Vertreter:innen von „United Colors Of Change“ und Dörner sowie Apotheken-Inhaberin Podszus stattgefunden. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) fungierte damals als Vermittler. Ziel war es, den Namensstreit um die „Hof-Apotheke zum Mohren“ zu schlichten. Ohne Erfolg. Doch auch jetzt, nach der zweiten Demo, sind die Aktivist:innen gesprächsbereit, wie ein Vertreter der Gruppe betont. Auch das war in der lokalen Presse zum Teil gegenteilig dargestellt worden.

Ächtung des „M-Wortes“? Antrag abgelehnt!

Das Wort „Mohr“, das genauso rassistisch wie das N-Wort ist, sollte zudem in Friedberg offiziell geächtet werden. Dazu hatte „United Colors Of Change“ einen entsprechenden Antrag gestellt. Ein ähnlicher Antrag war Wochen zuvor in Kassel von Erfolg gekrönt. Jedoch nicht in Friedberg. So heißt es in einem Schreiben der Stadt Friedberg, das fr.de vorliegt, unter anderem: „Gemäß § 11 Absatz 1 der Geschäftsordnung der Stadtverordnetenversammlung und der Ausschlüsse der Stadt Friedberg (Hessen) können die Stadtverordneten, jede Fraktion, der Magistrat und der Bürgermeister Anträge in die Stadtverordnetenversammlung einbringen.“ Die von „United Colors Of Change“ benannte „Bürgereingabe“ (also wie in Kassel) sei „daher nicht möglich“.

Und die Aktivist:innen? Planen bereits die nächsten Schritte, wie ein Vertreter erklärte. Übrigens: Wie die Wetterauer Zeitung erst kürzlich berichtete, habe Bürgermeister Antkowiak den „Nuss-Schlüssel ausgepackt“ und ein „Zusatzschild abgeschraubt“. Benanntes Zusatzschild stand bei der letzten Sitzung des Stadtparlaments neben der Eingangstür unter einem blauen Europa-Ortsschild. Darauf stand: „Gegen Antisemitismus und Rassismus! Für Vielfalt und ein friedliches Miteinander.“ Warum das Zusatzschild wieder abgeschraubt wurde, bleibt offen. Laut Wetterauer Zeitung habe zuvor ein Stadtverordneter Bedenken geäußert. Seltsames trägt sich in diesen Tagen und Wochen in Friedberg zu. (Nico Scheck)

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