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Die Inhaberin der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg beharrt auf den Namen.
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Die Inhaberin der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg beharrt auf den Namen.

Apotheke in Friedberg

Rassismus-Streit um „Hof-Apotheke zum Mohren“: Sprach-Experte klärt ungewollt auf

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Im Rassismus-Streit um die „Hof-Apotheke zum Mohren“ hat es ein Gespräch zwischen Aktivist:innen und Apotheken-Vertretern gegeben. Eine Seite klärte ungewollt auf.

  • Der Namensstreit um die „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg geht in die nächste Runde.
  • Jetzt hat es ein Gespräch zwischen den Aktivist:innen von „United Colors Of Change“ und Vertretern der Apotheke gegeben.
  • Während Bürgermeister Dirk Antkowiak als Moderator fungierte, hat ein Sprach-Experte ungewollt aufgeklärt.

Friedberg - Lange Zeit war es still geworden. Wie der bittersüße Hype um die „Black-Lives-Matter“-Bewegung schien auch der Rassismus-Streit rund um die „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg zu nicht mehr als einer vagen Erinnerung zu werden. Frei nach dem Motto: Wen interessiert schon Rassismus, wenn uns alle doch das Coronavirus bedroht?

Doch nicht bei den Aktivist:innen von „United Colors Of Change“. Das vermeintliche Ende der Diskussion war nicht mehr als die Ruhe vor dem Sturm, das Ziel weiter fest im Blick: die Namensänderung der Apotheke und die Aufklärung über die Bedeutung des M-Wortes.

Rassismus-Streit um „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg: Bürgermeister schaltet sich ein

Weil die Fronten zwischen Apotheken-Besitzerin Kerstin Podszus samt ihrem Anwalt Konrad Dörner und den Aktivist:innen verhärtet sind, hatte sich Friedbergs Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) in den Rassismus-Streit eingeschaltet. In einer Mail an die Gruppe „United Colors Of Change“ hatte er seine Bereitschaft erklärt, als neutraler Vermittler zu fungieren, wie ein Vertreter der Aktivist:innen gegenüber fr.de verriet. Nach Wochen der Stille fand dieses Treffen nun statt.

Sowohl „United Colors Of Change“ als auch Apotheken-Besitzerin Podszus hatten sich für das Gespräch Verstärkung gesucht. Rechtsanwalt Markus Fenske (Bündnis 90 / Die Grünen Friedberg) diente als Unterstützung für die Aktivist:innen, die Gegenseite hatte unter anderem den renommierten Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Helmut Glück dabei, wie ein Vertreter von „United Colors Of Change“ im exklusiven Gespräch mit fr.de erklärte.

M-Wort genauso rassistisch wie das N-Wort? Experte entlarvt sich selbst

Weiter verriet der Aktivist, dass es bei dem Gespräch zunächst um die wissenschaftliche Herkunft des M-Wortes gegangen sei. Während „United Colors Of Change“ auf die rassistische Bedeutung des M-Begriffs hinwies, habe die Gegenseite immer wieder von Auslegungssache gesprochen.

Einig seien sich alle Beteiligten gewesen, dass das N-Wort rassistisch ist. Kurzer Rückblick: Schon im ersten Gespräch mit fr.de im Sommer hatte ein Vertreter der Aktivist:innen betont, dass das M-Wort genauso rassistisch wie das N-Wort sei.

Jetzt, Monate später, habe Sprachwissenschaftler und Unterstützer von Apotheken-Besitzerin Podszus, Prof. Dr. Glück, im Gespräch mit „United Colors Of Change“ erklärt, dass das M-Wort im Laufe der Geschichte das N-Wort ersetzt habe. Womit sich den Aktivist:innen die Frage stellt: Wenn das N-Wort doch rassistisch ist, das M-Wort dieses im Laufe der Zeit ersetzt hat, wäre dann nicht die logische Schlussfolgerung, dass auch das M-Wort rassistisch ist? Auf entsprechende Nachfrage habe man keine Antwort erhalten, erzählte ein Vertreter der Gruppe weiter.

Die Fußmatte der „Hof-Apotheke zum Mohren“ ziert eine Figur, die offensichtlich schwarz ist und überdimensional große Lippen hat.

Namensstreit um Friedberger Apotheke: Wie es jetzt weitergeht

Auch sonst sei man zu keinem gemeinsamen Entschluss gekommen. Die Vertretung der Hof-Apotheke in Friedberg besteht auf den Namen, „United Colors Of Change“ auf eine Namensänderung und Aufklärung des rassistischen Hintergrunds. Bürgermeister Antkowiak wollte sich auf Anfrage von fr.de nicht zum Gespräch äußern. Die Aktivist:innen selbst betonten, nach wie vor „offen für ein konstruktives Gespräch“ zu sein.

Bis dahin sind weitere Demonstrationen und Bildungsveranstaltungen geplant. „Wir bleiben dran“, versprach ein Vertreter von „United Colors Of Change“ - auch über jegliche Hypes hinaus. (Nico Scheck)

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