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Das WDR berichtet über einen Rassismus-Eklat am Düsseldorfer Schauspielhaus.
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Der „WDR“ berichtet über einen Rassismus-Eklat am Düsseldorfer Schauspielhaus. (Archivfoto)

Eklat

„Rassismus und Sexismus am Düsseldorfer Schauspielhaus“ - Weitere Opfer melden sich

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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  • Nico Scheck
    Nico Scheck
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Das Düsseldorfer Schauspielhaus reagiert auf die Rassismus-Vorwürfe - das Opfer nennt das Statement verletzend und eine Verdrehung von Tatsachen.

Update vom 24.03.2021: Ron Ighiwiyisi Iyamu hat sich auf Instagram zur Resonanz nach seinen Enthüllungen zu Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus geäußert. „Es hat eine ziemliche Aufmerksamkeit bekommen. Vielen, vielen Dank an alle, die das geteilt haben“, sagt der 29-Jährige in einer Videobotschaft.

Das Düsseldorfer Schauspielhaus hat inzwischen auch ein Statement auf ihrer Webseite veröffentlicht. Man sei „betroffen und erschüttert“ angesichts seiner Erfahrungen. Weiter schreiben Wilfried Schulz, Claudia Schmitz und das Leitungsteam des Düsseldorfer Schauspielhauses auf der Webseite: „Uns war nicht bewusst genug, wie weitreichend und tiefgreifend diese Erfahrungen für ihn sind. Wir verurteilen jegliche Form von Rassismus und möchten nicht, dass jemand rassistisch behandelt wird.“

Düsseldorfer Schauspielhaus habe sehr wohl von den Rassismus-Erfahrungen gewusst

Auf das vollständige Statement geht Iyamu ausführlich in seiner Videobotschaft ein. Er wirft er dem Schauspielhaus vor, sehr wohl davon gewusst habe, wie tiefgreifend diese Rassismus-Erfahrungen für ihn seien, schließlich habe er bereits im vergangenen Jahr deshalb um die Auflösung seines Vertrages gebeten. „Das zu lesen, verletzt mich“, sagt der Schauspieler in seiner Instagram-Videobotschaft.

Außerdem bemängelt er die vom Düsseldorfer Schauspielhaus in ihrem Statement angepriesenen „Programme und Aktionen gegen Rassismus“, die laut Schauspielhaus seit Jahren auf und jenseits der Bühne stattfinden. Es gebe kleine Projekte im Unterhaus, aber das müsse alles auf der großen Bühne passieren, „denn da wird Sexismus und Rassismus reproduziert“, so Iyamu.

„Dieses Statement verletzt mich und ist eine Verdrehung von Tatsachen“, resümiert Ron Ighiwiyisi Iyamu. Viele Betroffenen haben sich bei ihm gemeldet und über ihre Erfahrungen gesprochen - nicht nur Rassismus, es ginge auch um „Sexismus, Machtmissbrauch am Düsseldorfer Schauspielhaus, auch an andern Theatern“. Man habe nun vor, diese Sachen zu veröffentlichen.

Erstmeldung vom 20.03.2021, 12:53 Uhr: Düsseldorf/Frankfurt - „Dieser Rassismus fügt mir jeden Tag Schmerz zu.“ Ein Satz, so kurz, so simpel zu verstehen und doch mit so viel Tragweite. Er stammt von Ron Ighiwiyisi Iyamu, 29, Schauspieler, Musiker. Iyamu wurde als Sohn eines eines Nigerianers und einer Deutschen in Hannover geboren, hat Darstellende Kunst studiert und ist seit 2019 Festangestellter am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Beim „WDR“ berichtet der junge Schauspieler von Rassismus im Alltag, auch am Schauspielhaus. „Es gab Situationen, in denen ich einen Jugendlichen gespielt habe, der dann der anderen einzigen Person mit Migrationshintergrund Drogen zustecken sollte“, erzählt er. Ein Erlebnis hat das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht - und Iyamu dazu bewegt, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Rassismus am Düsseldorfer Schauspielhaus: Kollege hält Iyamu Messer an den Schritt

Wie er gegenüber „WDR“ erzählt, sei Iyamu gefragt worden, ob er einen haitianischen Freiheitskämpfer - in dem Fall einen ehemaligen Sklaven - spielen wolle. Als Iyamu zusagt, fängt der Regisseur an, ihn auch einfach mal so „Sklave“ zu rufen. „Das hat wiederum einen Raum geöffnet, dass sich auch andere berufen gefühlt haben, rassistische Witze zu machen“, berichtet der 29-Jährige.

Die Geschichte gipfelt in einem Eklat. Nach dem Dreh einer Folterszene, in der Iyamu einen Henker spielt, sei ein Kollege zu ihm gekommen. „Er hatte ein echtes Cuttermesser in der Hand, hielt es mir an den Schritt und sagte sowas wie: ‚Wann schneiden wir eigentlich dem ‚N-Wort‘ die Eier ab?‘.“ Dann habe besagter Kollege darüber gelacht, Iyamu selbst kann darüber jedoch nicht lachen.

Der Schauspieler geht damit zur Dramaturgie, die als erste Instanz für ihn zuständig ist. Diese leitet den Vorfall auch an die Leitung weiter, Konsequenzen gibt es jedoch keine, erzählt Iyamu im WDR-Beitrag.

Nach Rassismus-Eklat reagiert Schauspielhaus Düsseldorf: „Das ist ein Fehler“

Vom Schauspielhaus Düsseldorf selbst kommt Intendant Wilfried Schulz beim WDR zu Wort. Es sei „ein Fehler“, keine Konsequenzen zu ziehen. Vielmehr fordere der Fall dazu auf, darüber nachzudenken, ob es nochmal andere Mechanismen innerhalb des Hauses braucht, die...“. Dann bricht Schulz den Satz ab. Stattdessen betont er, man wolle auch kein „Meldesystem“, aber: „Ich will natürlich nicht, dass sowas passiert und ich will es auch wissen.“

Wilfried Schulz ist Intendant am Düsseldorfer Schauspielhaus. Den Rassismus-Vorfall bezeichnet er als „Fehler“. (Archivfoto)

Dank Iyamu weiß er es. Wie Iyamu auf seinem Instagram-Profil schreibt, soll Schulz sogar schon spätestens Mitte Juni 2020 von dem Rassismus-Vorfall gewusst haben. Passiert ist seither laut Iyamu nichts. Dann folgt im TV-Beitrag des „WDR“ dieser Satz Iyamus: „Dieser Rassismus fügt mir jeden Tag Schmerz zu.“ Und: „Das gibt mir das Gefühl, dass ich kein Teil der Gesellschaft bin.“ (Nico Scheck und Sonja Thomaser)

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