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Debatte um Meinungsfreiheit

Rapper Pablo Hasél in Haft: Erneut heftige Zusammenstöße von Polizei und Demonstrierenden

  • VonJoel Schmidt
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Die Festnahme des katalanischen Rappers Pablo Hasél löst auch am zweiten Abend starke Proteste aus. Die Regierung Spaniens kündigt eine Reform des Strafrechts an.

  • In Spanien muss der Rapper Pablo Hasél eine neunmonatige Haftstrafe antreten.
  • Hunderte protestieren am zweiten Abend in Folge in Spanien gegen die Verhaftung von Pablo Hasél.
  • Unterdessen kündigt Spaniens Regierung eine Reform des Strafrechts an.

Update von Donnerstag, 18.02.2021, 07:00: Am zweiten Abend in Folge ist es in Spanien in mehreren Städten wieder zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Grund dafür ist die Verhaftung des katalanischen Rappers Pablo Hasél am Dienstag (16.02.2021). Mindestens neun Menschen wurden bei den Ausschreitungen am Mittwoch (17.02.2021) verletzt und mehr als 40 festgenommen, wie die Behörden mitteilten.

Hunderte Menschen kamen auf dem zentralen Puerta del Sol Platz in Madrid zusammen, um gegen die „Zensur“ zu protestieren und die Freilassung des 32-jährigen Hasél zu fordern. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichten, dass vermummte Demonstrant:innen die Polizei aus der Menge heraus mit Flaschen bewarfen. Der Protest und die Zusammenstöße in Spaniens Hauptstadt dauerten mehrere Stunden.*

Mindestens neun Menschen wurden dabei nach Angaben der Rettungsdienste leicht verletzt. 14 Demonstrant:innen wurden in Madrid festgenommen, wie die Polizei mitteilte.

Rapper Pablo Hasél: Hunderte protestieren wieder gegen seine Verhaftung

Demonstranten schreien Parolen während einer Demonstration gegen die Inhaftierung des Rappers Hasel an der Puerta del Sol.

In Barcelona setzten die Demonstrierenden Mülltonnen in Brand und warfen Gegenstände auf die Polizist:innen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Schaumstoffgeschossen. Nach Angaben der Polizei wurden in der katalanischen Metropole 29 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen.

Auch in den kleineren katalanischen Städten Gerona, Lleida und Tarragona stießen am Mittwochabend Unterstützer:innen des Rappers mit der Polizei zusammen. Lleida ist die Heimatstadt des 32-jährigen Künstlers. Hasél war dort am Dienstagmorgen verhaftet worden, nachdem er sich einen Tag lang mit Unterstützer:innen in der dortigen Universität verbarrikadiert hatte.

Rapper Pablo Hasél in Haft: Tausende demonstrieren auf Kataloniens Straßen

Erstmeldung von Mittwoch, 17.02.2021: Barcelona – In mehreren spanischen Städten haben am Dienstagabend (16.02.2021) Tausende Menschen für die Freilassung des katalanischen Rappers Pablo Hasél demonstriert. Der Musiker war bereits zuvor wegen des Vorwurfs der Terror-Verherrlichung und der Beleidigung der spanischen Monarchie verurteilt worden, hatte sich zunächst jedoch der Festnahme entzogen.

Nach der Festnahme von Hasél zogen allein in der katalanischen Hauptstadt Barcelona am Dienstagabend fast 5.000 Menschen durch die Straßen und skandierten dabei Parolen wie „Free Pablo“ oder „Tod dem spanischen Regime“. Bei weiteren Protestkundgebungen in den Städten Girona und Vic kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei. Der katalanische Innenminister Miquel Sàmpler sprach von „schweren Ausschreitungen“ mit insgesamt 18 Festnahmen. 30 Demonstrierende sowie 25 Polizist:innen seien verletzt worden.

Rapper Pablo Hasél beruft sich auf die Meinungsfreiheit

In einer Reihe von Twitter-Beiträgen hatte der Rapper Pablo Hasél zuvor scharfe Kritik an der spanischen Monarchie sowie der Polizei geübt. In seinen Songs wiederum bezeichnete Hasél den ehemaligen spanischen König Juan Carlos als einen „Mafioso“ und „Parasiten“. Auch äußerte er in diesen Gewaltfantasien gegen eine konservative Politiker:innen Spaniens. Ein Gericht hatte ihn daher wegen Beleidigung des Königshauses und der Polizei zu einer Geldstrafe verurteilt. Da er sich jedoch weigerte diese zu zahlen und auch noch eine neunmonatige Haftstrafe wegen der Verherrlichung der linken Terrorgruppe „Grapo“ gegen ihn anhängig war, erfolgte die Festnahme.

Künstlername:Pablo Hasél
Bürgerlicher Name:Pablo Rivadulla Duró
Alter:33 Jahre
Geburtsort:Lleida, Spanien

Zuvor hatte sich der Rapper zusammen mit dutzenden Unterstützer:innen in der Universität von Lleida verbarrikadiert. Hasél, der mit bürgerlichem Namen Pablo Rivadulla Duró heißt, sieht seine Songtexte durch die Meinungsfreiheit gedeckt und verweigerte einen freiwilligen Antritt der Haftstrafe. Zusätzlich zu den Protesten auf den Straßen Kataloniens haben in ganz Spanien bereits über 200 Künstler:innen eine Petition zur Freilassung von Pablo Hasél unterschrieben. Darunter unter anderem der bekannte Regisseur Pedro Almodóvar und Hollywood-Star Javier Bardem.

Nach der Inhaftierung des Rappers Pablo Hasél demonstrierten tausende Menschen auf den Straßen Kataloniens.

Nach Protesten gegen Festnahme: Spanische Regierung kündigt Reform des Strafrechts an

Die wegen Verherrlichung der „Grapo“ ursprünglich auf zwei Jahre angesetzte Haftstrafe für den Rapper Hasél erfolgte auf Grundlage des 2015 von der konservativen Partido Popular (PP) erlassenen „Gesetzes über die öffentliche Sicherheit“. Kritiker:innen bezeichnen dieses seit Einführung als „Ley mordaza“ („Knebelgesetz“), da es harte Strafen für jegliche Bedrohung der staatlichen Sicherheit vorsieht und die Bedeutung dessen sehr weit gefasst ist. Mit dem Gesetz ging auch eine scharfe Einschränkung des Demonstrations- und Versammlungsrechts einher. Zuwiderhandlungen können seitdem mehrere zehntausend Euro Strafe nach sich ziehen.

Nachdem es seit der Urteilsverkündung gegen Pablo Hasél in Spanien immer wieder zu Protesten gekommen war, kündigte die Regierung in der vergangenen Woche eine Reform des Strafrechts an. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo von den spanischen Sozialist:innen sagte am Mittwoch (17.02.2021), bei der Meinungsfreiheit müsse es in einer „reifen Demokratie wie unserer einen Spielraum für Verständnis und Toleranz geben.“ (Joel Schmidt mit Material von afp)

*costa-nachrichten ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Ricardo Rubio

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