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Nachsicht – Experten haben Regeln für das sichere Verhalten auf der Piste zusammengestellt. 

Skiunfälle

Es rappelt auf der Piste

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Die Unfallzahlen von Skifahrerinnen und Skifahrern erreichen einen Höchststand. Rücksicht und eine kontrollierte Fahrweise könnten das Risiko von Verletzungen mindern.

Sturz in eine Felsspalte, Aufprall auf ein Pistenschild, Zusammenstoß zwischen Skifahrern. In den Wintersportgebieten der Alpen ereignen sich fast täglich Unfälle, die mit schweren Verletzungen oder gar tödlich enden. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

In der abgelaufenen Saison ermittelte die Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) bei der Arag-Versicherung den höchsten Wert seit zehn Jahren mit rund 44 000 bis 46 000 verletzten Deutschen beim weltweiten Skifahren. Das seien rund 2000 Betroffene mehr als im Winter 2017/18. Zu den Verletzten zählen jedes Jahr auch 53 000 Schweizer, wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung des Landes angibt.

Die Steigerung lässt sich teilweise dadurch erklären, dass der Winter 2018/19 schneereich und die Saison lang waren. Im Vergleich zur vorhergehenden Winterperiode zählte der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte 1,5 Prozent mehr Skitage.

Somit gingen insgesamt mehr Menschen Skifahren, erläutert Andreas König, der Sicherheitsexperte des Deutschen Skiverbands (DSV). Der Verband kooperiert für die Studie mit der ASU. Auf den Pisten sei aber auch mehr los, weil modernere Lifte mehr Menschen gleichzeitig auf den Berg befördern könnten. Der größere Andrang erhöht für Skifahrerinnen und Skifahrer das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden.

„Wenn mehr Personen auf der Piste sind, fühlt man sich eher bedrängt oder macht einen Fahrfehler“, veranschaulicht König. Das Risiko für einen Zusammenprall stieg der ASU zufolge auf 1,36 je 1000 Skifahrer, nachdem der Wert in der Saison zuvor noch bei 1,21 lag. „Dabei handelt es sich nicht in erster Linie um Frontalzusammenstöße“, schränkt König ein.

Verhaltensregeln

Der Internationale Ski-Verband(FIS) hat zehn Verhaltensregeln für Wintersportlerinnen und -sportler aufgestellt, die Unfälle und eine gegenseitige Gefährdung vermeiden sollen.

Die Regelnbeinhalten etwa das Abstandhalten, angepasste Geschwindigkeit und vorsichtiges Heranfahren an Kuppen und unübersichtliche Stellen. Auf Pisten gilt nicht die Vorfahrtsregel rechts vor links. Wer von oben kommt, hat Vorfahrt.

Der SicherheitsexperteAndreas König rät, Bindung, Kanten und Beläge der Ski in jedem Jahr überprüfen zu lassen. Zur eigenen Sicherheit trage auch eine körperliche Grundfitness bei. Für den Anfang empfiehlt er: Nicht gleich Vollgas, erst warmfahren auf leichten Pisten. Sein grundsätzlicher Tipp: Früh am Tag anfangen und aufhören, wenn’s am schönsten ist. bah

Die Listedes FIS ist online abrufbar unter www.stiftung.ski/sis-akademie/ verhaltensregeln/piste/

Die meisten Kollisionen ereigneten sich infolge eines Sturzes oder beim Versuch auszuweichen. Durch Crashs zwischen Skifahrern entstanden mehr als 17 Prozent aller Verletzungen. Das könne nicht hingenommen werden, betonen die Autoren der Unfallanalyse. Ihrer Ansicht nach können nur mehr Rücksicht und Umsichtigkeit helfen, die Situation zu verbessern. Dabei verweisen sie auf die Verhaltensregeln des Internationalen Ski-Verbands, die Sportlerinnen und Sportler einhalten sollten.

Die Auswertungsstelle registriert Unfälle mit Verletzungen, die ärztlich behandelt wurden. Grundlage für die Erhebung sind die Angaben von 300 000 Versicherten. Die Zahlen werden hochgerechnet auf rund sieben Millionen Sportlerinnen und Sportler in Deutschland, die mindestens eine Woche pro Jahr Ski fahren. Die absoluten Unfallzahlen gibt der DSV-Fachmann König nicht preis.

Am häufigsten verletzen sich Skifahrerinnen und Skifahrer am Knie (32,7 Prozent) und an der Schulter (18,6 Prozent), wobei diese bei Männern doppelt so häufig betroffen ist wie bei Frauen. 57,1 Prozent der Verletzten mussten demnach operiert werden. Ist zur Pistenrettung ein Hubschrauber nötig, übersteigen die Bergungskosten schnell 5000 Euro. Obwohl die Zahl der Verletzten zuletzt stieg, ist Skifahren aus Sicht der Expertinnen und Experten im Lauf der Jahrzehnte sicherer geworden. Unfälle kommen seltener vor als am Anfang der Erhebung.

Im Vergleich zur Basissaison 1979/80 ermittelte die ASU einen Rückgang um 55 Prozentpunkte. Andreas König führt das auf eine bessere und flächendeckende Pistenpräparierung und Beschneiungsmöglichkeiten zurück. Dadurch gebe es weniger unebene oder steinige Stellen mit wenig Schnee. Als Meilenstein bezeichnet er die Einführung des Carvingskis in den Jahren 1999/2000, der kürzer und weniger verletzungsträchtig sei als die klassischen Modelle.

Nicht zuletzt sei das Sicherheitsbewusstsein der Sportlerinnen und Sportler gestiegen, ausgelöst durch die aufrüttelnden Skiunglücke der beiden Prominenten Dieter Althaus und Michael Schumacher. Seither tragen die meisten Skifahrerinnen und Skifahrer einen Helm, auch Rückenprotektoren sind im Kommen. Weniger Beachtung finden körperliche Fitness und fahrerische Fähigkeiten, die ebenfalls einen Einfluss auf die Sicherheit haben.

Die meisten Unfälle passieren am Nachmittag, wenn Kraft und Aufmerksamkeit nachlassen. Als Unfallursache „eher zu vernachlässigen“ ist König zufolge der Alkoholkonsum – auch wenn er für manche der Hauptgrund für einen Skiurlaub zu sein scheint. „Der Umgang mit Alkohol ist deutlich besser geworden. Das Après-Ski findet heute im Tal statt.“

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