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Familienglück: Mutter Nadine Heredia weiß, wie sie sich mit ihrem Sohn Samin am besten in der Öffentlichkeit zeigt.
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Familienglück: Mutter Nadine Heredia weiß, wie sie sich mit ihrem Sohn Samin am besten in der Öffentlichkeit zeigt.

Nadine Heredia

Die radikale Ehefrau

  • Wolfgang Kunath
    VonWolfgang Kunath
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In Peru hat Nadine Heredia einen großen Anteil daran, dass ihr Mann Staatschef wurde. Seinen PR-Leuten klar schnell, was für ein politisches Kapital seine Familie darstellte.

In Peru hat Nadine Heredia einen großen Anteil daran, dass ihr Mann Staatschef wurde. Seinen PR-Leuten klar schnell, was für ein politisches Kapital seine Familie darstellte.

Samin wog 3,9 Kilo, war 51 Zentimeter groß, und als der Junge das Licht der Welt erblickte, freuten sich nicht nur die Eltern des Kindes. Auch die politischen Berater des Vaters erkannten schnell, welchen Wert der neue Erdenbürger hatte. Denn Ollanta Humala, der Vater des Jungen, wollte sich um das Amt des Präsidenten von Peru bewerben, hatte aber kein besonders gutes Image. Er kam damals, vor sieben Monaten, in den Umfragen nicht über hoffnungslose acht Prozent hinaus

Als sich jedoch das Fernsehen auf den kleinen Samin, seine Schwestern und vor allem die strahlende Mutter Nadine Heredia stürzten, wurde den PR-Leuten klar, was für ein politisches Kapital die Familie des Kandidaten darstellte. Der Vater tauchte seitdem kaum noch ohne Kinder und vor allem nicht ohne seine Frau im Wahlkampf auf.

Die Strategie zahlte sich aus: Der 49-jährige Berufsoffizier gewann im Juni die Stichwahl und wurde am 28. Juli als Präsident vereidigt. Nadine Heredia ist somit die First Lady Perus, und sie weiß, dass ihr Mann einen Teil seines Erfolges ihr zu verdanken hat. Nicht nur, weil sie die Mutter mit drei feinen Kindern ist, sondern auch eine politisch denkende Partnerin.

Nadine Heredia hat 2005 die Nationalistische Partei Perus (PNP) mitgegründet, für die ihr Mann nun kandidierte. Damit war sein Projekt von Anfang an auch ihr Projekt. Gemeinsam kämpften sie zunächst dafür, Peru sozialer und nationaler zu machen. Und gemeinsam änderten sie dann auch ihren Tonfall, um die Wahl zu gewinnen. Ollanta Humala milderte seine linksnationalistischen Ideen bis zur Unkenntlichkeit ab und achtete penibel darauf, sich selbst nicht mehr als Antiimperialistin zu bezeichnen. Stattdessen präsentierte sie sich häufiger als freundliche Ehefrau und Mutter und schien an diesen Rollen auch Gefallen zu finden.

Die 35 Jahre alte Mutter und die Kinder in den Vordergrund zu stellen, hat auch den Vorteil, dass damit Ollanta Humalas Herkunftsfamilie in den Hintergrund rückt. Für den harten Kampf um die Mitte war diese Familie ebenso schädlich, wie Humalas früheres Bekenntnis zu Hugo Chávez, dem links-autoritären Staatschef Venezuelas. Humalas Vater predigt die Überlegenheit der „kupferfarbenen Rasse“, Bruder Antauro sitzt wegen eines Putschversuches im Gefängnis und Bruder Alexis verhandelte erst kürzlich offenbar auf eigene Faust in Moskau über Waffenkäufe. Eine nette Ehefrau und drei strahlende Kinder sind da ein perfekter Kontrast zu dem anderen Teil der Familie.

Keine Plätzchen

Dass sich Nadine Heredia aber darauf beschränkt, die ergebene Ehefrau zu spielen und Plätzchen zu backen, war bei ihr dieser Tage genauso ausgeschlossen wie vor fast zwanzig Jahren bei der früheren amerikanischen First Lady Hillary Clinton. Wie Clinton ist auch sie eine seit Jahren politisch aktive Frau, die in ihrer Leidenschaft vielleicht noch ihren Mann überflügelt. „Sie ist das radikale Hirn hinter Humala“ – das war, Wikileaks zufolge, 2009 der Eindruck des US-Botschafters in Lima, der Ollanta Humala „viel entspannter und deutlich offener“ empfand, wenn Nadine Heredia nicht dabei war.

Beobachter meinen sogar, sie sei eigentlich die bessere Politikerin, als der oft hölzern wirkende Offizier Humala und könnte ihm 2016 sogar als Präsidentin nachfolgen. Das sind natürlich nur Spekulationen. Doch die Tatsache, dass sie überhaupt kursieren, zeigt, welches politische Gewicht Nadine Heredia schon heute hat. Auch wenn sie zurzeit eher biedere Interviews gibt, heißt das nichts. Als ihr Mann das Kabinett zusammenstellte, forderte sie ihn öffentlich auf, dem Koalitionspartner auf keinen Fall zu viele Ämter zu überlassen.

Ihre Eltern kamen aus den Anden nach Lima. Durch Fleiß und Bildung stiegen sie sozial auf und wurden Teil einer neuen Mittelschicht, die Nadine Heredia heute noch stärker repräsentiert als ihr Mann. Auf einer Klosterschule in Lima hatte sie – bis auf Betragen, wie sie gerne sagt – meist gute Noten. Danach studierte sie Soziologie und Publizistik in Lima und auch ein Jahr lang an der Sorbonne in Paris.

Ihren Mann lernte Nadine Heredia kennen, als sie noch Teenager war. Geheiratet hat sie Humala im Alter von 21 Jahren. Lange Zeit war sie seine Pressechefin und nahm den Job sehr ernst. Während andere Sprecher meist nur so etwas wie Vermittler zwischen Politikern und Journalisten sind, saß Heredia immer hochkonzentriert bei den Gesprächen dabei und verfolgte jedes Wort. Es hätte niemanden überrascht, wenn sie ihren Mann sogar hier und da korrigiert oder ergänzt hätte.

Wie sie als First Lady wahrgenommen werden will, hat Nadine Heredia während der vielen Antrittsreisen, die ihr Mann seit seinem Wahlsieg mit ihr gemacht hat, schon angedeutet. Hemdsärmelig will sie jedenfalls nicht wirken. Die Klatschpresse ist begeistert. Erleichtert stellten die Beobachter fest, dass sie ihr geliebtes Outfit – Jeans mit Polo-Hemd – gegen elegantere Kleidung eingetauscht hat.

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