Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gerichtsprozess

Missbrauchsprozess um R. Kelly: Gericht verurteilt den Sänger in allen Anklagepunkten

  • Daniel Dillmann
    VonDaniel Dillmann
    schließen

Sänger R. Kelly soll mindestens elf Menschen sexuell missbraucht haben. Nun wurde er von einem New Yorker Geschworenengericht schuldig gesprochen.

Update vom Montag, 27.09.2021, 21.35 Uhr: Der US-amerikanische Musiker und frühere R‘n‘B-Star R. Kelly ist im Prozess um den sexuellen Missbrauch Minderjähriger schuldig gesprochen worden, das berichtet die internationale Nachrichtenagentur AFP. Ein Geschworenengericht in New York, bestehend aus sieben Männern und fünf Frauen, verurteilte den Sänger des Welthits „I Believe I Can Fly“ am Montag (27.09.2021) in allen neun Anklagepunkten. Der 54-jährige war unter anderem wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagt. Das Strafmaß gegen den 54-Jährigen wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

Laut Angaben der Deutschen Presseagentur (DPA) droht dem Musiker, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang. Das Verfahren gegen Kelly ist - nach Fällen wie denen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby - die nächste in den USA und weltweit viel beachtete juristische Aufarbeitung der #MeToo-Ära. Rund sechs Wochen lang hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung an dem Gericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn vor Richterin Ann Donnelly die Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen R‘n‘B-Star aus mehreren Jahrzehnten detailliert ausgebreitet und ihre Argumente dargelegt. Dutzende Zeugen wurden gehört, Hunderte Beweisstücke waren gesichtet worden.

Prozess um sexuellen Missbrauch: Jury spricht Ex-Superstar R. Kelly schuldig

Kelly sei ein Sexualstraftäter, hatte Anwältin Elizabeth Geddes für die Staatsanwaltschaft argumentiert und seine Verurteilung gefordert. Der Musiker sei selbst Opfer - von ausgedachten Geschichten und ausgeschmückten Erzählungen über Misshandlungen, hatte Kellys Anwalt, Deveraux Cannick, für die Verteidigung argumentiert. Robert Sylvester Kelly, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, selbst hatte nicht ausgesagt, das Verfahren aber vor Ort im Gerichtssaal verfolgt.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago geborenen Musiker wurden bereits vor rund 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht - und wurde freigesprochen. In Illinois und Minnesota liegen weitere Anklagen gegen R. Kelly vor.

Anwälte vergleichen R. Kelly mit Martin Luther King und Mike Pence

Update vom Freitag, 24.09.2021, 10 Uhr: Seine Anwälte ließen nichts unversucht. In ihrem Schlussplädoyer verglichen die Verteidiger von R. Kelly den angeklagten Superstar mit Bürgerrechtler Martin Luther King, Playboy-Gründer Hugh Hefner und dem ehemaligen Vizepräsidenten, Mike Pence. Darüber berichtet das Nachrichtenportal Daily Beast.

Martin Luther King und der wegen zigfachen sexuellen Missbrauch angeklagte R. Kelly hätten laut dessen Anwalt Deveraux Cannick nur ein Ziel gehabt: Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zu verteidigen. „Das ist alles, was Robert möchte“, so Cannick über Kelly, der elf Menschen vergewaltigt, bedroht, geschlagen und misshandelt haben soll. Sein Mandant sei neben seinem Wirken als verkannter Bürgerrechtler außerdem ein Philantrop, der wie Hugh Hefner den Lebensstil eines Playboys pflege, was aber nicht illegal sei. Die Tatsache, dass R. Kelly von seinen Opfern verlangt haben soll, ihn „Daddy“ zu nennen, verglich der Anwalt mit Mike Pence. Der nenne seine Frau bekanntlich „Mutter“ und keiner würde ihn dafür verklagen.

Ob die Verteidiger mit derartigen Vergleichen die Geschworenen von der Unschuld ihres Mandanten überzeugen können, bleibt abzuwarten. Das Urteil gegen R. Kelly wird in den kommenden Tagen erwartet.

„Lügen, Drohungen, Missbrauch“ - R. Kelly schweigt und wartet auf Urteil

Erstmeldung vom Donnerstag, 23.09.2021, 16 Uhr: New York – Ein „Robert Kelly-zentrisches Universum“ habe der R‘n‘B-Star um sich herum aufgebaut. So formulierte es Staatsanwältin Elizabeth Geddes in ihrem Schlussplädoyer im Prozess gegen R. Kelly. Dem 54 Jahre alten Sänger aus den USA wird vorgeworfen, jahrzehntelang Frauen und Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Der Sänger habe dabei „Lügen, Manipulation, Drohungen und körperlichen Missbrauch“ eingesetzt, um sich selbst vor Strafverfolgung zu schützen.

R. Kelly steht in New York vor Gericht. Ihm wird zigfacher sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Dabei soll ein ganzer Ring an Unterstützerinnen und Unterstützern R. Kelly geholfen haben. Sie sollen für den Superstar über Jahrzehnte Opfer rekrutiert und diese unter Druck gesetzt haben. „Ohne sie hätte der Angeklagte sein Verbrechensmuster nicht fast drei Jahrzehnte lang ausüben können“, so Staatsanwältin Geddes in New York.

R. Kelly vor Gericht: Elf Menschen werfen ihm sexuellen Missbrauch vor

Elf mutmaßliche Opfer soll es geben, darunter auch Männer. Sechs der Opfer waren zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs noch minderjährig. Eine der Frauen, die als Zeugin auftrat, machte R. Kelly den Vorwurf, sie als Jugendliche zu einer Abtreibung gezwungen zu haben. Der Sänger soll seine Opfer während des Missbrauchs stellenweise gefilmt haben, was zusätzlich zu den sonstigen Anklagepunkten noch den Tatbestand der Kinderpornografie erfüllen würde. Mehrere Frauen erhoben im Zeugenstand schwere Vorwürfe gegen R. Kelly. Er soll sie geschlagen, unter Drogen gesetzt und eingesperrt haben. Eine Frau sagte, R. Kelly habe ihr sogar den Gang auf die Toilette verboten.

Zur Person
Name Robert Sylvester Kelly
KünstlernameR. Kelly
Geburtsdatum8. Januar 1967 (54 Jahre)
KinderJay Kelly, Robert Kelly Jr., Joann Kelly
Ehepartnerinnen\tAndrea Kelly (1996-2009), Aaliyah (1994-1995)

Unter den minderjährigen mutmaßlichen Opfern war auch die Sängerin Aaliyah, die R. Kelly heiratete, als sie gerade 15 Jahre alt war. Die Eheschließung wurde später als illegal eingestuft und daraufhin annulliert. Aaliyah starb 2001 im Alter von 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz.

Geschworene fällen Urteil gegen R. Kelly

Im Kreuzverhör versuchten die Verteidiger R. Kellys, die Anklägerinnen als gekränkte Fans des dreifachen Grammy-Siegers darzustellen, die nach dem Ende der Beziehung mit dem Superstar „gehässig“ geworden und auf Rache aus seien. Kelly selbst verzichtete auf eine Aussage vor Gericht. Er weist alle Vorwürfe zurück und plädiert auf nicht schuldig. Nun entscheidet eine zwölfköpfige Jury über das Urteil. (dil/AFP)

Rubriklistenbild: © Antonio Perez

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare