Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Polizei verhaftete Qosay, nachdem er einen Joint geraucht hatte.
+
Die Polizei verhaftete Qosay, nachdem er einen Joint geraucht hatte (Symbolbild).

Delmenhorst

Jugendlicher stirbt nach Polizeieinsatz: Der Fall Qosay Kh. wirft Fragen auf

  • Moritz Serif
    VonMoritz Serif
    schließen

Qosay Kh. war 19 Jahre alt, als er starb. Ein von der Familie in Auftrag gegebenes Gutachten bringt Polizei und Rettungsdienst in Erklärungsnot.

Delmenhorst - Anfang März. Zwei junge Männer rauchen in einem Park einen Joint. Zivilpolizisten kontrollieren die beiden. Kurz darauf stirbt einer der Jugendlichen. Wie konnte das passieren? Das muss jetzt die Staatsanwaltschaft Oldenburg herausfinden, die gegen Polizeibeamte und Rettungssanitäter wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der unterlassenen Hilfeleistung ermittelt. Zuvor hatte die Familie des Verstorbenen Qosay Kh. Anzeige erstattet. Darüber hatten unter anderem die „Tagesschau“ und das Politikmagazin „Panorama 3“ berichtet.

Demnach habe Qosay versucht, vor den Beamten zu flüchten, wurde allerdings von ihnen festgenommen. Laut Polizei Oldenburg soll sich der 19-Jährige gewehrt und einem Polizisten „mit der Faust gegen den Kopf“ geschlagen haben. Daraufhin wurde der Jugendliche am Boden fixiert. Qosay soll nach Angaben eines Anwohners vor Schmerzen geschrien haben. „Ein Mann kniete auf dem Rücken des Jungen und hielt ihn mit beiden Händen am Kragen“, sagte der Augenzeuge gegenüber Panorama 3. Ihm sei Speichel aus dem Mund gelaufen. Eine Polizistin soll den Augenzeugen weggeschickt haben.

Qosay Kh. stirbt nach Polizeieinsatz: „Du schauspielerst“

Auch Qosays Freund Hamudi sprach mit dem NDR. „Qosay hat den Polizisten gesagt, dass er keine Luft bekomme und dass er sich hinsetzen möchte“, erzählt er. Qosay habe die Polizei nach Wasser gefragt. Diese Bitte sei ihm abgeschlagen worden. Danach kamen Rettungskräfte dazu. Diesen habe der Verstorbenen gesagt, dass ihm übel und schwindlig sei - außerdem bekäme er nur schwer Luft. „Du schauspielerst“ habe der Sanitäter gesagt. Außerdem hätten die Sanitäter weder Blutdruck noch Puls untersucht. „Sie haben ihn überhaupt nicht behandelt“, sagt Hamudi.

Eine NDR-Anfrage wollten weder Polizei und Rettungskräfte, noch Staatsanwaltschaft kommentieren. Bestätigt wurde dem „NDR“ allerdings, dass der Jugendliche nicht versorgt wurde - er habe die Behandlung verweigert. Qosays Freund Hamudi widerspricht. „Er wollte behandelt werden“, sagt er. Er habe „ganz klar gesagt“, dass er kaum Luft bekomme. Zwei Polizeibeamte hätten den Jugendlichen in den Wagen „geschleift“. Nachdem Qosay ins Polizeipräsidium gekommen war, fiel er ins Koma. Einen Tag darauf verstarb er in einem Oldenburger Krankenhaus.

Nach Polizeieinsatz: Qosay fehlte ein Schneidezahn und die Zungenspitze

Unklar sind nach aktuellem Ermittlungsstand noch die Umstände seines Todes. „Belastbare Hinweise darauf, dass der Eintritt des Todes fremdverursacht war“ hätten sich bislang „nicht ergeben“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Der 19-Jährige sei an „Multiorganversagen noch unklarer Genese“ verstorben. Möglich sei auch eine „Intoxitation mit Fremdsubstanzen“. Diese Todesursache ist nach Recherchen von „Panorama 3“ allerdings auszuschließen. Im Blut des Verstorbenen befanden sich demnach nur geringe Anteile von THC.

Ein zweites Gutachten, dass die Familie beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Auftrag gegeben hatte, liegt dem „NDR“ vor. „Sauerstoffmangelbedingtes Herz-Kreislaufversagen“ sei für den Tod verantwortlich gewesen. Weshalb es zur Atemnot kam, konnte jedoch nicht festgestellt werden. Laut Gutachten hatte Quosay Hautabschürfungen und Einblutungen. Außerdem fehlte ihm ein Schneidezahn und die „Zungenspitze“ liege „gesondert vor“. Die Staatsanwaltschaft hat die Verletzungen bestätigt.

„Das war ein gesunder, munterer, kräftiger 19-jähriger Jugendlicher“

„Das war ein gesunder, munterer, kräftiger 19-jähriger Jugendlicher, der keinerlei Anzeichen gezeigt hat, körperlich beeinträchtigt zu sein, geschweige denn, dem Tode nachzustehen“, sagt seine Anwältin Lea Voigt im Interview mit „Panorama 3“. Erst, als Qosay in Polizeigewahrsam kam, habe sich das geändert. Sie sagt, dass das Gutachten Polizei und Rettungsdienst belaste. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. (Moritz Serif)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare