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Tierärztin Katja Lehmann ist zu Besuch bei Drittklässlern der Grundschule Ahlem.

Schulen

Quietschi, das Meerschweinchen, ist der Star

Tierärzte bundesweit vermitteln an Grundschulen Basiswissen über Haustiere.

Mama, Papa, ich hätte gerne einen Hund! So fängt in vielen Familien die Diskussion um ein Haustier an. Viele Kinder wissen allerdings nicht, was es bedeutet, sich um ein eigenes Tier zu kümmern. Das wollen Tierärzte mit Unterrichtsbesuchen ändern (Infos unter www.purina.de).

Labrador „Keks“, Katze „Socke“, Kaninchen „Kuschel“ und „Quietschi“, das Meerschwein, sind die heimlichen Stars. Immer wenn Tierärztin Katja Lehmann eines der Stofftiere aus ihrer Tasche hervorholt, begrüßen die Drittklässler der Grundschule Ahlem in Hannover es mit verzückten „Ohs“ und „Ahs“. Viele der Kinder wünschen sich eigene Tiere – doch was es heißt, sich um Hund, Katze, Maus oder Vogel zu kümmern, davon haben nur wenige eine Vorstellung. „Da komme ich ins Spiel“, sagt die Veterinärin Lehmann. Spielerisch und fundiert vermittelt sie den Kindern, wie artgerechte Haltung und Tierschutz aussehen.

Die 46-Jährige ist eine von etwa 100 Tierärztinnen und -ärzten bundesweit, die kostenlose Unterrichtsstunden an Grundschulen anbieten. Dafür nimmt die Nienburgerin auch längere Wegstrecken in Kauf. Teils habe sie schon in Peine bei Braunschweig vor Klassen gestanden, um Fragen zu Hamstern, Schildkröten oder Goldfischen zu beantworten, erzählt sie. Favorit der Kinder ist meist der Stofflabrador „Keks“.

Ein eigener Hund wäre auch für viele der Ahlemer Schüler ein Lieblingstier, wie sich schnell herausstellt. „Aber wenn man vorher überlegt, dass man ihm nicht gerecht werden kann, ist vielleicht ein anderes Haustier besser geeignet“, sagt Lehmann zu den Kindern.

„Es gibt genügend ruhige Vertreter, die man eher beobachten kann.“ Schildkröten zum Beispiel. Oder Katzen. Einen nicht unerheblichen Teil des Unterrichts verwendet Lehmann auf die Frage, was gegen die Anschaffung eines Haustieres spricht. „Wir wissen nicht, ob mein Bruder allergisch ist“, sagt ein Mädchen.

„Oma hat Angst vor Hunden, und außerdem fahren wir oft in den Urlaub“, ergänzt ein Junge aus der hinteren Reihe. Die Expertin sammelt noch weitere Beispiele, dann fasst sie es simpel zusammen. „Als Grundregel gilt: Es hat keinen Sinn, ein Haustier zu halten, wenn man dem Tier kein glückliches Leben bieten kann.“ Wenn etwa der Hund den ganzen Tag nur warten müsste, weil die Eltern bei der Arbeit und die Kinder in der Schule seien, „dann hat der ja ein ziemlich doofes und langweiliges Leben“, überlegt Lehmann mit den Kindern gemeinsam, und lässt Keks den Kopf schütteln. „Und dann langweilt er sich und macht Blödsinn, bellt, oder frisst das Sofa an. Ist doch wie bei euch. Ihr kommt auch auf dumme Gedanken, wenn euch langweilig ist, oder?“ Die Kinder nicken und verstehen.

Auch praktische Tipps und Wissenswertes aus der Erfahrungswelt der Tiere hat Lehmann im Gepäck. „Erwachsene Katzen brauchen bis zu 16 Stunden Schlaf“, erklärt sie den staunenden Schülerinnen und Schülern, als sie die Stoffkatze „Socke“ herumreicht. „Dafür sind sie uns aber in der Dunkelheit klar überlegen, weil sie Tasthaare haben, über die sie viele Informationen aus ihrer Umgebung bekommen.“

Und so wird der Unterricht zu einer Mischung aus Fakten, Geschichten und Anekdoten – immer mit Blick auf das Tierwohl.

An der Entscheidung für ein Tier müsse die ganze Familie beteiligt sein, betont Lehmann. Sie wolle niemandem die Anschaffung ausreden, sondern sei klare Fürsprecherin für Haustiere. „Tiere machen einfühlsamer und selbstbewusster. Ganz gleich, ob es ein Keks, eine Socke, Kuschels oder Quietschis werden“, sagt sie und gibt gleich den nächsten wichtigen Rat: „Kaninchen und Meerschweinchen bitte mindestens zu zweit!“ (Björn Schlüter, epd)

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