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Reisende beklagen „Querdenk-Idiotie“ in der Sächsischen Schweiz

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Von: Lukas Rogalla

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Bad Schandau liegt im Sächsischen Elbtal
Bad Schandau liegt im Sächsischen Elbtal – und leidet unter einem zunehmend schlechten Image. © Britta Pedersen/dpa

Mit beschaulichen Landschaften ist die Sächsische Schweiz ein beliebtes Reiseziel. Doch das Image der Region leidet zunehmend – durch selbsternannte „Querdenker“.

Bad Schandau – Direkt am berühmten Nationalpark Sächsische Schweiz liegt der Ort Bad Schandau. Neben den rund 3500 Einwohnerinnen und Einwohnern finden sich hier jedes Jahr auch zahlreiche Touristen wieder. Kein Wunder: Die beschauliche Landschaft rund um den Kurort lädt zum Wandern und Verweilen ein.

Doch seit Corona soll sich eine Reise nach Bad Schandau ganz anders anfühlen, wie ein Nutzer auf der Plattform Reddit berichtet. Er glaubt: Um die Region könnten Touristinnen und Touristen künftig einen großen Bogen machen.

Bad Schandau
BundeslandSachsen
LandkreisSächsische Schweiz-Osterzgebirge
Einwohner3511 (31. Dezember 2020, Quelle: Freistaat Sachsen)
BürgermeisterThomas Kunack (WV Tourismus)

Bad Schandau: Reddit-Nutzer fühlen sich beim Urlaub unwohl

Zahlreiche Geschäfte würden sich mit „Schwurbel-Plakaten“ schmücken, auf denen beispielsweise geschrieben steht, wie schädlich Corona-Impfstoffe seien, berichtet der Nutzer in seinem Reddit-Beitrag „Bad Schandau - Tourismusort in Sachsen ruiniert von Querdenk-Idiotie und Versagen der Zivilgesellschaft“. In einer Bäckerei sehe man die Kontrollen der 2G-Regel (Zutritt für Geimpfte und Genesene) als staatliche Gängelung. Und für das Tragen einer Maske sei man in Bad Schandau auch „feindselig angeschaut“ worden, sagte er dem MDR. Sachsen hat die niedrigste Impfquote aller Bundesländer, wie Daten des RKI belegen. Doch die Haltung und Äußerungen der Geschäfte und Lokale in Bad Schandau gehe „auch über das in Sachsen leider ohnehin schon übliche hinaus“.

Die „ohnehin schon elendige Atmosphäre“ sei in der jüngsten Fischerfastnacht noch „getoppt“ worden. Der Umzug im Ortszentrum, durchgeführt vom ansässigen Faschingsverein, stand demnach ganz im Zeichen von Corona und einer gewissen Politik- und Wissenschaftsfeindlichkeit. Jedes Plakat sei „reaktionär, feindselig und verstörend“ gewesen. Auch persönliche Angriffe gegen Annalena Baerbock (Grüne) und transfeindliche Sprüche habe es gegeben. Ein Video vom Umzug der Fischerfastnacht zeigt sogar eine Person in Braunhemd und mit roter Armbinde – einer Nazi-Uniform sehr ähnlich.

Bad Schandau: Image des beliebten Reiseziels wird schlechter

Nicht nur der Verfasser des Reddit-Beitrags hat sich offenbar unwohl gefühlt. Auch anderen Hotel-Gästen habe der „Querdenker“-Aufzug „echt die Laune verdorben“. Auch Äußerungen wie „Urlaub in Sachsen war keine gute Idee“ seien gefallen. Unter dem Beitrag teilen zahlreiche Nutzer ähnliche Erfahrungen. „Verstörend“ sei, dass die ansässige Bevölkerung das alles auch gutheiße – „Widerrede bleibt aus“. Vor allem schade sich die Bevölkerung damit selbst, meint der Nutzer. „Touristen fühlen sich unwohl weil die Einwohner eines Touristenorts zu großen Teilen völlig abgedriftet sind“, schreibt er. Das könne „arg ins Auge gehen für den Ort“, der außer Tourismus fast nichts habe. Er wünsche sich ein klares Zeichen vom Gastgewerbe, habe aber die Befürchtung, dass auch sie die „Querdenkidiotie“ mittragen.

Auf Nachfrage des MDR sagte der Vorsitzende des Tourismusvereins „Elbsandsteingebirge“ Ivo Teichmann (Landtagsabgeordneter der AfD), dass ihm „keine vergleichbaren Äußerungen von Touristen bekannt“ seien. Teichmann lebt selbst in Königstein, unweit von Bad Schandau. Auch dort seien ihm noch keine „Querdenkerplakate“ aufgefallen, heißt es.

Bad Schandau: AfD-Abgeordneter ist Chef des Tourismusvereins

Zum Aufzug der Fischerfastnacht in Bad Schandau äußerte er sich laut MDR wie folgt: „Toleranz und Meinungsvielfalt wird regelmäßig eingefordert, aber selbst kaum gelebt. Zudem ist die Satire, gerade bei Faschingsumzügen, immanent, dass bewusst ‚überzogen‘ wird. Dies ist kein besonderes Phänomen der Sächsischen Schweiz.“ Generell freue sich der AfD-Politiker über einen anhaltenden Zuspruch für die Sächsische Schweiz als Urlaubsregion. Ein starker Anstieg der Buchungsanfragen belege dies. Dafür erlebe Teichmann stets Diskussionen über die unterschiedlichen Corona-Regeln in Sachsen und in Tschechien, das angrenzt. In Sachsen schneidet die AfD bei Wahlen regelmäßig gut ab.

Der Tourismusverband Sächsische Schweiz habe nicht auf eine MDR-Anfrage antworten wollen. Es hieß lediglich, dass sich die Mitglieder für Weltoffenheit, Toleranz und Gastfreundschaft einsetzen würden. (lrg)

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