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Corona-Protest

„Querdenken“-Demo: Aufgeheizte Stimmung in Berlin

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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In Berlin ziehen am Wochenende wieder „Querdenker“ durch die Straßen. Die Polizei meldet bei den unübersichtlichen Demos einige Festnahmen.

Trotz eines Demonstrationsverbotes haben am letzten August-Wochenende Tausende Menschen in Berlin gegen die Corona-Politik protestiert. Zu den Protesten hatte die bundesweite „Querdenken“-Szene mobilisiert. Am Samstag und Sonntag versammelten sich jeweils mehrere tausend Menschen ohne Masken und Abstand vorwiegend in der östlichen Berliner City. Erneut kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Der Weg zum Reichstagsgebäude blieb den „Querdenkern“ aber versperrt. Die Polizei erklärte zwischendurch auf Twitter: „Es irren derzeit wenige Tausend Menschen durch die Straßen. Ein nicht vorhandener Plan lässt sich nur schwer verhindern.“ An beiden Tagen wurden insgesamt etwa 200 Menschen vorübergehend festgenommen, darunter auch RA Haintz, der nach anderthalb Stunden wieder freigelassen wurde.

Update vom Sonntag, 29.08.2021, 15.23 Uhr: Den zweiten Tag infolge demonstrieren „Querdenker“ gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung in Berlin. Hunderte Menschen ziehen nach Angaben der Polizei in mehreren Gruppen durch die Innenstadt. Die Polizei hat bisher einzelne Teilnehmende in Gewahrsam genommen, weil sie dazu aufgerufen hätten, sich zu Demonstrationszügen zusammenzuschließen. Dabei habe der Fokus auf Gewalttätern und Rädelsführern gelegen, twitterte die Polizei. Unter den Festgenommen befindet sich auch der in der Szene bekannte Rechtsanwalt Markus Haintz. Einsatzkräfte begleiten die Gruppen und fordern sie auf, Abstand zueinander zu halten. Rund 2200 Polizeikräfte sollen im Einsatz sein.

Zahlreiche Demonstrierende hatten sich am Vormittag am Humboldthain im Norden Berlins versammelt. Dort war eigentlich ein Protest gegen den Leinenzwang für Hunde angemeldet. Laut Polizei sagte der Veranstalter diese Demonstration kurzfristig ab. Die S-Bahn-Züge der Nord-Süd-Linien hielten nicht am Humboldthain. „Sparen Sie sich den Weg dorthin: An dieser Stelle wird keine Versammlung stattfinden“, teilte die Polizei mit. In der City-Ost setzt die Polizei Berlin „aufgrund der Unübersichtlichkeit der Lage“ einen Polizeihubschrauber ein – dieser soll ein Live-Bild aus der Luft übertragen.

Polizeibeamte nehmen den Szeneanwalt Markus Haintz bei der „Querdenken“-Demo in Berlin fest.

Videos in sozialen Netzwerken vom Vortag zeigen eine aggressive Stimmung gegenüber Journalist:innen, unter anderem ein Team des RBB soll belästigt worden seien. Der Pressegewerkschafter Jörg Reichel berichtet von „massiven Bedrängungen“ und „sexistischen Beleidigungen gegenüber dem Redakteur“. Generell scheint die Stimmung in Berlin auch heute wieder aufgeheizt zu sein. Ein Fahrradfahrer soll den „Querdenkern“ zugerufen haben: „Verpisst euch, ihr peilt ja gar nichts“. Zuvor hatten die Protestler:innen offenbar die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain blockiert. Dies berichtet der Tagesspiegel-Journalist Julius Geiler.

„Querdenken“-Demo in Berlin: „Drosten raus“-Rufe, Festnahmen und faule Presseausweise

Erstmeldung vom Samstag, 28.08.2021: Berlin – „Querdenker“ und andere Gegner:innen der Corona-Politik haben sich trotz des Verbots einiger Veranstaltungen am Samstag (28.08.2021) in Berlin versammelt. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um etwa Tausend Demonstrierende. Dabei kam es zunächst zu 36 vorläufigen Festnahmen. Die Polizei begleitete die einzelnen Züge und zog dabei nach eigenen Angaben immer wieder Rädelsführer aus den Gruppen. Es gab einige Angriffe auf Einsatzkräfte, zunächst wurde ein Polizist verletzt.

Nach mehreren Verboten für einzelne Versammlungen lief ein großer Teil nach Beobachtung von Reportern der Deutschen Presse-Agentur zu Beginn eher ziellos durch die Straßen. Zunächst zogen einzelne Gruppen durch den Stadtteil Friedrichshain. Die Menschen waren in der weit überwiegenden Mehrheit ohne Masken oder andere Corona-Schutzmaßnahmen unterwegs.

„Querdenken“-Demo in Berlin: Wütende Gegner:innen der Corona-Maßnahmen

Im benachbarten Stadtteil Prenzlauer Berg versuchten die Protestler:innen dann immer wieder zu einem „Zug der Liebe“ dazuzustoßen, zu dem bei House- und Technomusik rund 10.000 Menschen erwartet wurden. Die Polizei verhinderte dies mit Absperrungen. Der Spiegel-TV-Reporter Thomas Heise teilte auf Twitter ein Video, in dem eine aufgeheizte Stimmung zu sehen war. Er berichtete, er sei von einem Demonstrationsteilnehmer als „Faschist“ bezeichnet worden – dabei habe es sich um seinen ehemaligen Blumenverkäufer gehandelt. „Was für Zeiten“, schrieb der Journalist.

Polizeihubschrauber waren zur Beobachtung der unübersichtlichen Szenerie eingesetzt, weite Teile des Regierungsviertels abgesperrt. Die Polizei hatte sich trotz zahlreicher Demonstrationsverbote auf größere Einsätze eingestellt. Rund 2.000 Kräfte standen nach eigenen Angaben bereit, darunter ist auch Unterstützung aus Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern und Sachsen.

Bei der Corona-Demo in Berlin trägt ein Teilnehmer, der mit einem Fahrrad unterwegs ist, eine Uniform mit DDR-Abzeichen.

Corona-Proteste in Berlin: „Querdenker“ stellen offenbar fragwürdige Presseausweise aus

Offenbar gaben Gruppierungen im Umfeld der „Querdenker“ Presseausweise heraus, um Demonstrierende in Berlin als Journalist:innen zu tarnen. Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilte die Aktion. „Absurd: Demokratiefeinde und Medienhasser geben anscheinend massenweise ‚Presseausweise‘ aus“, schrieb der DJV auf Twitter.

Videos auf dem Kurznachrichtendienst zeigten Protestierende, die an der Charité Berlin vorbeimarschierten und lautstark „Drosten raus“ skandierten. Der bekannte Wissenschaftler Christian Drosten ist Leiter des Fachbereichs Virologie an der Charité und gehört seit Beginn der Pandemie zu den prominentesten Corona-Fachleuten. Immer wieder ist er Anfeindungen von Verschwörungsideologen ausgesetzt.

„Querdenken“-Proteste: Neun Demonstrationen in Berlin verboten

Neun Demonstrationen waren von der Polizei verboten worden, darunter Kundgebungen der Initiative „Querdenken“ auf der Straße des 17. Juni. Drei Eilanträge gegen die Verbote wies das Verwaltungsgericht zurück, einem gaben sie statt: Eine für Samstag und Sonntag angemeldete Versammlung mit je 500 erwarteten Teilnehmern durfte stattfinden. Auf diese Veranstaltung wurde dann über das soziale Netzwerk Telegram hingewiesen.

Vor einem Jahr, am 29. August 2020, hatten Zehntausende in Berlin gegen die Corona-Einschränkungen protestiert. Dabei hatten Demonstrierende eine Absperrung am Reichstagsgebäude durchbrochen, die zahlenmäßig weit unterlegenen Wachkräfte bedrängt und für einige Zeit eine Treppe vor einem Eingang besetzt. Die Bilder davon lösten breite Empörung aus und sorgten auch international für Aufsehen. (tvd/dpa)

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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