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Die sparsame Elizabeth II. geht nachts schon mal durch den Palast und macht das Licht aus.
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Die sparsame Elizabeth II. geht nachts schon mal durch den Palast und macht das Licht aus.

Queen Elizabeth II.

Die Queen gibt zu viel Geld aus

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
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Das britische Parlament ermahnt die Königin. Die Queen muss sparen, denn ihre Rücklagen sind auf einen historischen Tiefstand gesunken. Die Sanierung des Buckingham Palace nimmt viel Geld in Anspruch.

In der Gemäldegalerie tropft es durchs Dach. Wenn es regnet, stellen die Angestellten Eimer unter die Rembrandts und Van Dykes. Die Empfangsräume wurden seit 1952 nicht mehr tapeziert, die elektrischen Leitungen im Haus sind ein halbes Jahrhundert alt und im Innenhof bröckelt der Putz in großen Brocken von den Wänden. Das klingt wie eine Verfallsbeschreibung der Burgruinen in einem schottischen Schauerroman – in Wahrheit handelt es sich um eine aktuelle Bestandaufnahme im Londoner Buckingham-Palast.

Schon seit Jahren werden Reparaturmaßnahmen in der Residenz der britischen Monarchin verschoben, weil dem königlichen Haushalt das Geld für die notwendigsten Sanierungen fehlt. Das die für ihre Sparsamkeit bekannte Queen nachts durch die Gänge des Palastes geht, um das Licht auszuknipsen, hat scheinbar nicht viel geholfen.

Zu Unrecht hielt man Königin Elizabeth II. offenbar lange Zeit für die reichste Frau der Welt. Der Haushaltsausschuss im Parlament hat sich nun ihre Bücher vorgeknöpft und ist zu einem alarmierenden Ergebnis gekommen: Der Notgroschen der Queen ist binnen weniger Jahre auf eine Million Pfund geschmolzen. Damit sei ein „historischer Tiefstand der königlichen Reserven“ erreicht, heißt es in dem Prüfbericht.

Der Hüter der Privatschatulle

Die für ihre offenen Worte bekannte Ausschussvorsitzende Margaret Hodge fasste die königliche Finanznot so zusammen: „Der Palast lebt von der Hand in den Mund.“

Freilich verhält es sich nicht so, dass sich das britische Königshaus mit Almosen über Wasser halten müsste. Im vergangenen Jahr betrug der Sovereign Grant, der Betrag, den das Finanzministerium auf das Konto der Queen überweist, üppige 31 Millionen Pfund. Allerdings hat der Buckingham Palast im selben Zeitraum 33,3 Millionen Pfund ausgegeben, was den Rückgriff aufs Sparbuch Ihrer Majestät erklärt.

Der königlichen Verwaltung und ihrem Chef Sir Alan Reid, der den schönen Titel „Hüter der Privatschatulle“ trägt, raten die Parlamentarier deshalb dringend zum besseren Haushalten und zur Kostensenkung. Die Liste der Empfehlungen ist lang: So sollen die Royals beispielsweise die Zahl der Mitarbeiter reduzieren, die in den letzten sieben Jahren konstant bei 430 Angestellten lag. Die aufgeschobenen Sanierungsarbeiten, heißt es, müssten endlich in Angriff genommen werden. Und wenn das Geld immer noch nicht reicht, könne die Königin ja die Portale zum Buckingham-Palast länger für Touristen öffnen als nur die zwei üblichen Sommermonate im Jahr.

Dass die 87-jährige Queen und ihr 92-jähriger Ehemann Prinz Philip, die trotz ihres Alters noch immer eisern mehr als 400 offizielle Termine im Jahr bestreiten, das Geld zum Fenster hinauswerfen, lässt sich allerdings auch mit größtem republikanischen Eifer nicht behaupten. Selbst Thronfolger Prinz Charles wurde kürzlich mit einem Flicken auf dem Jackett gesichtet.

Vom Vorwurf der Verschwendung hat die strenge parlamentarische Haushaltsprüferin Hodge das Staatsoberhaupt denn auch ausdrücklich ausgenommen. „Wir denken allerdings, dass der Königliche Haushalt und das Finanzministerium der Queen nicht gut gedient haben“, stellte sie klar. Vor allem das Ministerium habe in seiner Aufsichtspflicht versagt.

Das Problem für die Queen besteht indes darin, dass sie traditionell die Verantwortung für den Unterhalt und die Instandsetzung zahlreicher alter königlicher Gemäuer trägt. Und bis zu einer Reform der königlichen Finanzen war die Höhe ihrer Zuwendungen zwanzig Jahre lang eingefroren. Ihre Mannschaft aus Köchen, Gärtnern, Lakaien und Museumswärtern musste in der jüngsten Wirtschaftskrise auf Gehaltserhöhungen verzichten.

Palastangestellte, auch das gehört zum Allgemeinwissen auf der Insel, befinden sich meist auf Mindestlohnniveau, auch wenn sie freie Kost und Logis beziehen, in königlichen Gärten lustwandeln und im königlichen Hallenbad schwimmen können.

Die Ausgaben im Palast sind zu hoch

Eine Stelle als Reinigungskraft wurde gerade für ein Jahressalär von 14 400 Pfund (17 400 Euro) ausgeschrieben. Nichts verdeutlicht die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Hofe deutlicher als der Umstand, dass der Boiler im Buckingham-Palast annähernd 60 Jahre alt ist – die Heizkosten sind astronomisch.

Tatsächlich hat die Queen in den letzten Jahren sogar gespart; wenngleich die Parlamentarier bemängeln, dass fünf Prozent Ausgabenkürzungen in fünf Jahren zu wenig seien. Dafür sind die Einnahmen gestiegen, seit die Regierung die 300 Jahre alten Zuwendungsrichtlinien modernisierte. Die Einkünfte der Monarchin errechnen sich nun anhand des Crown Estates – jener Ländereien und Immobilien also, die nicht ihr persönlich, sondern der Krone gehören.

Dazu zählen unter anderem der Park von Windsor, 15 Einkaufszentren sowie der Meeresgrund. Seit 1760 fließen die Gewinne ans Parlament, das wiederum einen Teil an den Monarchen auszahlt: Dieser Anteil wurde jetzt auf 15 Prozent des jährlichen Profits des Crown Estates festgeschrieben. Und weil der Crown Estate im vorigen Jahr gut gewirtschaftet hat, müsste die Queen, theoretisch, mehr Geld in Ihrer Schatztruhe haben.

Wenn da die Sanierungsmaßnahmen nicht wären: Asbest im Keller des Buckingham-Palasts wurde entfernt und der Kensington-Palast, in dem Prinz William, Kate und Baby George wohnen, wurde renoviert. Dem Urenkel der Queen regnet es immerhin nicht auf den Kopf.

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