Seiten und Gruppen gesperrt

QAnon: Facebook geht gegen Seiten und Profile der rechten Verschwörung vor

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Facebook und Instagram gehen gegen die rechten Verschwörungstheoretiker von QAnon vor. Tausende Seiten und Gruppen werden von den Plattformen gelöscht.

  • Anhänger von QAnon verbreiten Verschwörungstheorien in den sozialen Medien.
  • Facebook zieht Konsequenzen und entfernt jede Seite im Zusammenhang mit QAnon.
  • US-Präsident Donald Trump distanziert sich nicht von QAnon, sondern freut sich eher über die Unterstützung.

Jahrelang waren sie Brutstätten für wirre Falschbehauptungen und rechte Verschwörungstheoretiker. Nun zieht Facebook Konsequenzen: Alle Seiten, Gruppen und Profile in Verbindung mit „QAnon“ sollen gelöscht werden. Damit verschärft das soziale Netzwerk sein bisheriges Vorgehen weiter.

Zentrale Behauptung von QAnon ist eine Verschwörung von demokratischen Eliten gegen Donald Trump. Gerade im Zuge der US-Wahl sind die Anhänger stets präsent - sie alle unterstützen den US-Präsidenten.

Anhänger von Donald Trump und QAnon.

Facebook geht gegen QAnon vor: Profile und Gruppen werden gesperrt

Nachdem Facebook bereits im August angekündigt hatte, QAnon und ähnliche Bewegungen auf der Plattform einzuschränken, sollen nun alle Profile entfernt werden, die die Bewegung „repräsentieren“. Auch Instagram wird von den Maßnahmen betroffen sein. Zuvor wurden nur Seiten gelöscht, die zu Gewalt aufriefen oder auf denen über mögliche Gewalt diskutiert wurde. Gegen 10.000 Instagram-Konten, 440 Facebook-Seiten, sowie etwa 2.000 Facebook-Gruppen wurden im August Restriktionen verhängt, um die Reichweite der Inhalte einzuschränken. Nun sollen sie ganz verschwinden. Außerdem wurden 300 relevante Hashtags blockiert. Im August hatte Twitter bereits 7.000 Konten in Verbindung mit QAnon gelöscht. Zuletzt hatte es vermehrt Druck auf die Unternehmen gegeben, gegen Seiten mit radikalen Verschwörungstheorien vorzugehen.

Facebook geht gegen QAnon vor: Anhänger auch in Deutschland

Anhänger von QAnon waren zahlreich bei den Corona-Demonstrationen in Berlin vertreten. Der Sänger Xavier Naidoo, sowie der Attentäter von Hanau, Tobias R., gelten ebenfalls als Unterstützer und Verbreiter entsprechender Theorien. Im August wurde US-Präsident Donald Trump auf die Unterstützung von QAnon angesprochen. Er distanzierte sich nicht nur nicht von ihnen, sondern freute sich viel mehr über ihren Support. „Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiß“, sagte Trump. „Ich habe gehört, dass es Leute sind, die unser Land lieben.“

Eine Reporterin sprach Donald Trump speziell darauf an, dass Anhänger von QAnon glauben, dass er die Welt „vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen“ rette. „Ich habe das nicht gehört“, antwortete Trump. „Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes?“ Wenn er helfen könne, sei Donald Trump bereit dazu, die Welt vor Problemen zu retten. Unter ihm würde die US-Regierung die Welt vor „radikalen linken Philosophie“ retten.

Facebook geht gegen QAnon vor: Was steckt hinter der rechten Verschwörungstheorie?

Wer dem Ursprung von QAnon auf die Spur geht, könnte in den eher dunkleren Ecken des Internets landen. In dubiosen Foren, wie dem Imageboard „4chan“, tummeln sich vor allem rechte Verschwörungstheoretiker, Trolle und Rassisten. Die Posts erfolgen anonym. Ein Nutzer nannte sich „Q“ und gab sich als hochrangiger Militäroffizier aus. Seinen Behauptungen zufolge, soll Hillary Clinton kurz vor ihrer Verhaftung gestanden haben. Dazu gab er ein Datum und einen Zeitraum an (30. Oktober 2017, 7.45 bis 8.30 Uhr).

Darauf folgten fast 1.800 weitere kryptische Posts, die eine bizarre Theorie ergeben, nach der sich demokratische Politiker, Hollywood-Stars und diverse Unternehmen gegen US-Präsident Donald Trump verschwören. Bald kamen Behauptungen auf, dass die „Eliten“ das Stoffwechselprodukt Adrenochrom aus dem Blut von getöteten Kindern gewinnen und als Verjüngungsmittel zu sich nehmen. „QAnon gibt Anhängern von Donald Trump einen Weg, jeden Skandal oder Ausrutscher des Präsidenten zu erklären“, meint Jared Holt, ein Forscher rechter Medien.

Facebook geht gegen QAnon vor: Bewegung geht aus der „Pizzagate“-Verschwörung hervor

Die Theorie der Anhänger von QAnon geht aus der „Pizzagate“-Verschwörung hervor. Diese besagte, dass hochrangige US-Politiker der Demokratischen Partei einen Kinderhändlerring betreiben, der Kinder verprostituiert. Hillary Clinton soll neben Weiteren den Ring aus dem Keller einer Pizzeria in Washington D.C. steuern. Als Nutzer von 4chan Zugriff auf die Emails des Demokraten John Podesta erhielten, der mit dem Besitzer der Pizzeria in Kontakt stand, glaubten sie, dass Worte wie „Käsepizza“ und „Sauce“ Codes für „Kinderporno“ und „Orgie“ seien. Im Dezember 2016 stürmte ein bewaffneter Mann die Pizzeria, um die angeblich eingesperrten Kinder aus dem Keller zu befreien. Er gab zwei Schüsse mit seinem Sturmgewehr ab, bevor er bemerkte, dass es überhaupt keinen Keller gibt. Daraufhin ließ er sich widerstandslos festnehmen. (lrg mit afp)

Rubriklistenbild: © STEPHANIE KEITH

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