Mönchengladbach

Prozess um verdursteten Jungen: Lange Haftstrafe für Mutter gefordert

Mehr als ein Jahr nach dem qualvollen Tod eines Zweijährigen in einer Wohnung in Nordrhein-Westfalen hat die Staatsanwaltschaft siebeneinhalb Jahre für die angeklagte Mutter gefordert.

Der 28-Jährigen wird unter anderem Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Oberstaatsanwältin Carola Guddat sagte am Mittwoch in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Mönchengladbach, dass die depressive 28-jährige Frau Mitte April 2019 ihren zweijährigen Sohn Leon in der Grevenbroicher Wohnung bewusst zwei Tage unversorgt in einem überhitzten Zimmer hatte liegen und verdursten lassen.

Die Angeklagte habe die Gefahren gekannt und den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen, nur um ihre Ruhe zu haben, betonte die Staatsanwältin. Sie rechnet bei der Strafzumessung an, dass eine Gutachterin die zweifache Mutter aufgrund schwerer Depressionen und einer Krebserkrankung nur als eingeschränkt schuldfähig eingestuft hatte.

Die Angeklagte hatte schon bei der Polizei und später auch im Prozess zugegeben, sich aus Überforderung zwei Tage nicht um den Jungen gekümmert zu haben. Sie habe aber nie gedacht, dass das Kind sterben könnte. Die Mutter hatte den Jungen am Abend des 14. April 2019 in einen Schlafsack gepackt und ins Kinderbett gelegt. Weil die Heizung in der Wohnung ausgefallen war, hatte sie einen Heizlüfter auf höchster Stufe laufend vor das Bett gestellt. Erst am Vormittag des übernächsten Tages habe sie wieder nach ihrem Sohn geschaut. (dpa)

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