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Mixen statt Schließen: Barkeeper protestieren gegen Frankreichs Corona-Regeln.

Wut auf Macron

Proteste gegen die Sperrstunde

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Die Infektionszahlen steigen - doch die Menschen in Paris reagieren widerwillig auf die Einschränkungen.

Ist Emmanuel Macron zu weit gegangen? Die von Samstag an geltende Sperrstunde für neun französische Großstädte sorgt vor allem in Paris für einen „Wind der Revolte“, wie die gutbürgerliche Zeitung „Le Figaro“ voller Sorge berichtet. Die 16- bis 25-Jährigen verstünden nicht, warum sie nach 21 Uhr nicht mehr ins Kino oder die Disco dürften, während die Züge und Metro – wo man zeitweise sehr eng steht – weiterhin verkehrten.

Dabei hatte Macron alles versucht, um sich am Donnerstag bei seiner Ankündigung so verständnisvoll wie möglich zu geben. „Es ist hart, im Jahre 2020 zwanzig Jahre alt zu sein“, meinte er mit mitfühlender Stimme. Das Linksblatt „Libération“ wirft dem 42-jährigen Präsidenten dennoch vor, er setze „den Deckel auf“ Paris. Das ist ein Wortspiel mit dem Begriff Sperrstunde, der auf Französisch „Abdeckung des Feuers“ (couvre-feu) heißt. Und das Feuer gehe in der Lichterstadt, aber auch in Studentenstädten wie Marseille oder Montpellier völlig aus, moniert „Libé“, um nüchtern zu resümieren: „Macron heiligt die Arbeit und opfert die Nacht.“ Anders gesagt: Er unterbinde das Sozialleben – das nun einmal abends stattfinde – einzig, um das Arbeitsleben zu retten.

Und das kann namentlich in Paris, wo Arbeiten im besten Fall Mittel zum Zweck ist, nicht durchgehen. Die Wirte, Barkeeper, Theater- und Kinobesitzer fragen in den Medien, warum ihr Geschäft schließen müsse, um die übrige Landeswirtschaft zu retten; sie gehörten schließlich auch zu dieser Wirtschaft.

Kulturministerin Roselyne Bachelot verlangte von ihrer eigenen Regierung, dass Theater und Kinos bis 22 Uhr geöffnet sein sollten, um eine 20-Uhr-Vorstellung abhalten zu können. Nachtclubbesitzer betonten diese Woche bei mehreren Protestkundgebungen, in Frankreich habe sich bisher keine einzige Diskothek als Covid-19-Hotspot erwiesen. Die 12 000 Polizisten, welche die Einhaltung der Sperrstunde von Samstag an kontrollieren müssten, stünden oft enger beisammen als die selten gewordenen Tänzerinnen und Tänzer in den Clubs. Immerhin müssen die Flics eine Schutzmaske tragen.

Bis zu 1500 Euro Strafe

Generell scheint es, als akzeptierten die Menschen in Paris die neuesten Restriktionen noch weniger als den vollständigen Lockdown im Frühjahr. Im April und Mai hatten alle 65 Millionen Menschen, die in Frankreich leben, gleichermaßen zu Hause bleiben müssen. Nun trifft es einige stärker als andere: Die neun Städte, darunter auch Lyon, Toulouse oder Lille, kommen zusammen auf 18 Millionen Einwohner. Und auch in Paris mit seinen zwölf Millionen Bewohnern treffen die Einschränkungen die Jugendlichen am stärksten. Allerdings gelten sie, wie Macron andeutete, als hauptsächliche „Spreader“, also Verbreiter des Virus.

Premierminister Jean Castex wiederholt seither fast stündlich, es gebe keine Alternative zur Sperrstunde. Damit sorgt er für zunehmend wütende Reaktionen, obwohl ihm die Zahlen recht geben. Am Donnerstag wurden erstmals überhaupt mehr als 30 000 Franzosen binnen 24 Stunden angesteckt – ein Zeichen mehr, dass die zweite Corona-Welle voll über Frankreich hereingebrochen ist. Die Bußgelder, die wegen der Verletzung der Sperrstunde, die von 21 Uhr bis 6 Uhr in der Früh gilt, verhängt werden können, betragen 135 Euro, im Wiederholungsfalle sogar bis zu 1500 Euro.

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