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Bei einem Schlag der Polizei gegen die Prostitution wurden viele Frauen vorläufig verhaftet.
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Bei einem Schlag der Polizei gegen die Prostitution wurden viele Frauen vorläufig verhaftet.

Prostitution China

Prostitution unter deutscher Flagge

Die chinesischen Behörden holen zum Schlag gegen das Rotlichtmilieu aus. Dieses Gewerbe ist dort eigentlich verboten. Hunderte Frauen wurden von der Polizei abtransportiert und einige Etablissements geschlossen.

Von Inna Hartwich

Es begann mit einem Fernsehbericht. Mit teils verwackelten Bildern und Untertiteln, wie es sie in chinesischen Sendungen oft gibt. Eine Reihe Frauen war zu sehen, leichte Mädchen in kurzen Röcken. Sie hoben den Saum hoch, ließen eine Nummer an ihren Oberschenkeln sehen. „3116 aus Hunan“ verlangte 700 Yuan (85 Euro), „156 aus Jiangxi“ wollte 800 Yuan und „117 aus Sichuan“ forderte 900 Yuan. Preise für ihre Dienste.

Für ihre Jobs in einer Industrie, die in China eigentlich verboten ist – die käufliche Liebe. Es folgten Razzien in Hotels und Karaoke-Bars, es erschienen weitere Berichte über die „Sündenstadt Dongguan“ im Süden des Landes, es kam zu „Aufräum“-Kampagnen der Polizei.

Die Eigenheiten der Sprache

6000 Staatsdiener rückten in der Stadt der Billigfabriken aus, Hunderte gefesselte Frauen zwängten sich in Polizeibusse. 67 Verdächtige sitzen derzeit in U-Haft, zwölf Etablissements wurden geschlossen. Seitdem macht sich Empörung breit, über die Ausmaße des Skandals einerseits und die Heuchelei der Regierung andererseits. In China ist auch ein Massagestudio oft ein Bordell.

In einem Bild hat die Aufregung nun ihren Ausdruck gefunden: drei Balken übereinander, in Schwarz-Rot-Gold, den Farben der deutschen Fahne. Im chinesischen Twitter-Verschnitt „Weibo“ gehören Dongguan und Deutschlandfahne unwiderruflich zusammen. Tausende Nutzer haben es seit Donnerstag hochgeladen. Selbst Pekings liberale Zeitung „Xin Jing Bao“ illustriert die Prostitution in Südchina mit den drei Farben der Deutschen.

Wie das zusammenpasst? Ganz einfach. Wie so oft greifen auch hier die Eigenheiten der chinesischen Sprache – und die Eigenarten chinesischer Zensur. Um diese zu umgehen, konstruieren Internetnutzer neue Wörter, die – weil es im Chinesischen oft ähnlich auszusprechende Silben gibt – gleich klingen, aber etwas anderes bedeuten. Der gefallene Parteistar Bo Xilai, der über Sex and Crime gestürzt war und nun im Gefängnis sitzt, wurde so zu einer „Tomate“. Einträge über Bo ließ die Partei sperren. Wer aber wollte sich schon über Gemüse hermachen?

Manchmal kommen Sprichwörter zum Einsatz. Oder Farben. Deshalb geriet die deutsche Fahne in den chinesischen Huren-Skandal. Schwarz steht für Korruption, Rot für die wiedererwachte Ideologisierung, Gelb ist der im Chinesischen beschönigende Begriff für Prostituierte. Ein Blogger sieht in den Farben die „Mentalität der KP: korrupt, patriotische Lieder singend und die Dienste von Huren in Anspruch nehmend“. Die Mädchen dürften nun bestraft werden. Und Chinas Regierung überhört jeden Ruf nach Legalisierung des ältesten Gewerbes der Welt.

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