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Prognosen-Paule Superstar

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Der vorerst letzte Auftritt des Oberhausener Orakels zieht die versammelte Weltpresse an. Das finale Mahl sieht als Sieger der letzten beiden WM-Partien - Deutschland und Spanien. Von Petra Pluwatsch

Von Petra Pluwatsch

Kaum vorstellbar, dass irgendetwas Paul den Appetit verderben könnte. Gleich zweimal wurde Deutschlands berühmtester Krake am Freitag in Oberhausen zu Tisch gebeten, um die letzten Ergebnisse der Fußball-WM vorherzusagen. Deutschland und Spanien gewinnen, orakelte das Tier, indem es gleichmütig das Muschelfleisch aus den beiden Behältern mit den entsprechenden Fahnen fischte. Mit dabei beim finalen Mahl: Medienvertreter aus der ganzen Welt. Gegen Paul, darin war man sich einig, sind Typen wie Eisbär Knut und andere haarige Viecher allenfalls Zweite-Klasse-Statisten.

"In Brasilien lieben wir ihn alle", sagt Ari Peixoto vom brasilianischen Fernsehsender Globo Brasil. Peixoto, Nahostkorrespondent mit Büro in Jerusalem, sieht müde aus. Abends zuvor ist er von Israel nach Deutschland geflogen. Um über einen orakelnden Tintenfisch zu berichten? Genau, um über einen orakelnden Tintenfisch zu berichten, sagt Peixato leicht pikiert und sieht aus, als fände er die Frage reichlich dämlich. Paul sei schließlich der bekannteste Oktopus der Welt. "Wir sind crazy, absolut verrückt nach ihm." Und warum sich das Tier nicht schon einmal ansehen? Schließlich findet die nächste Fußballweltmeisterschaft in Brasilien statt. Vielleicht lässt sich der Gag aus Oberhausen ja wiederholen in Rio, Belem oder Manaus.

Doch nun bitte er um Entschuldigung, das Team vom deutschen Fernsehen möchte ihn interviewen. Kollege Shaozhou Li kichert vor sich hin. Lustig sei die ganze Geschichte, sagt der baumlange Korrespondent von Titan Sports, Chinas größer Sportzeitung, und hantiert mit einer riesigen Kamera. Auch in China seien sie ganz wild auf Paul. Warum? "Ist lustig, so ein Tintenfisch", wiederholt Shaozhou Li und drängelt sich ein paar Schritte vor. "Außerdem hat er bisher alles richtig gemacht", und das ist eine Geschichte, die man in China gerne hört. King Paul bekommt er dann noch nicht zu sehen. Zu dicht steht inzwischen die Menschenmenge im engen, feuchten Raum, den sich der Kopffüßer mit Schleimfischen, Meeräschen und muffig in den Sand eingegrabenen Muränen teilt. Es tropft von der Decke, der Boden ist etwas glitschig, Seile hängen von der Decke, doch wen stört das schon. Allein die Niederlande haben fünf Kamerateams geschickt, obwohl sie das Urteil Pauls angeblich kaum kratzt. Die Holländer haben schließlich Pauline, die Oktopusdame, wohnhaft im Sealife von Den Haag, und sie prophezeite bereits am Donnerstag: Oranje wird Weltmeister.

Ein Typ, der berührt

Der Star bleibt aber Paul, das Findelkind aus dem Ärmelkanal. Zu Dutzenden bekommt er täglich Liebes-E-Mails, vorwiegend von Hausfrauen aus Spanien. "Wir holen dich nach Hause", auch das versprechen ihm die Schreiberinnen, erzählt Daniel Fey, Entertainment Supervisor bei Sealife in Oberhausen. Und schließt nicht aus, dass die eine oder andere Interessentin das kalorienarme Tier am liebsten mit viel Knoblauch und einem Schuss Weiß wein aufbereiten würde.

Längst hat es Fey aufgegeben, über die möglichen Ursachen des Hypes um Krake Paul nachzudenken. Anfangs, sagt er, sei das Ganze ein Gag gewesen. Die enorme Trefferquote habe das Interesse weltweit ins Unermessliche gesteigert. "Paul berührt viele Menschen", sagt Fey schließlich - vielleicht, "weil Tintenfische absolut nichts von Fußball verstehen."

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