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Die Tiere greifen meist nur zur Selbstverteidigung an.

Italien

Ein "Problembär" weniger

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Die Erschießung von"KJ2" in der italienischen Provinz Trient löst eine Debatte aus. Hätte man die Bärin nicht betäuben und einfangen können?

Seit drei Wochen war sie zur Fahndung ausgeschrieben, die Problembärin KJ2. Das 14 Jahre alte Tier hatte zwei Mal Menschen verletzt, erst einen Jogger, dann im Juli einen Spaziergänger in den Dolomiten, der mit schweren Bisswunden am Arm ins Krankenhaus kam.

Am Wochenende ist die Braunbärin nun erlegt worden, wie die Provinz Trient mitteilte. 30 Männer der Forstpolizei hatten sie in den Bergwäldern oberhalb der Stadt Trient aufgespürt und erschossen. Ein offizielles Foto zeigte den massigen, 130 Kilo schweren Körper niedergestreckt im Gras.

Italiens Umwelt- und Tierschutzverbände sind hellauf empört. Sie drohen dem Präsidenten der norditalienischen Region, Ugo Rossi, der den Abschuss angeordnet hatte, mit einer Klage. Ihrer Meinung nach hätte es ausgereicht, KJ2 einzufangen, zu betäuben und in ein anderes Gebiet umzusiedeln, weiter entfernt von Wanderwegen und Menschen. „Besser ein toter Bär als ein verletztes Kind“, sagt dagegen Rossi.

Seit 1999 läuft im Trentino das von der EU finanzierte Projekt „Life Ursus“, mit dem Braunbären in den Alpen wieder heimisch gemacht werden sollen, nachdem sie fast ausgerottet waren. Zehn Bären wurden aus Slowenien geholt und im Naturpark Adamello-Brenta ausgesetzt. Inzwischen leben in den Wäldern des Trentino und Südtirols rund 50 Exemplare. Doch wie auch im Fall der Wölfe schafft der erfolgreiche Artenschutz zahlreiche Konflikte.

Eine Anti-Bären-Front hat sich formiert: Bauern und Viehzüchter klagen über Attacken auf ihre Schafe, Imker fürchten um ihre Bienenstöcke, und die rechte Lega Nord sieht das Tourismusgeschäft bedroht. Vergangenes Jahr wurden in der Provinz Trient allein 185 von Bären verursachte Schäden angezeigt.

Das größte Problem ist jedoch, dass sich ab und zu auch Menschen und Bären ins Gehege kommen. Der Begriff „Problembär“ wurde schon vor mehr als zehn Jahren bekannt, als JJ1, genannt „Bruno“, wochenlang die deutschen und internationalen Medien beschäftigte. Der Bär war aus dem Trentino bis nach Bayern gewandert und nach 170 Jahren der erste, der sich in Deutschland in freier Wildbahn bewegte. Bruno riss Schafe und plünderte Kaninchen- und Hühnerställe.

Drei Wochen versuchte man vergeblich, ihn lebend zu fangen, dann wurde er erschossen. 2008 ereilte seinen Bruder JJ3 dasselbe Schicksal. Vor drei Jahren schließlich erregte der Tod der Bärin „Daniza“ in Italien Aufsehen. Die Mutter von zwei Bärenjungen hatte einen Pilzsammler mit Prankenhieben verletzt und sollte betäubt und umgesiedelt werden. Doch das Narkosemittel führte zum Herzstillstand.

Tier- und Umweltschützer argumentieren, dass Bären Menschen nur zur Selbstverteidigung angreifen. Daniza habe ihre Jungen schützen wollen. Die Bärin KJ2 habe den 69 Jahre alten Spaziergänger gebissen, nachdem der mit einem Stock auf sie losgegangen war. Italienische Umweltverbände, darunter der Tierschutzbund Enpa, nennen die Erschießung des Tiers ein Verbrechen und rufen zum Boykott der Region Trentino und ihrer Produkte auf. Legambiente wirft den Behörden Versagen vor. Es fehle eine Strategie für das Zusammenleben von Mensch und Bär. Der WWF Italien kündigte rechtliche Schritte an.

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