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Die Sternsinger schlüpfen in die Gewänder der Heiligen Drei Könige.

Sternsinger

Der Problem-König

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Bei den Sternsingern sind schwarz geschminkte Kinder Tradition. Stellt sich die Frage: Gut gemeint oder rassistisch?

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg / Führ uns zur Krippe hin, zeig, wo sie steht …“ Die Kinder, die diese Zeilen des wohl bekanntesten Sternsingerliedes am Sonntag singen werden, wollen zu keiner Krippe ziehen, sondern von Haus zu Haus.

Sie werden Geld sammeln für Kinder mit Behinderungen in Peru, wie es das dahinterstehende Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in diesem Jahr festgelegt hat. Die katholische Aktion heißt Dreikönigssingen, weil sich die teilnehmenden Kinder dabei als jene drei Könige verkleiden, die der Legende nach zu Jesus an die Krippe zogen, einem Stern folgend, der ihnen den Weg nach Bethlehem wies.

Zur Tradition gehört vielerorts auch, dass eines der Kinder im Gesicht schwarz geschminkt ist. Schließlich wurde der spärliche biblische Beleg, der nichts von Heiligen, nichts von drei und auch nichts von Königen verlauten lässt, im Laufe der Christentumsgeschichte reichhaltig ausgeschmückt: Aus den mit Gold, Weihrauch und Myrrhe bepackten „Magiern“ im biblischen Wortlaut wurden irgendwann die „Heiligen Drei Könige“.

„Seit dem achten Jahrhundert gibt es künstlerische Darstellungen, die einen schwarzen König zeigen. Das ist ein schönes Symbol dafür, dass die Heiligen Drei Könige für die ganze Welt, für die damals bekannten Erdteile stehen und eben auch einer der Könige aus Afrika kommt“, sagt Prälat Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks, der FR.

Verschüttgegangen sein mag heute die dahinterstehende Botschaft, dass sich selbst die „weltlich-heidnischen“ Herrscher der damals bekannten Welt zum „König der Juden“ bekehren. Was heute vielmehr anstößt, ist die Tatsache, dass sich weiße Kinder als Schwarze maskieren.

Denn auch das hat eine Tradition, die jedoch herzlich wenig mit Kirche oder Kindern zu tun hat: Mithilfe des „Blackfacings“, der aufgemalten Gesichtschwärze also, trat etwa der US-amerikanische Komiker Thomas D. Rice im 19. Jahrhundert als seine Figur Jim Crow auf und stellte so in seinen sogenannten Minstrel Shows den stereotypen Afroamerikaner dar.

„Blackfacing galt der Unterhaltung eines weißen Publikums, das sich an den eigens konstruierten rassistischen Stereotypen über schwarze Menschen ergötzte“, sagt Josephine Apraku vom Berliner Institut für diskriminierungsfreie Bildung auf FR-Anfrage. „Diesem als ‚Humor‘ verkleideten Rassismus kam folglich die Aufgabe zu, die Ausbeutung und Unterdrückung schwarzer Menschen zu legitimieren.“ Auch mit Blick auf die Kostümierung als schwarzer Caspar, der in dem Königstrio neben Melchior und Balthasar typischerweise den Repräsentanten aus Afrika verkörpert, steht für Apraku fest: „Eine solche Praxis zu verteidigen und aufrechtzuerhalten, bedeutet an rassistischen Strukturen festzuhalten.“

Prälat Klaus Krämer verteidigt dagegen das Auftreten der Sternsinger mit schwarzgefärbtem Gesicht: „Wir sehen das nicht als Diskriminierung, sondern als ein deutliches Zeichen der Wertschätzung. Wenn jemand als König auftritt, wird ihm eine hohe Würde zugesprochen. Dies ist eine Botschaft, die keinesfalls rassistisch begründet ist“, sagt er.

Manche Gemeinde führe diese Tradition „in guter Absicht“ fort, so Krämer. Auf der Webseite der Sternsinger heißt es dazu: „Wenn ein schwarz geschminkter Sternsinger durch ein Dorf oder den Stadtteil zieht, soll das zum Ausdruck bringen, dass die Weihnachtsbotschaft damals wie heute für alle Menschen gilt, ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben.“

Für Krämer komme so auch „die Globalität der Sternsingeraktion“ zum Ausdruck. „Dabei hat das ‚Blackfacing‘ nichts mit dem Sternsingen zu tun“, schreibt die Aktion auf ihrer Webseite.

„‚Gute‘ Absichten“, meint Apraku indes, „vermögen den Bezug zur rassistischen Vergangenheit und Gegenwart dieser Praxis nicht aufzuheben.“ Die österreichische Jungschar, die im Nachbarland die Sternsingeraktion ausrichtet, stellt heraus, dass die Zuschreibung von bestimmten Hautfarben zu bestimmten Kontinenten – „Du bist schwarz, du kommst aus Afrika!“ – „gängige Klischees verstärken“. Diese seien „nicht mehr zeitgemäß“.

„In einer globalisierten Welt, in der in jedem Land der Welt Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe leben, sind solche Zuordnungen falsch“, heißt es. Entsprechend will die Jungschar das Schminken auch als ein „Zeichen der Solidarität gegenüber Menschen mit anderen Hautfarben“ verstanden wissen, das dafür stehe, „dass alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, gleiche Rechte und Würde besitzen“.

Dennoch gebe es auch in Österreich keine Vorschriften, dass sich sternsingende Kinder zum schwarzen König schminken lassen müssen. Das wird in den Pfarreien vor Ort entschieden, ebenso wie auch in Deutschland, sagt Krämer: „Letztlich entscheiden die Sternsingergruppen vor Ort selbst, ob sie Kinder schminken oder nicht.“

Dem Vernehmen nach werden das ohnehin immer weniger. Berichten zufolge allerdings nicht aus ideellen, sondern eher aus alltagspraktischen Gründen: weil die schwarze Schminke so schwer abgeht, das Kostüm verschmiert oder Kinder allergisch reagieren. Und wird ein ungeschminktes Trio allzu oft an der Haustüre auf den fehlenden „schwarzen König“ angesprochen, wird die Diskussion 2020 wohl weitergehen.

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