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Haben Probiotika eine positive Auswirkung auf die Gesundheit? Experten klären auf

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Von: Alina Schröder

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Probiotika sollen die Gesundheit fördern und den Darm ins Gleichgewicht bringen. Fachleute decken den wahren Nutzen der Bakterien auf. (Symbolbild)
Probiotika sollen die Gesundheit fördern und den Darm ins Gleichgewicht bringen. Fachleute decken den wahren Nutzen der Bakterien auf. (Symbolbild) © Imago

Probiotika gelten als natürliche Alleskönner, die die Gesundheit fördern sollen. Doch halten die Bakterienkulturen wirklich, was sie versprechen?

Frankfurt – Wenn es um das Thema Darmgesundheit geht, stehen Probiotika bei vielen Menschen ganz oben auf der Liste. Sie werden als wahre Alleskönner verkauft, die eine gesunde Darmflora bewirken, das Immunsystem stärken und die Konzentration verbessern sollen.

Inzwischen boomt der Probiotika-Markt, da die Nachfrage nach den speziellen Bakterienkulturen steigt. Doch halten Probiotika wirklich, was sie versprechen? Fachleute und Verbraucherzentralen treffen klare Aussagen.

Probiotika sollen Gesundheit und Darmflora fördern: Experten mit klarer Einschätzung

Zunächst gilt es zu klären, was sich hinter Probiotika verbirgt. Probiotika sind Zubereitungen von natürlich vorkommenden Mikroorganismen, die unter anderem in einigen Milchprodukten enthalten sind. Diese sollen die Darmbakterien in ein Gleichgewicht bringen und somit helfen, das Wachstum der Bakterien im Dickdarm zu fördern und das Immunsystem zu stärken. Ein stabiles Immunsystem kann darüber hinaus beim Abnehmen hilfreich sein.

In folgenden Lebensmitteln kommen Probiotika natürlich vor:

Die speziellen Darmbakterien können aber auch in Form von Kapseln oder Pulver konsumiert werden. Probiotika müssen allerdings von den sogenannten Präbiotika unterschieden werden. Bei Präbiotika handelt es sich nicht um lebende Bakterien. Vielmehr sind es bestimmte Lebensmittel oder Präparate, die als ballaststoffreiche Nahrungsmittelgrundlage die natürlichen Mikroorganismen fördern. Dazu zählen unter anderem Flohsamenschalen oder Haferflocken.

Gesundheit und Ernährung: Was bewirken Probiotika wirklich? Fachleute klären auf

So gut die positive Wirkung von Probiotika klingt, ist diese jedoch noch umstritten. „Es gibt keine Belege dafür, dass Lebensmittel mit speziellen Bakterienkulturen die Gesundheit positiv beeinflussen“, heißt es auf der Website der Verbraucherzentrale Bayern. Wie die Verbraucherzentralen berichten, seien alle überprüften Aussagen zu Probiotika von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bislang negativ bewertet worden. Somit darf diese als gesundheitsbezogene Angabe auf Nahrungsmitteln nicht verwendet werden. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs gilt das auch für Babynahrung.

Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2018 zur Wirksamkeit von Probiotika wollten Forschende herausfinden, ob sich die Mikroorganismen überhaupt im Darm ansiedeln – und wenn ja, welchen Einfluss sie haben. „Wissenschaftliche Daten dazu sind rar und zum Teil sehr widersprüchlich“, sagte Eran Elinav vom Weizmann Institute of Science im israelischen Rehovot gegenüber dem Nachrichtenportal wissenschaft.de.

Studie zeigt: Probiotika ohne großen Einfluss auf die Gesundheit

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führten demnach bei 15 Probandinnen und Probanden Darmspiegelungen durch und entnahmen zudem Proben. Anschließend wurden die Teilnehmenden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die eine bekam ein herkömmliches Probiotikum und die andere ein Placebo. Nach zwei Monaten Beobachtung stellten die Forschenden schließlich fest, dass sich die Mikroorganismen bei einigen Menschen erfolgreich ansiedelten, bei anderen wiederum nicht. Das war laut den Ergebnissen der Studie unter anderem von den verschiedene Magen-Darm-Trakten abhängig.

„Unsere Arbeit zeigt, dass der Nutzen probiotischer Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel nicht so universell ist wie gedacht“, sagte Eran Segal, der zusammen mit Elinav die Studie durchführte. In verschiedenen Studien fanden Fachleute jedoch heraus, dass Probiotika beim Abnehmen helfen können*.

Gesundheit: Das sollte bei der Einnahme von Probiotika beachtet werden

In der Regel sind Probiotika unbedenklich. Besonders nach der Einnahme von Antibiotika, die die Darmflora beeinträchtigt, werden diese oftmals eingesetzt. Dennoch sollten Immungeschwächte sowie Menschen mit Erkrankungen des Verdauungstraktes, beispielsweise Morbus Crohn, Colitis oder Darmkrebs, die Einnahme mit einem Arzt zunächst abklären.

Für viele Menschen darf Salz in der Küche nicht fehlen. Doch Vorsicht: Zu viel Salz kann der Gesundheit massiv schaden.

Besonders wird Babynahrung mit dem Zusatz spezieller Bakterienkulturen beworben, die die Gesundheit von Säuglingen fördern soll. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge lässt sich aus den bisher verfügbaren Daten allerdings kein gesundheitlicher Nutzen erkennen. Aus diesem Grund steckt hinter den vielversprechenden Probiotika wohl hauptsächlich gutes Marketing. (as) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

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