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Prinzessin Amalia: Zu viel Normalität gewagt

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Von: Peter Riesbeck

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Kronprinzessin Amalia zu Beginn ihres Studiums in Amsterdam.
Kronprinzessin Amalia zu Beginn ihres Studiums in Amsterdam. © dpa

Die niederländische Prinzessin Amalia gibt sich nahbar, seit Kurzem lebt und studiert sie in Amsterdam. Nach einer geplanten Entführung wird sie wohl wieder im Palast wohnen müssen.

Die Ansage war deutlich: „Unsere Dienste arbeiten Tag und Nacht, um die Sicherheit von Prinzessin Amalia zu schützen“, sagte die niederländische Justizministerin Dilan Yesilgöz am Wochenende. Zuvor hatte das niederländische Königspaar in einer Videobotschaft die Bedrohung ihrer ältesten Tochter öffentlich gemacht. „Sie kann das Haus nicht mehr verlassen. Das hat enorme Folgen für ihr Leben“, sagte Königin Maxima, König Willem Alexander stand daneben und nickte. Die niederländische Thronfolgerin Prinzessin Amalia, 18, wird von Entführern bedroht.

Dabei war alles anders gedacht. Im vergangenen Monat hatte Amalia, Prinzessin von Oranien und der Niederlande, ihr Studium der Psychologie, Politik- und Staatswissenschaften aufgenommen. Im belebten Amsterdam, nicht wie in der königlichen Familie üblich im niedlichen Universitätsstädtchen Leiden. Ein Wohnhaus wurde angemietet, malerisch an einer Gracht gelegen, mitten in der Metropole. Ein Symbol: Die künftige Königin gibt sich nahbar.

Schon zuvor hatte Amalia Eigenständigkeit bewiesen. Auf die jährliche Apanage von rund 1,6 Millionen Euro verzichtet sie weitest gehend. Über depressive Verstimmungen und Bodyshaming hatte sie schon als Jugendliche gesprochen. „Jahrelange habe ich mich in den Schlaf geweint“, bekannte sie im vergangenen Jahr kurz vor ihrem 18. Geburtstag.

Das Studium und das Leben in Amsterdam war ein bewusster Versuch, mehr Normalität zu wagen. Oder was davon möglich ist, bei vier Sicherheitsleuten als Begleitung auf dem Weg mit dem Fahrrad zum Hörsaal. Schon die bloße Idee ist nun dahin. Amalia verlässt den königlichen Palast in Den Haag nur noch über Seiteneingänge, das Studium erfolgt zum größten Teil über Zoom. Wie bei so vielen der Generation Corona. „Das sind Fragen, auf die ich nicht näher eingehen kann. Nicht auf die Art der Bedrohungen und auch nicht über spezifische Sicherheitsmaßregeln“, gab sich auch Ministerin Yesilgöz verschlossen.

Die Zeitung „De Telegraaf“ hatte bereits vor Wochen über mögliche Entführungspläne berichtet. Sie richteten sich gegen den niederländischen Regierungschef Mark Rutte und die Kronprinzessin. Nun wurden ernste Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Die Drogenmafia soll hinter den Plänen stecken. „Wenn die Bedrohung aus dieser Ecke kommt, muss man das ernst nehmen“, sagte der Kriminologe Emile Kolthoff im TV-Interview und ergänzte: „Die Anschläge auf Anwalt Derk Wiersum und Journalist Peter R. de Vries haben gezeigt, was möglich ist.“

Wiersum war 2019 ermordet worden, de Vries im vergangenen Jahr. Beide engagierten sich bei der Aufklärung von Verbrachen des Drogenkartells von Ridouan Taghi. Taghi sitzt derzeit im Gefängnis. Spekulationen über Befreiungsversuche machten immer wieder die Runde. Nun herrscht die Vermutung, die Thronfolgerin sollte entführt und erst im Austausch gegen den Kartellboss freigelassen werden. „Der Punkt dieser Art von Bedrohung ist: Man weiß nie, wann es vorüber ist“, erläutert Kriminologe Kolthoff das Kalkül der Kriminellen.

Justizministerin Yesilgöz gibt sich hingegen entschlossen. „Sicherheit ist Freiheit. Die Freiheit, Du selbst zu sein“, sagte sie am Wochenende. Die Ausgaben für den Kampf gegen die organisierte Kriminalität in den Niederlanden sollen ansteigen von 40 Millionen Euro 2023 auf jährlich 100 Millionen Euro im Jahr 2025. „Unser Land ist leider ein wichtiger Umschlagsplatz im internationalen Drogenhandel – mit ernsthaften Folgen“, heißt es in Yesilgöz Vorlage für das Parlament. Der Kampf gegen die organisierte Kriminalität kommt nun ganz oben an in den Niederlanden. Yesilgöz: „Die Folgen sind schrecklich. Zu allererst für die Prinzessin.“

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