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Prinz Andrew weist Vorwürfe zurück und betreibt mutmaßlich Victim Blaming

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Von: Delia Friess

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Prinz Andrew muss sich in einem Prozess in den USA Missbrauchsvorwürfen stellen. Jetzt bezeichnet er das mutmaßliche Opfer als selbst schuldig.

New York/London – Wegen des Verdachts des Missbrauchs muss sich der zweitälteste Sohn der Queen, Prinz Andrew, vor Gericht in den USA verantworten. Die Klägerin Virginia Giuffre wirft dem Prinz aus Großbritannien vor, sie als Minderjährige mehrfach missbraucht zu haben. Sie gibt an, Opfer eines von dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein und dessen Ex-Freundin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Dabei soll sie auch an Prinz Andrew vermittelt worden sein.

Prinz Andrew weist Vorwürfe zurück: Mutmaßliches Opfer sei selbst schuldig

Prinz Andrew soll Berichten zufolge jahrelang mit Ghislaine Maxwell befreundet gewesen sein. Epstein nahm sich 2019 in Untersuchungshaft das Leben. Seiner Ex-Freundin wird vorgeworfen, den Missbrauchsring mit aufgebaut zu haben. Sie wurde vor kurzem von einem Gericht in einem US-Strafverfahren in mehreren Punkten schuldig gesprochen und muss mit einer langen Haftstrafe rechnen.

Ein undatiertes Foto von Prinz Andrew und dem mutmaßlichen Opfer. Im Hintergrund ist Ghislaine Maxwell zu sehen: Sie wurde vor kurzem von einem Gericht in einem US-Strafverfahren in mehreren Punkten schuldig gesprochen und muss mit einer langen Haftstrafe rechnen.
Ein undatiertes Foto von Prinz Andrew und dem mutmaßlichen Opfer. Im Hintergrund ist Ghislaine Maxwell zu sehen: Sie wurde vor kurzem von einem Gericht in einem US-Strafverfahren in mehreren Punkten schuldig gesprochen und muss mit einer langen Haftstrafe rechnen. © AFP PHOTO / UNITED STATES DISTRICT COURT

Klägerin wirft Prinz Andrew vor, sie als Minderjährige mehrfach missbraucht zu haben

Prinz Andrew bestreitet die Vorwürfe weiterhin. In einem vor einem Bundesgericht in Manhattan eingereichten Dokument werden elf Gründe aufgelistet, warum die Zivilklage abgewiesen werden sollte. Unter anderem wird behauptet, die zum Tatzeitpunkt 17-jährige Klägerin Giuffre habe sich selbst schuldig gemacht. Die Anwälte von Giuffre wiesen dies zurück: „Wir freuen uns darauf, Prinz Andrew bei seiner Vernehmung und im Prozess mit seinem Leugnen (der Vorwürfe, Anm. d. Red.) und den Versuchen, Frau Giuffre für ihren Missbrauch verantwortlich zu machen, zu konfrontieren“, teilte der Anwalt des mutmaßlichen Opfers mit.

Die Vorfälle, um die es geht, und die dem heute 61-Jährigen vorgeworfen werden, liegen rund zwanzig Jahre zurück. Damals war Prinz Andrew um die 40 Jahre, sein mutmaßliches Opfer 17 Jahre. Auch Fotos von Andrew mit dem mutmaßlichen Opfer und Maxwell existieren.

Prinz Andrew bestreitet Missbrauchvorwürfe: Queen ging zuletzt auf Distanz

Ob es Prinz Andrew im Jahr des Platin-Thronjubiläums seiner Mutter Queen Elizabeth II. (95) tatsächlich auf einen Prozess ankommen lassen will, sei unklar: Eine außergerichtliche Einigung sei noch nicht ausgeschlossen, merkte US-Rechtsexperte Neama Rahmani gegenüber der dpa an. Giuffre klagt auf Schadenersatz in unbestimmter Höhe.

Den Äußerungen Giuffres nach zu urteilen, könnte es sein, dass sie sich nicht mit einer Geldzahlung dazu bringen lassen wird, die Klage fallen zu lassen. „Mein Ziel war immer, zu zeigen, dass die Reichen und Mächtigen nicht über dem Gesetz stehen und zur Verantwortung gezogen werden müssen“, schrieb sie kürzlich auf Twitter.

Prinz Andrew und das mutmaßliche Opfer Virginia Giuffre.
Prinz Andrew und das mutmaßliche Opfer Virginia Giuffre. © Steve Parsons and Ben Gabbe / various sources / AFP

Prinz Andrew: Mutmaßliches Opfer, will „zeigen, dass Mächtige nicht über dem Gesetz stehen“

Auch die Queen ging zuletzt auf Distanz zu ihrem Sohn, nachdem ihr ältester Sohn Prinz Charles und ihr Enkel Prinz William, dem Bruder von Prinz Harry, sich um das Ansehen des Königshaus gesorgt haben sollen: Die Queen entzog Andrew auch seine militärischen Dienstgrade und auf die Anrede „Königliche Hoheit“ muss er verzichten. Andrew werde sich in dem US-Prozess als privater Bürger verteidigen und weiterhin keine öffentlichen royalen Aufgaben mehr übernehmen, teilte der Buckingham-Palast Mitte Januar mit. (df/dpa)

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