„Goldgräberstimmung“: Club-Rechnung zeigt, wie günstig Cannabis sein könnte
Die ersten Cannabis-Anbauvereine werben um Mitglieder. Ein Gramm Gras könnte teurer werden als auf dem Schwarzmarkt. Das muss nicht sein, zeigt ein Verein in NRW.
Zwischen vier und zwölf Euro – so hoch könnten die Preise in etwa in Cannabis-Clubs sein. Manuel Nilsson, Vorstand des Cannabis-Clubs „Alsdorfer Lunte“ findet das zu viel. „Bei den Cannbis-Clubs herrscht eine absolute Goldgräberstimmung“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.
„Wir haben eine Kostenkalkulation fertig“, sagt Nilsson. Umgerechnet zwei Euro soll das Gramm Cannabis für Mitglieder seines Clubs in Nordrhein-Westfalen kosten. Damit will er Cannabis-Patienten helfen und sauberes Gras in Umlauf bringen. Denn: „Es ist unrealistisch zu erwarten, dass alle, die vorher gekifft haben, plötzlich gesetzestreu werden.“
Rechnung von Cannabis-Club zeigt: Neun Kilo Cannabis kosten in etwa 7500 Euro
Der Cannabis-Club in Alsdorf startet zunächst mit ein bis zwei Anbaukammern. Eine neue Anbaukammer werde hinzugefügt, sobald der Verein um 60 Mitglieder wachse. Die Anbaukammer ist 18 Quadratmeter groß. Mit dieser Anbaufläche möchte der Verein mindestens 60 Mitglieder monatlich mit 50 Gramm Cannabis versorgen. „Wir haben uns an wissenschaftlichen Ergebnissen angelehnt, aber am Ende entscheidet auch unser Handwerk“, erklärt Nilsson.

Bei einer Anbauzeit von etwa drei Monaten und einem Strompreis von 0,31 Cent/Kilowattstunde rechnet der Anbauverein mit etwa 3000 Euro Stromkosten pro Ernte einer Kammer. Dazu kommen Miete, der Lohn der Growmasterin, Nährstoffe, Samen und Versicherung. Das ergebe Gesamtkosten von etwa 7500 Euro für neun Kilo Cannabis, also etwa 0,8 Euro pro Gramm.
Mitglieder im Cannabis-Club müssen monatlich 99 Euro für 50 Gramm Cannabis bezahlen. Der Verein kommt so auf 18.000 Euro Mitgliedsbeiträge von den 60 Mitgliedern. Davon muss eventuell noch Mehrwertsteuer gezahlt werden, denn die „Teil-Legalisierung hat ja nicht stattgefunden, weil die Regierung die Leute liebt, sondern die wollen das Geld“, sagt Nilsson BuzzFeed News Deutschland.
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Cannabis-Clubs sollen Schwarzmarkt „ausräuchern“
Zu den Produktionskosten kommen noch Kosten für einen Sicherheitsdienst, Einmalkosten für Kameras, einbruchssichere Türen und Fenster und eine Abgabestelle. Und trotzdem könne sein Verein noch etwas auf die Seite legen. „Ich finde es deshalb schwer zu argumentieren, dass man zehn Euro pro Gramm von den Mitgliedern nehmen soll“, sagt der Vorstand der Alsdorfer Lunte BuzzFeed News Deutschland.
Er versteht es als Auftrag der Cannabis-Clubs, den Schwarzmarkt „auszuräuchern“. Mit Preisen, die teilweise über dem Niveau auf dem Schwarzmarkt liegen, funktioniert das nicht. In der Alsdorfer Lunte zahlen die Mitglieder jeden Monat 99 Euro für künftig 50 Gramm Cannabis. Liegt es da nicht nahe, dass die Mitglieder das Cannabis, das sie nicht selbst verbrauchen, weiterverkaufen?
Cannabis-Dealer (hier äußert sich einer zur Cannabis-Legalisierung) finanzieren häufig ihren eigenen Konsum mit dem Verkauf, sagt Nilsson. Der Verein will nicht beim Dealen unterstützen, aber: „Selbst wenn einer 30 Gramm raucht und 20 Gramm für 99 Euro vertickt, hättest du immer noch 20 Gramm, die sauberer sind als vorher. Wir reden nicht von abstrusen Mengen und derjenige hat auch keinen Zugriff mehr auf die härteren Sachen. Der Verein kann durch die soziale Gemeinschaft dabei unterstützen, die Dealer auf den rechten Pfad zu bringen.“