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Klotzen gerne: Emine und Recep Erdogan mögen’s großzügig.

Türkei

Der Präsident und die Abrissbirne

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Fünf Swimmingpools, zwei Tennisplätze, ein Heliport: Erdogan lässt neuen Sommersitz bauen.

Bei Marmaris an der türkischen Ägäisküste entsteht ein Sommerpalast für Staatschef Recep Tayyip Erdogan. Weil er keinen Gefallen an dem Bau findet, lässt er jetzt angeblich Teile davon abreißen und neu errichten, so der Vorwurf des Oppositionspolitikers Muharrem Erkek. Er will das Parlament einschalten.

Der türkische Präsident Erdogan stammt aus einfachsten Verhältnissen. Er wuchs im ärmlichen Istanbuler Hafenviertel Kasimpasa auf, verkaufte auf den Straßen Limonade und Sesamkringel. Als Staatsoberhaupt hat Erdogan allerdings einen ausgeprägten Hang zum Luxus entwickelt. Davon zeugt nicht nur der Ak Saray, der Weiße Palast, den er sich für fast eine halbe Milliarde Euro als Amtssitz in Ankara errichten ließ – mit 1150 Räumen vier Mal so groß wie das Schloss von Versailles. An der malerischen Bucht von Okluk an der Ägäisküste wird denn auch seit drei Jahren an einem überaus großen Sommerpalast für Erdogan gebaut.

Schon Turgut Özal, der von 1989 bis 1993 Staatspräsident war, hatte Gefallen an Okluk gefunden. Er ließ dort ein Sommerhaus mit vier Schlafzimmern errichten. Erdogan möchte es ein paar Nummern größer. Satellitenaufnahmen von der Baustelle zeigen mehrere große Gebäudekomplexe, fünf Swimmingpools, zwei Tennisplätze und einen Heliport mit drei Landeplätzen für Hubschrauber. Vier Meter hohe Mauern aus Beton umgeben das Gelände. Statt vier Zimmer, wie zu Özals Zeiten, hat die Residenz jetzt nach Presseberichten 300 Räume.

Aber offenbar entsprach der Palast nicht in allen Punkten dem Geschmack des Hausherrn. Das jedenfalls sagt Muharrem Erkek von der Oppositionspartei CHP. Nach seinen Informationen sollen jetzt Teile des Komplexes, der bereits umgerechnet rund 55 Millionen Euro verschlungen hat, wieder abgerissen und nach Erdogans Vorgaben neu gebaut werden, berichtete Erkek der Zeitung „Cumhuriyet“. Der Abgeordnete verlangt eine parlamentarische Untersuchung. Erkek will unter anderem Auskunft darüber, welche Kosten der Abriss und Neubau verursachen.

Der CHP-Politiker Akin Üstündag hält das ganze Bauvorhaben sogar für illegal, weil es sich bei der Gegend um ein Naturschutzgebiet handelt. Das überrascht eigentlich nicht. Schon seinen Amtssitz in Ankara ließ Erdogan in einem Waldgebiet bauen, das unter Naturschutz stand.

Als das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei deswegen einen Baustopp verhängte, verhöhnte Erdogan die Richter: Sie könnten ja kommen und das Gebäude abreißen. Für den Sommerpalast und die Zufahrtsstraßen seien 50 000 Bäume gefällt worden, berichten oppositionsnahe Medien. Die Umweltschutzinitiative von Mugla (Mucep) befürchtet außerdem Schäden für das marine Ökosystem, weil in der Bucht künstliche Sandstrände aufgespült wurden.

Neben dem Ak Saray in Ankara und einem Amtssitz am Bosporus in Istanbul wird der Sommersitz die dritte Erdogan-Residenz. Dabei soll es aber nicht bleiben. Am Van-See in der Osttürkei will Erdogan einen vierten Palast bauen lassen.

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