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Powerlook für Krisenzeiten

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Von: Sandra Danicke

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Seien Sie stark: Die Schulterpolster sind wieder da.

Wahrscheinlich ist es wie immer: Erst rümpfen alle die Nase, empören sich und schwören (!), dass sie diesen Mist niemals, also wirklich unter gar keinen Umständen mitmachen würden. Nach ein paar Monaten tragen es doch wieder alle. So war es mit Leggins und Pumphosen, so wird es auch mit den Schulterpolstern sein. Man hatte schließlich lange genug Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Seit vor Jahren das modische Revival der Achtziger beschworen wurde, dräute das Comeback der Schaumgummi-Schultern wie ein drohender aber unaufhaltsamer Taifun am Horizont.

Während allerdings Neonfarben und asymmetrische Shirts nach einer kurzen Phase der Missachtung als das Unvermeidliche akzeptiert wurden, machte man um Schulterpolster zunächst einen großen Bogen. Schulterpolster führten ein Schattendasein in schlecht ausgestatteten Second-Hand-Shops und Dorfboutiquen für Frauen über siebzig.

Zu gruselig schien die Erinnerung an Krystle Carrington, Sue Ellen Ewing oder Popsängerinnen wie Sandra und C.C.Catch, die in den Achtzigern mit brikettgroßen Einlagen und voluminös toupierten Fönfrisuren die Fernseh-Bildschirme beherrschten. Undenkbar schien, dass so etwas jemals wieder auf einem Laufsteg zu sehen sein könnte.

Doch jetzt hat die Rezession dem Powerlook zugearbeitet. Harte Zeiten erfordern kantige Silhouetten und da kommt das Schulterpolster gerade recht. Preisboxerumrisse wie sie Daryl Hannah im Film "Wall Street" oder Grace Jones in "Im Angesicht des Todes" zur Schau trugen, sind, glaubt man führenden Designern, gefragter denn je, weil sie uns tough und unbesiegbar erscheinen lassen.

Wer heute einen heiklen Geschäftstermin, ein Bewerbungsgespräch oder ein Treffen mit einem Kreditinstitut zu absolvieren hat, tut gut daran, sich mit Schulterpolstern die Aura des beinharten Kämpfers zuzulegen. Fündig wird man beispielsweise bei den Kreationen des koreanischen Designers Lie Sang Bong. Seine Mäntel verwandeln ihre Trägerin in einen Schrank. Zierlichere, spitze Varianten hat Christophe Decarnin für Balmain entworfen.

Wenngleich die ein wenig so aussehen, als habe der Designer sie bei irgendeiner außerirdischen Spezies aus "Star Wars" geklaut. Jean-Paul Gaultier wiederum lässt Schulterpolster in Spencerjäckchen nähen und Louis Vuitton , so scheint es zumindest, Frauen alte Herren-Blazer auftragen, die seit 25 Jahren im Schrank verstauben. Auch Miss Sixty, Diane von Furstenberg oder Jason Wu setzen auf den Retro-Look, denn Frauen sollen in dieser Saison nicht mehr mädchenhaft, sondern stark aussehen. Sie sollen sich selbst beschützen können.

Wobei nicht wirklich auszuschließen ist, dass auch die Männer künftig mit Miami-Vice-Schultern ausstaffiert werden. Fehlt bloß noch, dass sie die Ärmel hochkrempeln wie seinerzeit Sonny Crockett.

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