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Donald Trump und Kanye West bei ihrem letzten dokumentierten Treffen im Jahr 2016. Der eine war noch nicht ganz Präsident, der andere wollte es damals schon werden.

Donald Trump trifft Kanye West

Der Popstar und sein Präsident

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Kanye West ist zu Besuch bei Donald Trump. Taylor Swift unterstützt die Demokraten. Die US-Pop-Industrie bläst zum Wahlkampf. Halali!

Seine Frau war ja schon da: Kim West-Kardashian, aktuell Trash-TV- und davor Amateurporno-Star, ganz früher (und immer noch) Tochter von Robert Kardashian, der wiederum Anwalt war von O.J. Simpson, derzeit wieder raus aus dem Gefängnis, davor war er Footballstar und dazwischen mutmaßlicher Mehrfachmörder.

Und jetzt kommt Kardashians Ehemann vorbei: Kanye West, Rapmusiker, Modedesigner und selbsterklärter Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2024, was inzwischen gar nicht mehr so absurd wie noch vor zwei Jahren klingt.

Er soll laut der New York Times den US-Präsidenten Donald Trump persönlich treffen, dem solche Meetings sicher weit mehr Freude bereiten dürften als Briefings über zu geringe Budgets beim Katastrophenschutz oder die Situation in Afghanistan. Neben Trump wird West laut New York Times auch mit Jared Kushner sprechen, dem Berater und Schwiegersohn des Präsidenten. Kanyes Pressestelle hat das Treffen bereits bestätigt, aus dem Weißen Haus wiederum hat sich niemand dazu geäußert.

Donald Trump und Kanye West gemeinsam im Trump Tower

Trump und West verbindet seit längerem eine lose Freundschaft. Zuletzt hatte man sich im Trump Tower zu New York getroffen, im Winter 2016, nachdem Trump gewählt und bevor er zum Präsidenten ernannt wurde. Seitdem tauschen beide immer mal wieder Nettigkeiten via Twitter aus.

Thank you to Kanye West and the fact that he is willing to tell the TRUTH. One new and great FACT - African American unemployment is the lowest ever recorded in the history of our Country. So honored by this. Thank you Kanye for your support. It is making a big difference!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump)

10. August 2018

West, der aktuell nur noch „Ye“ genannt werden will, hatte seine Begeisterung für Trump vor kurzem mal wieder kundgetan. Nach einem Auftritt bei Saturday Night Live, einer linksliberalen Comedyshow, ließ „Ye“ sich bei einer Rede filmen, in der er Donald Trump verteidigte und die schon ikonographische rote Trucker-Cap Trumps mit dem Schriftzug „Make America Great Again“ trug.

West beklagte sich im Anschluss, er sei von Angestellten der Comedyshow gedrängt worden, die Kappe nicht auf der Bühne zu tragen, und darüber, während seines Auftritts vom Publikum ausgebuht worden zu sein. Von den Republikanern und den konservativen Medien wurde er dagegen gefeiert. Kommentatoren auf Fox News preisten seinen Mut und erhoben ihn zu einem Kämpfer für freie Meinungsäußerung und gegen das liberale Diktat aus Hollywood.

Team Trump: Gene Simmons, Denis Rodman, Clint Eastwood

Tatsächlich gehört West zu einem der wenigen Vertreter der US-Unterhaltungsbranche, die für das Team Trump auflaufen. Gene Simmons von der Rockfolklore-Band „Kiss“ gehört dazu genau wie Basketball-Blödel und Kim Jong Uns Best Buddy, Denis Rodman und Schwergewichtsboxer-Legende Mike Tyson. Selbstverständlich auch die konservativen Klassiker: NRA-Maskottchen Clint Eastwood, Wrestlingstar Hulk Hogan und Südstaaten-Hillbilly Kid Rock.

Doch die Gegner Trumps in Hollywood und den angrenzenden Branchen sind zahlreicher und seit kurzem eine mehr. Taylor Swift, laut dem britischen Guardian der „weltgrößte Popstar“, hatte sich vor kurzem gegen Donald und für die Demokraten ausgesprochen. Ihr politisches Statement hatte weder dem Präsidenten gefallen, der Swifts Musik nach eigener Aussage jetzt „25 Prozent weniger gut“ findet, noch denselben Fox-Kommentatoren, die dasselbe Engagement bei West noch mutig und wichtig fanden.

Taylor Swift als „arische Gottheit“

Aber noch geschockter als Trump oder konservative Medien waren die Ultrarechten in den USA. Swift, die sich bislang mit politischen Stellungnahmen vornehm zurückgehalten hatte, war mit steigendem Ruhm ungefragt zur Ikone für viele Neonazis und Kukluxklan-Hauben geworden. Andrew Anglin, Gründer der nazistischen Hetz-Seite „Daily Stormer“, nannte sie einst eine „arische Gottheit“, die nur darauf warten würde, ihr Nazitum nach der Wahl Trumps publik zu machen, wenn es wieder sicher wäre, solche Statements zu posten. Bilder von ihr wurden mit Hitler-Zitaten versehen und ihre Liedtexte nach Andeutungen einer rechtsradikalen Agenda durchsucht.

I’m writing this post about the upcoming midterm elections on November 6th, in which I’ll be voting in the state of Tennessee. In the past I’ve been reluctant to publicly voice my political opinions, but due to several events in my life and in the world in the past two years, I feel very differently about that now. I always have and always will cast my vote based on which candidate will protect and fight for the human rights I believe we all deserve in this country. I believe in the fight for LGBTQ rights, and that any form of discrimination based on sexual orientation or gender is WRONG. I believe that the systemic racism we still see in this country towards people of color is terrifying, sickening and prevalent. I cannot vote for someone who will not be willing to fight for dignity for ALL Americans, no matter their skin color, gender or who they love. Running for Senate in the state of Tennessee is a woman named Marsha Blackburn. As much as I have in the past and would like to continue voting for women in office, I cannot support Marsha Blackburn. Her voting record in Congress appalls and terrifies me. She voted against equal pay for women. She voted against the Reauthorization of the Violence Against Women Act, which attempts to protect women from domestic violence, stalking, and date rape. She believes businesses have a right to refuse service to gay couples. She also believes they should not have the right to marry. These are not MY Tennessee values. I will be voting for Phil Bredesen for Senate and Jim Cooper for House of Representatives. Please, please educate yourself on the candidates running in your state and vote based on who most closely represents your values. For a lot of us, we may never find a candidate or party with whom we agree 100% on every issue, but we have to vote anyway. So many intelligent, thoughtful, self-possessed people have turned 18 in the past two years and now have the right and privilege to make their vote count. But first you need to register, which is quick and easy to do. October 9th is the LAST DAY to register to vote in the state of TN. Go to vote.org and you can find all the info. Happy Voting! ???

Ein Beitrag geteilt von Taylor Swift (@taylorswift) am Okt 7, 2018 um 4:33 PDT

Es kam anders. Swift schrieb auf Instagram, dass sie immer hinter dem „Kampf für die LGBTQ-Rechte“ gestanden hätte und dass „Ereignisse der vergangenen zwei Jahre“ sie dazu bewegt hätten, sich nun für die Wahl von demokratischen Kandidaten in ihrem Heimatstaat Tennessee bei den anstehenden Kongresswahlen im November auszusprechen. In hunderten Posts bedauerten User auf der bei Neurechten und Altnazis beliebten Internetseite 4chan den personellen Verlust für ihren politischen Kreuzzug. Manche witterten gar eine weitere Verschwörung der Liberalen, die entweder Swifts Instagram-Account gekapert oder die 27-Jährige gleich einer Gehirnwäsche unterzogen hätten. Auf dem Daily Stormer wird Swift von „der Wiedergeburt der Athena“ zur „Transsexuellen“ erklärt.

Neben dem Aufschrei bei den Nazis hat Swift mit ihrem Statement noch etwas anderes erreicht. Laut der überparteilichen Seite Vote.org haben sich kurz nach ihrem Post, indem Swift auf die Seite verwiesen hatte, innerhalb von 24 Stunden fast 65.000 neue Wählerinnen und Wähler für die Kongresswahlen am 06. November registriert. Die meisten davon in Tennessee, wo es laut Umfragen sehr eng zwischen Republikanern und Demokraten werden könnte.

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