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Gesellschaftsspiele sind nach wie vor populär und greifen derzeit auch aktuelle Trends auf.

"Game of Thrones" und "Star Wars"

Popkultur als Brettspielspaß

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Vor Weihnachten dominieren Neuerscheinungen, die in einen fremden Kosmos eintauchen: Kinofilme, TV-Serien, Bücher, Comics ? alles lässt sich "verspielen". Die FR stellt eine Auswahl vor.

Elefantenhochzeit: Das erfolgreichste Brettspiel der jüngeren Zeit, die „Siedler von Catan“, geht eine Kooperation ein mit der Serie „Game of Thrones“. Wurde früher schlicht das populäre Thema übergestülpt, so sollen heute die Inhalte der verschiedenen Welten zusammenpassen. Ein Spiel als beliebiges Merchandising-Produkt neben der Kaffeetasse oder dem T-Shirt mit Luke-Skywalker-Konterfei funktioniert nicht mehr.

„Wir suchen das Thema sehr gezielt aus. Uns ist es als Teil des ‚Catan‘-Teams wichtig, dass es einen spielerischen Mehrwert bietet“, sagt Chanel Volkmar vom Kosmos-Verlag. Neben der „Catan“-Hochzeit zeichnen die Stuttgarter auch für den zweiten Überflieger dieses Jahr verantwortlich. Parallel zu Ken Folletts Roman „Das Fundament der Ewigkeit“ ist das gleichnamige Spiel erschienen. Einst musste Spieleredakteur Wolfgang Lüdtke einen ziemlich skeptischen Ken Follett in einem Londoner Tearoom mit dem Prototypen des 2006 veröffentlichten „Die Säulen der Erde“-Spiels überzeugen. Diesmal aber sei das Follett-Büro auf Kosmos zugekommen, erzählt Volkmar.

Asterix und die „Mission Zaubertrank“

Überhaupt wird Zusammenarbeit großgeschrieben: So berichtet Andrea Stadler vom Vertrieb Hutter Trade, bei den „Bully“-Spielen habe Michael „Bully“ Herbig kräftig mitgewirkt: „Er war in alle Entscheidungsprozesse persönlich einbezogen.“

Wirtschaftlich spannend sind diese Lizenzen in doppelter Hinsicht für die Verlage. Peter Berneiser von Pegasus Spiele erklärt, ein Spiel mit einem populären Thema wirke in zwei Richtungen. Zum einen bedeute es „frische Impulse“ für die Fans des Spiels. „Zum anderen sprechen wir damit aber Menschen an, die bisher vielleicht noch gar nichts für Gesellschaftsspiele übrighatten.“ Wer Asterix mag, muss noch lange kein Fan von kooperativen Spielen sein. Doch die „Mission Zaubertrank“, die fast zeitgleich zu „Asterix“-Band 37 erschien, ist ein Einstieg in diese Spielform, bei der alle gemeinsam gegen das Spiel gewinnen wollen.

Für Robin de Cleur von Asmodee geht diese Ansprache an Nichtspieler noch weiter. Die Essener sind der deutsche Vertrieb zahlreicher „Star Wars“-Titel. „Skywalker-Fans können damit das Erlebnis in die fremde Welt hinein regelrecht verlängern“, so de Cleur. Anstatt nur Filme zu konsumieren, erleben sie „Star Wars“ „neu und interaktiv“. Gefechte gegen die Truppen des Imperators selbst inszenieren und zweibeinige Kampfläufermaschinen vom Brett würfeln: Das mag dem eher friedlich gesinnten deutschen Brettspieler etwas martialisch vorkommen – aber, mal ehrlich, worum sonst geht es in dieser Space-Opera?

Bewachte Siedlung
Wer „Die Siedler“ kennt, kann umstandslos ins Spielvergnügen einsteigen: Würfeln, Ressourcen sammeln, Dörfer, Städte und Straßen bauen – das kennen Catanier. Hinzu kommt aber: Die Hexfelder mit den Ertragszahlen stehen im Schutz einer großen Mauer. Die sichert das Land gegen den wilden Norden und ist bemannt mit Wächtern, der Bruderschaft der Nachtwache. Denn im Norden sammeln sich die wilden Völker und drohen, die Siedlungen zu überrennen.

Alte Catan-Fans erkennen das sofort wieder: Autor Klaus Teuber und sein Sohn Benjamin greifen damit eine der Erweiterungen auf: das historische Szenario „Die große Mauer“. Für die „Nachtwache“ wurde das Spielprinzip leicht variiert, insofern ist auch für Catanier, die schon alles kennen, ein neuer Aspekt dabei. Hervorzuheben ist die hochwertige Ausstattung mit den hoch aufragenden Mauerteilen sowie 160 durchgestalteten Miniaturen. Wermutstropfen: Das Spiel erscheint in einer limitierten Auflage und kostet 90 Euro.

Taktisch kämpfen
„Imperial Assault“ ist das, was in Spielerkreisen ein „Dungeon Crawler“ genannt wird: ein Rollen-, Computer- oder Brettspiel, bei dem sich die Akteure durch ein verschachteltes Raum- oder Gängesystem bewegen, dabei Gefahren meistern müssen und versuchen, Belohnungen einzukassieren. Thematisch passt das perfekt zur Welt von „Star Wars“. Ständig müssen sich Luke, Leia, Han Solo und Co. durch finsteren Kulissen schlagen, imperiale Truppen abwehren und am Ende Todessterne ausschalten.

„Imperial Assault“ bringt das geradezu gigantisch opulent mit teils riesigen Miniaturen aufs Spielbrett, jüngstes Szenario ist „Jabbas Palast“. Spieltechnisch gesehen tritt eine Gruppe, die Rebellen, gegen den imperialen Spieler an. Sie müssen ihr Tun gut koordinieren, um seine Sturmtruppen und all die anderen fantastischen Kreaturen, die man aus dem Star-Wars-Kosmos kennt, abzuwehren. Als taktisches Kampfspiel gestaltet, kommt es dabei vor allem darauf an, seine „Fähigkeit“ mit dem, was die Würfel hergeben, geschickt zu kombinieren. Spannend: Im nächsten Jahr soll es eine App geben, die den imperialen Spieler ersetzt – dann können alle gemeinsam gegen das Spiel agieren.

Schräger Wettlauf
Das „Bully“-Brettspiel ist ein klassisches Wettlaufspiel. Die bis zu acht Teilnehmer schlüpfen in die Rolle der Kasirskes, die sich im Trabi mit Spucky, Schrotty, Kork & Co. durch den Wilden Westen und das Alte Kaiserreich zur Filmpremiere kämpfen. Gesteuert wird der Wettlaufspaß nicht mit einem Würfel, sondern mit Karten. Ergibt Sinn – so können sich die schrägen Figuren aus den Herbig-Filmen voll austoben.

Wer sich also gerne als „Zipfelklatscher“ titulieren lässt und auf die Währungseinheit „Toupets“ steht, ist hier richtig. Noch intensiver wird der Spielspaß, wenn man die App einbindet, die sich Besitzer des Spiels kostenlos herunterladen können. Die Texte, sprich Spielanweisungen, hat Bully höchstpersönlich eingelesen.

Keks-Jagd
Einhörner sind gerade in, und pummelige Einhörner – auch wenn sich das manch Älterem nicht erschließt – sind mega-in. Da passt die Spielidee vom moppeligen Einhorn, das sich Kekse einverleibt, bestens. Für dieses einzige echte Kinderspiel in der hier vorgestellten Auswahl hat der Pegasus Verlag ein vorhandenes Konzept umgearbeitet.

Das von einem der deutschen Topautoren, Reiner Knizia, entwickelte „Sabrina Stachelschwein“ passt aber auch bestens zu dem Kekse mampfenden Fabelvieh. In einem großen Kreis liegen Karten offen aus, sie zeigen vor unterschiedlich buntem Hintergrund je unterschiedlich viele Kekse. Die Karten wandern verdeckt in die Kreismitte – und die kleinen Teilnehmer müssen sich gut erinnern, wo was liegt, um beim „Kekfe-Marathon“ abzuräumen.

Zutaten sammeln
Für die Gallier geradezu prädestiniert ist dieses kooperative Spiel, bei dem alle gemeinsam ihre Züge koordinieren müssen, um das Spiel zu schlagen. Der Job ist, passend für ein Familienspiel, eher einfach: Es gilt die Zutaten für den Zaubertrank einzusammeln.

Dazu bewegen bis zu vier Akteure ihre Figuren an unterschiedliche Orte. Jede Figur hat einen Charakter, also bestimmte kleine Eigenschaften, mit denen sie eine Aufgabe besser als die anderen erledigen kann. Die gezielt einzusetzen ist notwendig, denn – nach jeder Aktion der Gallier ist der römische Legionär am Zug. Der umkreist das Dorf und sorgt dafür, wenn die Helden zu schlafmützig agieren und Miraculix nicht rechtzeitig die Zutaten abliefern, dass das Spiel gewinnt.

Krieg der Religionen
Europa 1558: Religionskriege überziehen den Kontinent. In diesem Kontext setzt Ken Follett seine erfolgreiche Romanreihe um die Kingsbridge-Kathedrale fort. Das parallel zum Buch erschienene Spiel greift den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten auf. Spielmechanisch greift Autor Michael Rieneck auf Bekanntes zurück: Man baut Handelshäuser und versucht möglichst günstig verschiedene Waren zu ergattern, die man gewinnbringend in den vier Handelsorten Frankreich, Spanien, Niederlande und Kingsbridge verkauft.

Dazu holt man sich Personenkarten zu Hilfe, die unterschiedliche Vorteile bieten. Der Witz: Mit jeder Person wandert ein „Religionsstein“ auf einen der vier Orte. Bei vier Steinen kommt es zum „Religionskonflikt“: Entweder gewinnen die Katholiken oder die Protestanten. Wer auf der richtigen Seite steht, erhält Extra-Siegpunkte, auf der falschen Seite verliert man sein Handelshaus.

Die Rollen werden zu Beginn verteilt – doch zum Glück können die Spieler in bestimmten Abständen, taktisch wohl überlegt, immer mal die Seite wechseln. Das dürfte die wohl verspielteste Fußnote zum Luther-Jahr sein.

Star Wars: Destiny
Die erheblich kompaktere Spielbox „Destiny“ macht aus dem großen Brettspiel ein Karten- und Würfelspiel für zwei. Bei dem Duell führt jeder Akteur zwei Charaktere, die unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Hinzu kommt je ein Set mit 20 Karten, von denen man zu Beginn aber nur fünf auf der Hand hat. Um sie auszuspielen und, zum Beispiel, einen seiner Kämpfer mit einem Laserschwert aufzurüsten, muss man sich Ressourcen beschaffen. Sind sie verbraucht, setzt man aus, kann dafür aber sein Kartendeck wieder vervollständigen.

Die Aktionen werden gesteuert über Würfel. Die zeigen auf den sechs Seiten jedoch keine Zahlen, sondern ein recht elaboriertes System mit Symbolen. Insgesamt neun gibt es, darunter klassische Kombinationen wie Schadensmarker oder Schilde, um sich zu verteidigen. Außerdem kann man dem Gegner ins Kartendeck pfuschen oder eigene Würfel auf eine wertvollere Seite drehen.

„Destiny“ ist ein Starterset, das heißt: Da kommt noch einiges an Charakteren, Karten und so weiter nach – bestens bekannt aus so erfolgreichen Sammelkartenspielen wie „Yu-Gi-Oh!“ oder „Magic: The Gathering“. 

Die Zwerge – Saga-Erweiterung
Die mehrfach prämierte Fantasy-Buchreihe „Die Zwerge“ von Markus Heitz ist als Thema für ein kooperatives Brettspiel geradezu prädestiniert. Tungdil und seine Gefährten gegen Bedrohungen von allen Seiten! Ob Orks, Trolle oder Albae – das Geborgene Land muss gerettet und die Feuerklinge geschmiedet werden. Genau dazu treten die Spieler an und versuchen ihre Kräfte zu bündeln. Denn das macht den Kern eines kooperativen Spiels aus: Alle agieren gemeinsam gegen das Spiel. Das bringt, geschickt gesteuert, immer neue Bedrohungen aufs Brett.

Ergossen sich im Grundspiel schubweise Horden von Orks, Trollen und Albae aufs Feld, so bringt die „Saga“-Edition neue Elemente ins Spiel. Die Spieler treten gegen Drachen an, suchen den „Magischen Diamanten“ und können Festungen bemannen und mit Katapulten kämpfen. Im Unterschied zum Grundspiel, das man dazu benötigt, ist die über ein Kickstarter-Projekt angestoßene limitierte Erweiterung hochwertig mit Holzfiguren ausgestattet. 

Bullyparade – Der Film (Kartenspiel)
Die Idee, ein „MauMau“-Spiel mit einem Thema zu versehen, ist, zugegeben, nicht ganz neu. Das gab es schon für den „Herrn der Ringe“. Aber auch Vampire und andere Blüten der Popkultur haben schon zugebissen, seit vor drei Jahrzehnten „Uno“ diesem hektisch-fröhlichen Spielspaß neues Leben eingehaucht hat.

Im Unterschied zu manchem eher sinnfreien Vorgänger (Frodo als MauMau-Karte?) passen Bully und Kumpane dagegen mit ihrem anarchischem Witz bestens zu dem Spiel, das ja auch stets von einem Schuss Schadenfreude geprägt ist.

Das Spielziel ist klar: Als erster alle Handkarten los werden. Und da hilft dann bestens, wenn es auf der Karte heißt: „Hellas! Mein Name ist Dimitri Stoupakis, Austauschspieler aus Griechenland. Ich möchte gerne mit Dir alle Handkarten tauschen, Du Ohrschlitz!“ 

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