Enya hört auch Metallica.
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Enya hört auch Metallica.

10 Fragen an Enya

Die Pop-Therapeutin

Heavy Metal und Respekt: Die irische New-Age-Sängerin Enya erklärt im FR-Interview, warum sie gerne Metallica hört und Wert auf Etikette legt. ( mit Musikvideo)

Enya, Sie leben abgeschieden auf einem Schloss und machen ruhige, sphärische Musik. Suchen Sie die Stille, weil Sie in einer Großfamilie aufgewachsen sind?

Genau so ist es. Mit meinen vier Brüdern und vier Schwestern war immer viel los. Aber ich bin doch ein bisschen flexibler als Sie denken: Ich höre beispielweise seit zehn Jahren alle Arten von Musik. Eine gute Melodie bleibt für immer, egal, ob es sich nun um Mozart, um Rock oder Pop handelt. Seit Ende der 80er hören die Leute ganz unterschiedliche Musikstile nebeneinander, einmal Placido Domingo und dann Metallica. So habe auch ich eine Chance bekommen, denn meine Musik war ja anders als alles, was sonst im Radio gespielt wurde.

Sie hören wirklich Metallica?

Ja! Einige Heavy Metal-Songs haben sehr starke Melodien.

Es gibt also Tage, an denen selbst Sie es mal nur laut, schnell und chaotisch haben wollen?

Ja, die gibt es - immerhin lebe ich ja doch schon sehr lange von meinen acht Geschwistern getrennt. Ich gebe gern große Feste, mit Disco und der Musik von Michael Jackson. Oder Halloween-Partys.

Und dann tanzen Sie auf dem Tisch?

Nicht unbedingt auf dem Tisch. Bei mir ist es so: Sobald ich mein Studio verlasse, trete ich in mein Leben. Ich bringe nie meine Arbeit mit nach Hause. Und wenn ich ins Studio gehe, vergesse ich alles, und habe dort sehr stille, einsame Momente.

1995 sind Sie vor Papst Johannes Paul II. aufgetreten. Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Ich wurde römisch-katholisch erzogen, und da bleiben einem Teile davon für immer, etwa der Glaube, dass irgendetwas uns durch schwierige Phasen unseres Lebens hindurchgeleitet. In dramatischen Momenten schicke ich schon einmal ein kleines Gebet aus. Und ich gehe gern in die Kirche - aber nur, wenn keine Leute dort sind, einfach, weil es ein beruhigender Ort ist. Die Kirche aber muss zur Kenntnis nehmen, wie sehr der Lebensstil sich verändert hat, wenn sie überleben will.

Manche Leute finden Ihre Musik kitschig. Selbst Fans kritisieren an Ihrem aktuellen Album "And Winter Came" zu viel Hall und zu fette Streicher.

Das kümmert mich wirklich nicht. Ich arbeite zwei bis drei Jahre an einem Album. Das bedeutet, dass ich es wieder und wieder anhöre, Pausen mache, wieder überlege und es so lange ändere, bis ich das Gefühl habe: Genau das ist es. Dann bin ich glücklich damit. Und ich erwarte wirklich nicht, dass jeder meine Musik mag.

Sie denken nicht an den Erfolg oder die Kritiken, wenn Sie im Studio ein neues Album entwickeln?

Wenn ich an der Musik arbeite, denke ich an niemanden, weder an die Kritiker noch an die Fans. Ich nehme mir enfach so viel Zeit, bis es stimmt. Und ich würde auch im Nachhinein nichts ändern, an keinem meiner Alben.

Enya - "Trains And Winter Rains"

Sie sagen, Sie versuchen Ihr Inneres nur mit schönen Dingen zu füttern. Damit sperren Sie andere, dunkle Aspekte des Lebensaus - von denen auch die Musik profitieren könnte.

Warum? Etwas Melancholisches hat meine Musik doch immer. Aber nehmen wir die momentane Finanzkrise: Sie war unvermeidlich, weil Dinge so leicht verfügbar waren, die Leute sagten: 'Ich nehme zehn Stück davon' und fragten nicht nach dem Preis - bis alles explodiert ist. Es gibt aber etwas Positives daran: Menschen unterstützen sich jetzt gegenseitig, sie finden heraus, was ihnen wirklich wichtig ist. Und so kann man auch angesichts einer negativen Entwicklung ein bisschen optimistisch sein.

Sie präsentieren sich in Ihren Videos in wallenden Gewändern oder historischen Kostümen, gerne auch mal mit Pferd. Sind Sie eine Romantikerin?

Ich liebe auf jeden Fall gute Umgangsformen. Ich weiß, Fragen wie: "Wer hat aufzustehen, wenn jemand den Tisch verlässt?", können langweilig sein. Aber wenn man sich überhaupt nicht mehr um die Etikette kümmert, kann der Respekt verloren gehen.

Und wo beobachten Sie diesen Respektverlust?

Insbesondere bei Jugendlichen. Sie respektieren heute manchmal die älteren Menschen nicht, weil sie oft von Erwachsenden wie kleine Könige behandelt werden. Kinder sind sehr wichtig - aber sie sollten in mancher Hinsicht nicht den Respekt verlieren.

(Interview: Gerlinde Pölsler)

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