Anklage

Polizisten vor Gericht

Zwei Beamte sollen eine Frau vergewaltigt haben.

Alles beginnt mit einer Verkehrskontrolle nahe der thüringischen Kleinstadt Arnstadt: Zwei Polizisten überprüfen Ende September 2019 die Personalien einer Frau und deren Begleiter. Doch der Pass der gebürtigen Polin ist gefälscht, also nehmen die Beamten das Paar in Gewahrsam und fahren zur Klärung der Identität in die Wohnung der Frau nach Marlishausen (Ilm-Kreis).

Dort wird die damals 32-Jährige dann von den beiden Polizisten nacheinander vergewaltigt – so jedenfalls sieht es die Staatsanwaltschaft. Sie hat die beiden 23 und 28 Jahre alten Männer unter anderem wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung im besonders schweren Fall angeklagt. Die Polizisten müssen sich nun vom morgigen Dienstag an vor dem Erfurter Landgericht verantworten. Die Anklagebehörde wirft den Beamten auch die Ausnutzung ihrer Amtsstellung vor.

Die Männer – der Jüngere hat noch ein Beamtenverhältnis auf Probe – versahen bis Herbst ihren Dienst bei der Polizeiinspektion in Gotha. Seit Anfang Oktober sitzen sie in Untersuchungshaft. Die Richter haben in dem Verfahren zu klären, ob der Sex im Dienst gegen den Willen der Frau erfolgte. Die Polizisten hatten laut einem Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft während der Ermittlungen den Sex zwar eingeräumt – allerdings soll er ihren Schilderungen zufolge einvernehmlich gewesen sein. Während des Geschlechtsverkehrs hatten die Beamten auch ihre Dienstwaffen bei sich, was im Falle einer Verurteilung strafverschärfend wirkt.

Video der Tat wohl gelöscht

Nach dpa-Informationen soll einer der beiden den Sex auch mit dem Handy gefilmt und damit vor einem dritten Kollegen geprahlt haben, der währenddessen mit dem Begleiter der Frau im Dienstwagen saß. Die möglichen Aufnahmen konnten bislang aber noch nicht wiederhergestellt werden, da die SIM-Karte später entfernt und das Handy ins Wasser geworfen worden war.

Den Angeklagten droht bei einem Schuldspruch wegen Vergewaltigung eine Strafe von drei bis 15 Jahren. In diesem Falle wären sie zugleich ihre Jobs bei der Polizei los. Ein Beamter auf Lebenszeit ist laut GdP-Landeschef bei einem Strafmaß von mehr als zwölf Monaten aus dem Dienst zu entfernen. Derzeit sind die beiden vorerst suspendiert.

„Dieser Fall hat bundesweit für Aufsehen und große Fragezeichen gesorgt“, sagte der Landesvorsitzende der Thüringer Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kai Christ, vor Prozessbeginn. Er sprach von einem „einmaligen Vorgang“, der dem Ruf der Thüringer Polizei geschadet habe. (dpa)

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