Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

USA

Polizeigewalt in den USA: Demenzkranke Großmutter nach Zwischenfall traumatisiert

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
    schließen

Eine demenzkranke Großmutter wurde in den USA im vergangenen Jahr von Polizisten schwer verletzt. Ihre Anwältin mahnt: Dieser Angriff ist nur ein Symptom.

Loveland – Es sind verstörende Bilder, die die Bodycam des Polizisten aufzeichnete. Eine alte Frau läuft am Straßenrand, sie scheint das Licht des Polizeifahrzeugs nicht zu bemerken. Als der Polizist aussteigt und die Frau fragt, wieso sie nicht anhält, nuschelt sie unzusammenhängend.

Nun wird es dem Polizisten zu viel: Er wirft die Frau auf das Gras und dreht ihre Arme auf dem Rücken, einen der beiden so stark, dass die Frau schreit. Ein weiterer Polizist trifft zur Unterstützung ein. Immer wieder wird die nur 36 Kilogramm schwere Frau auf den Boden geworfen, bis sie am Straßenrand gefesselt und, nach dem Eintreffen eines weiteren Polizisten, in ein Einsatzfahrzeug geladen wird.

USA: Demenzkranke Großmutter von gewalttätigen Polizisten schwer verletzt

Was sich bereits Mitte 2020 im Ort Loveland im Bundesstaat Colorado in den USA ereignete, ist kaum verständlich. Karen Garner, 73 Jahre alt und neunfache Großmutter, war auf dem Rückweg vom Walmart der Stadt, als die Polizisten auf sie trafen. Die Frau, die an Demenz und sensorischer Aphasie leidet und sich daher nicht verständigen kann, soll dort versucht haben, Gegenstände zu stehlen. Noch im Laden sei sie allerdings ertappt worden. Das Angebot, die Gegenstände zu bezahlen, wurde allerdings von den Angestellten des Marktes abgelehnt. Daraufhin sei die Polizei gerufen worden, wie Vice berichtet. Beim Verlassen des Marktes hatte Garner keine gestohlenen Gegenstände mehr bei sich.

Die 73 Jahre alte Karen Garner wird von einem Polizisten am gewaltsam am Boden festgehalten.

Die Bodycam des Polizisten zeichnete den nun folgenden Vorgang auf. Immer wieder ist Garner zu hören, die „I‘m going home“ schreit. Selbst als ein Bürger, der die Aktion beobachtet hatte, die Polizisten fragt, ob so viel Aggression nötig sei, hören diese nicht auf und raten ihm zu verschwinden.

Polizeigewalt in den USA: Erst Stunden später kommt die demenzkranke Großmutter ins Krankenhaus

Erst Stunden nach dem Zusammenstoß kommt die Frau ins Krankenhaus: Übersäht mit Schürfwunden, einer ausgekugelten Schulter, einem gebrochenen Oberarmknochen und einem verstauchten Handgelenk. Dafür wurde Garner ins Gefängnis gebracht und für Diebstahl, Behinderung eines Polizisten und Wiederstand bei der Festnahme angeklagt. Der Fall wurde allerdings im August 2020 fallengelassen.

Die Familie von Karen Garner will diese Aktion der Polizei bestraft sehen und hat daher vergangene Woche Klage eingereicht. Sie hoffen, das der Zwischenfall Konsequenzen hat. Immer wieder erschüttern Berichte über Polizeigewalt die USA. Doch geändert hat sich bisher wenig. Erst vor einigen Tagen wurde ein 13-jähriger in Chicago erschossen. „Es gibt in diesem Fall keinen faulen Apfel“, sagte Garners Anwältin, Sarah Schielke, Vice. „Dies ist ein systematisches, kulturell-verankertes, von der Führung herunterkommendes Problem der Einstellung. Das ist keine Überwachung der Bevölkerung – dies ist faktisch Terrorismus.“

Anwältin: Polizeigewalt in den USA ist ein systematisches Problem

Schielke fügte hinzu: „In ihren Augen ist es so: Wenn jemand dumm genug ist, nicht aufzugeben, dann wird er oder sie dafür bezahlen. Und auch wenn es sich dabei um eine alte, behinderte Dame handelt.“ Ein Sprecher von Walmart lehnte jede Schuld des Unternehmens bei der gewalttätigen Festnahme der alten Dame ab.

Die Polizei in Loveland hatte zuvor mitgeteilt, den Zwischenfall untersuchen zu wollen. Laut Vice gebe es keine Aufzeichnungen zu der Aktion. Die beteiligten Polizisten seien jedoch vorerst beurlaubt oder in den Innendienst versetzt worden. Ein Sprecher kündigte allerdings an, dass sämtliche Beweise „auf das Gründlichste“ untersucht werden sollen.

Polizeigewalt hat demenzkranker Großmutter die Freude am Leben geraubt

Karen Garner spürt die Folgen des Zusammenstoßes mit den „Ordnungshütern“ noch heute. Laut Vice berichten ihre Kinder, dass sie sich immer stärker zurückgezogen habe. Die alte Dame, die trotz ihrer Einschränkungen gerne zum Kartenspielen oder zu Konzerten gegangen sei, könne sich nur sehr selten entspannen und vertraut nur noch sehr wenigen. Sie habe die Freude am Leben verloren. (als)

Rubriklistenbild: © Screenshot vom Youtube Channel „The Life & Liberty Law Office“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare