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Thomas Thabane soll den Mord an seiner Frau beauftragt haben. 

Lesotho

Politposse im Königreich

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Lesothos Premierminister verhängt Corona-Ausgangssperre, um nicht verhaftet zu werden.

Im afrikanischen Bergkönigreich Lesotho spielt sich derzeit eine tragische Polit-Posse ab. Seit Wochen kämpft dort der des Mordes an seiner zweiten Ehefrau bezichtigte 80-jährige Premierminister Thomas Thabane vehement gegen seine Verhaftung und hat zu diesem Zweck am Wochenende selbst die Armee auf die Straßen des 2,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Kleinstaats gerufen.

Beobachterinnen und Beobachter befürchten, dass der verzweifelte Kampf des Regierungschefs die konstitutionelle Monarchie einmal mehr in ein gewalttätiges Chaos stürzen könnte – wenn es einer am Montag herbeigeeilten Delegation aus Südafrika nicht gelingt, den Premierminister zum Rücktritt zu bewegen. Das gänzlich von Südafrika umgebene Land ist der einzige Staat der Welt, in dem ein Regierungschef eines Kapitalverbrechens bezichtigt wird.

Thomas Thabane dient seinem Land bereits seit dessen Unabhängigkeit 1966: damals als Angestellter des Senats, später als Außen- und Innenminister, seit acht Jahren mit kurzer Unterbrechung als Regierungschef. Zwei Tage vor seiner zweiten Vereidigung zum Premierminister wurde am 14. Juni 2017 seine zweite Frau Lipolelo von Auftragsmördern aus nächster Nähe mit mehreren Schüssen getötet.

Thabane hatte mit ihr einen mehrjährigen Streit um die Scheidung geführt. Schon zur feierlichen Vereidigung war der Premierminister dann mit seiner fast 40 Jahre jüngeren Freundin, Maesaiah, erschienen, die wegen der ungeklärten Scheidung allerdings nicht als First Lady anerkannt wurde. Knapp zwei Monate nach der Ermordung Lipolelos machte Thabane Maesaiah zu seiner dritten Frau.

Gerademal 60 Euro Kaution

Als der Polizeichef des Landes, Holomo Molibeli, die Ermittlungen übernahm, versuchte Thabane seine Absetzung zu erzwingen. Molibeli wandte sich daraufhin an die Gerichte und enthüllte, dass Thabanes Handy zur Tatzeit für einen Anruf mit einer Person benutzt wurde, die sich am Tatort befand. Anfang dieses Jahres wurde Maesaiah Thabane schließlich wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, nach Zahlung einer Kaution von weniger als 60 Euro jedoch wieder auf freien Fuß gelassen.

Thabane selbst sollte Anfang März wegen einer möglichen Anklage vor Gericht erscheinen, tauchte zum Termin allerdings nicht auf, weil er zur „medizinischen Behandlung“ nach Südafrika habe reisen müssen. Er und seine Anwälte sind der Überzeugung, dass der Premierminister Immunität genießt. In der Verfassung Lesothos wird das jedoch nur dem König zugestanden.

Nachdem sich immer mehr Abgeordnete der regierenden All Basotho Convention (ABC) von ihrem Parteichef distanzierten, musste Thabane einen Misstrauensantrag im Parlament befürchten. Daraufhin suspendierte er Mitte März die Abgeordnetenkammer für drei Monate – was aber vom Verfassungsgericht wieder aufgehoben wurde.

Thabane rief als nächstes eine 24-tägige Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie aus, obwohl in Lesotho bislang kein Fall registriert wurde. Am Samstag beorderte er die ihm loyale Armee auf die Straße, um „Gefahr von der Nation“ abzuwenden und die „Ruhe wiederherzustellen“ – ohne zu präzisieren, worum genau es ging.

Der Versuch der Militärs, den verhassten Polizeichef Molibeli festzunehmen, ging am Samstag schief. Polizei und Militärs stehen sich in Lesotho seit Jahrzehnten feindselig gegenüber. Immer wieder wurde der Kleinstaat auch von Coups erschüttert. Nach einem Umsturzversuch 1998 sandte der damalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela seine Armee ins Nachbarland, wobei 58 Einwohner Lesothos sowie acht südafrikanische Soldaten starben.

Pretoria hofft nun, die jüngste Krise eleganter lösen zu können. Ob die Nachbarn den renitenten Greis zum Rücktritt bewegen können, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen müssen.

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