Hat was von Eichhörnchen, ist aber deutlich seltener: ein Petauroides volans sitzt im Baum.
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Hat was von Eichhörnchen, ist aber deutlich seltener: ein Petauroides volans sitzt im Baum.

Fauna in Australien

Plötzlich zu dritt

  • vonBarbara Barkhausen
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Der Südliche Großflugbeutler ist nicht bloß der Südliche Großflugbeutler. Eigentlich besteht die in Australien heimische Art aus mehreren Spezies. Das können Forscherinnen und Forscher nun erstmals belegen.

Der Südliche Großflugbeutler (Petauroides volans) ist ein außergewöhnliches Tier. Etwas größer als ein Eichhörnchen kann der flauschige Beutler dank seiner Gleitmembranen bis zu hundert Meter von einem Baum zum nächsten Baum „fliegen“. Somit ist es für den Baumbewohner ein Kinderspiel, auch an die frischesten Eukalyptusblätter noch heranzukommen. Letztere frisst der Beutler, der in den Wäldern Ostaustraliens vorkommt, nämlich genauso gerne wie der Koala.

Vielleicht lag es an der großen Popularität des süßen Koalas als Australiens Symboltier, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bisher etwas verborgen geblieben war. Der deutlich weniger bekannte Südliche Großflugbeutler nämlich ist nicht etwa eine einzelne Art – sondern besteht eigentlich aus drei Spezies. „Australiens Artenvielfalt ist damit um einiges reicher geworden“, sagte Andrew Krockenberger von der James-Cook-Universität in Australien nun.

„Nicht jeden Tag werden neue Säugetiere bestätigt, geschweige denn zwei neue Säugetiere“, verkündete der Forscher, der gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren eine Studie dazu im Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlicht hat. Die Entdeckung machte eine Doktorandin der Universität im Rahmen ihrer Abschlussarbeit. Denise McGregor sagte allerdings, Theorien dazu seien schon länger in der wissenschaftlichen Gemeinde ausgetauscht worden.

Größe und Physiologie der Tiere hatten bereits Hinweise darauf gegeben. „Es gibt seit einiger Zeit Spekulationen darüber, dass es mehr als eine Art der Südlichen Großflugbeutler gibt, aber jetzt haben wir Beweise aus der DNA“, so McGregor. Zum ersten Mal konnten die Forschenden eine sogenannte DART-Sequenzierung verwenden und damit die genetischen Beweise vorlegen, dass das Tier aus mehreren Arten besteht.

Kara Youngentob, eine Mitautorin der Australischen Nationaluniversität in Canberra, sagte, die Identifizierung und Klassifizierung von Arten sei wichtig für ein wirksames Schutzmanagement der Tiere. „In diesem Jahr erlebte Australien eine Buschfeuersaison von beispielloser Intensität“, so die Forscherin. Diese habe zu einem weitverbreiteten Verlust von Lebensräumen und einer hohen Todesrate geführt.

Laut einer Studie vom Juli sind bei den Jahrhundertfeuern über die Jahreswende fast drei Milliarden Tiere verendet oder haben ihre Heimat verloren. Deswegen legt die Wissenschaft nun verstärkt Wert darauf, die genetische Vielfalt von Arten zu verstehen. „Das Wissen, dass es jetzt genetische Beweise für mehrere Arten gibt, deren Verbreitung damit viel geringer ist als die Reichweite der zuvor anerkannten Art, sollte bei künftigen Entscheidungen über den Artenschutz und das Management berücksichtigt werden“, so Youngentob.

Noch vor 30 Jahren waren die Südlichen Großflugbeutler laut lokaler Medien gut etablierte Tiere im Osten Australiens, doch inzwischen gelten sie als gefährdet. Der Verlust von Lebensräumen durch Abholzung und Verstädterung hat sie – gepaart mit dem Klimawandel – aus vielen Lebensräumen verdrängt.

Grundsätzlich hat Australien die schlimmste Aussterberate der Welt in Bezug auf Säugetiere: Rund 30 Land-Säugetiere sind in den vergangenen 200 Jahren ausgestorben und mehr als 50 sind vom Aussterben bedroht. Schuld daran sind neben dem Verlust von Lebensraum auch eingeschleppte Tiere und die Landwirtschaft – so teils auch beim Südlichen Großflugbeutler.

Vor allem der Klimawandel spielt eine immer größere Rolle. Laut des US-Ökologen Mark Urban gefährdet er inzwischen jede sechste Tierart. Zu diesem Ergebnis kam der Wissenschaftler schon 2015, nachdem er 131 Studien neu analysierte. Neben Südamerika seien die Flora und Fauna in Australien und Neuseeland am meisten gefährdet, schrieb der Amerikaner damals.

Ein Jahr später meldete Australien dann das erste Säugetier, das Opfer des Klimawandels wurde. So starb die kleine Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte aus, die nur auf der Insel Bramble Cay in der Torres Strait im äußersten Norden des Great Barrier Reefs vorkam. Die tiefliegende Insel war in der Dekade davor aufgrund des steigenden Meeresspiegels mehrfach überschwemmt worden.

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