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Die Uniform von Designer Ettore Bilotta sollte an die Blütezeit der Airline in den 60er Jahren erinnern.

Alitalia

Pleite, aber stilvoll angezogen

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Obwohl die italienische Fluggesellschaft Alitalia bankrott ist, werden die Mitarbeiter jetzt von einer Designerin neu eingekleidet.

Erst eineinhalb Jahre ist es her, dass Alitalia stolz seine neu eingekleideten Flugbegleiter präsentierte. Mit tortenförmigen, schief sitzenden Hütchen und dunkelroten Kostümjacken im Retrostil, kombiniert mit flaschengrünen Strümpfen, Handschuhen und Taschen fallen die italienischen Stewardessen an den Flughäfen dieser Welt seither ins Auge. Die Kollektion, vom Mailänder Modedesigner Ettore Bilotta in den Nationalfarben entworfen, sollte an die Blütezeit der Airline in den 60er Jahren erinnern und anknüpfen.

Daraus wurde nichts. Im Mai musste Alitalia Insolvenz anmelden. Nur mit Hilfe eines 600-Millionen-Kredits des italienischen Staats hält die chronisch defizitäre Fluggesellschaft ihre Maschinen noch in der Luft. Ein Käufer wird gesucht, Lufthansa ist unter den Interessenten. Doch wenn schon bankrott, dann wenigstens mit Stil, sagen sich die staatlich eingesetzten Alitalia-Verwalter. Am Dienstag wurde bekannt, dass die italienische Designerin Alberta Ferretti beauftragt worden ist, neue Uniformen für mehr als 7000 Mitarbeiter zu kreieren – obwohl die Zukunft der Pleite-Airline völlig offen ist. An den bisherigen Outfits scheiden sich die Geister. Die einen finden sie „molto elegante“ und originell, die anderen schlicht unmöglich. Viele Flugbegleiterinnen beklagten sich darüber, dass die Kleider und Jacken so hochgeschlossen sind. Es wurde gemunkelt, dass die arabische Etihad, bisheriger Alitalia-Großaktionär, für die Bilotti ebenfalls entwarf, auf den prüden Auftritt des weiblichen Personals Wert legte. Die Alitalia-Mitarbeiter klagen aber vor allem darüber, dass ihre Berufskleidung zu warm und unbequem ist. Medienberichten zufolge bestehen die Uniformen, obwohl „Made in Italy“ und vollständig in dem eigentlich für hochwertige Stoffe berühmten Land gefertigt, zu 70 Prozent aus Acryl. Und das ist kein sonderlich atmendes Material. Schon im Sommer war es den Flugbegleiterinnen gestattet worden, die dunklen, blickdichten Strümpfe gegen dünne, hautfarbene einzutauschen.

Neue Uniformen sollen für heiteres Klima sorgen

Mit einem völlig überarbeiteten Look wollen die drei kommissarischen Manager nun nach Monaten der Anspannung für ein heiteres Klima in der Firma sorgen. Es solle eine Kollektion werden, die zugleich elegant und praktisch ist und in der man sich am Boden und in der Luft zu allen Jahreszeiten wohlfühlen könne, versprechen sie.

Alberta Ferretti ist bekannt für sinnlich-romantische Kreationen mit leichten, transparenten Stoffen und tiefen Rückenausschnitten, die auch bei Hollywoodstars großen Erfolg haben, und wird gern „Queen of Chiffon“ genannt. Sie habe sofort zugesagt, ließ die 67-Jährige wissen. „Alitalia ist eine Ikone und Institution unseres Landes.“ Die Zusammenarbeit der Fluglinie mit Italiens Modestars hat Tradition. 1991 hatte Giorgio Armani die Uniformen entworfen. Der ästhetische Neustart kostet die bankrotte Alitalia keinen Cent zusätzlich, versichern die Verwalter. Wegen Abnutzung hätten viele der alten Uniformen sowieso nach zwei Jahren ausgetauscht werden müssen, dafür sei schon ein Budget eingeplant. Ferretti wiederum wird nicht mit Geld, sondern mit Flugtickets entlohnt.

Fertig sein sollen die neuen Kleider übrigens bis zum kommenden Sommer. Vielleicht ist bis dahin auch schon klar, wer der neue Eigentümer sein wird – und ob die Alitalia-Maschinen überhaupt weiter im Grün-Weiß-Rot der Trikolore fliegen werden.

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