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Greta Gerwig kann natürlich auch sehr hübsch. Meistens besticht sie aber mit ihrer Natürlichkeit.
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Greta Gerwig kann natürlich auch sehr hübsch. Meistens besticht sie aber mit ihrer Natürlichkeit.

Greta Gerwig

Plappern statt Perfektion

In einem Universum, in dem romantische Komödien normalerweise von aalglatten, topgestylten und unerträglich hysterischen Frauen besetzt werden, ist Greta Gerwig eine wohltuende Ausnahmeerscheinung.

Von Lisa Goldmann

Gäbe es Gerwig nicht, wäre auch der Film ?Lola gegen den Rest der Welt?, der nun in den deutschen Kinos läuft, nur eine weitere belanglose Komödie über Singles in New York. Die Geschichte ist schnell erzählt: Lola wird kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen. Sie weint viel, isst viel, wird von ihrer besten Single-Freundin aufgepäppelt und lernt nebenbei ein paar Männer kennen. Zudem versucht sie herauszufinden, wer sie eigentlich ist und was sie will. Alles nicht neu. Wäre da nicht die großartige Greta Gerwig.

Gerwig bisher eher in Nebenrollen

Das erste Mal aufmerksam wurde ein größeres Publikum auf Gerwig im Jahr 2010, als sie an der Seite von Ben Stiller im melancholischen Indie-Drama „Greenberg“ von Noah Baumbach mitspielte. Die New York Times mutmaßte damals, dass Gerwig die „definierende Schauspielerin ihrer Generation“ werden könne. Seither war Gerwig vorrangig in Nebenrollen von großen Produktionen zu sehen, in „Freundschaft plus“ mit Natalie Portman und Ashton Kutcher, in „Arthur“ mit Russel Brand und Helen Mirren und kürzlich in Woody Allens „To Rome with Love“, als Freundin von Jesse Eisenberg. „Lola gegen den Rest der Welt“ ist nun der erste große Film, in dem sie die Titelrolle übernommen hat.

„Es liegt viel Schönheit in normal aussehenden Menschen, die einfach ihr Leben leben“, beschrieb Gerwig einmal ihren Stil. Damit scheint sie tatsächlich den Nerv einer Generation zu treffen, die sich von einer allzu perfekten und gekünstelten Jennifer Aniston, einer Katherine Heigel oder einer Kate Hudson nicht mehr repräsentiert fühlt. Das zeigt sich derzeit auch in der vielgelobten US-Fernsehserie „Girls“, in der die Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin Lena Dunham völlig schmerzfrei und unprätentiös mit den körperlichen und psychischen Unzulänglichkeiten ihrer Figur Hannah umgeht. Es ist eine Welt in der nichts eindeutig ist, auch die eigene Person nicht. Dieses Auftreten zeugt trotz all der Unsicherheiten, die sowohl Gerwig als auch Dunham in ihren Rollen durchleben, auch von Selbstvertrauen, sich vor das Publikum zu stellen und zu sagen: Seht her, hier bin ich, so bin ich.

Gelernt in der Indieszene

Gelernt hat Gerwig ihren außergewöhnlichen Stil in der amerikanischen Independent-Filmszene. Geboren 1983 im kalifornischen Sacramento, zog sie fürs Studium nach New York. Am Barnard College, einer katholischen Frauenschule, studierte sie Englisch und Philosophie. In dieser Zeit schrieb sie Theaterstücke – von denen einige auch aufgeführt wurden – gründete eine Sketch- Comedy-Gruppe und drehte Filme mit ihren Freunden.

Schließlich wurde sie Teil einer kleinen Szene von Filmemachern, die in den US-Medien gerne als „Mumblecore“ bezeichnet wurden. Sie machten preisgünstige und unaufwendige Filme, an wenigen Schauplätzen gedreht, oft ohne festes Drehbuch, die vom Alltag der Menschen erzählen. Die Filme sollten möglichst realistisch sein, dazu gehörte, dass die Schauspieler nuscheln (englisch: to mumble), ihre Sätze nicht zu Ende bringen und sich gegenseitig unterbrechen. Gemeinsam mit ihrem heutigen Lebensgefährten, Joe Swanberg, schrieb Gerwig die Drehbücher zu „Nights and Weekends“ und „Hannah Takes the Stairs“, in denen sie auch die Hauptrolle spielte. In „Hannah Takes the Stairs“ (2007) verkörperte sie eine junge Frau, die sich von einer Beziehung in die nächste hangelt, ohne je zufrieden zu sein oder zu wissen, was sie eigentlich will. Wahrscheinlich wird der Zuschauer noch viel sehen von Greta Gerwig. Man kann sich und ihr nur wünschen, dass sie ihren unverwechselbaren Stil auch im Mainstream beibehalten kann.

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