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Nichts zum Bloggen? Einfach einmal um die Insel joggen, dann gibt’s was zu erzählen.

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Plappern gehört zum Handwerk

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Wer möchte, kann ein Jahr auf Norderney leben – muss als Inselblogger aber drüber reden.

Die norddeutsche Küste, die sich wie in diesen Tagen nicht immer im Glanz des Sonnenlichts zeigt, kann etwas melancholisch machen. Die drückende Düsternis der Landschaft hat kaum einer so schön in Worte gefasst wie der Dichter Theodor Storm, der seiner Heimatstadt Husum als die „graue Stadt am Meer“ ein Denkmal gesetzt hat.

Nun muss ein Blogger sicher nicht Storms literarische Qualitäten besitzen, aber die sich im Wandel der Jahreszeiten verändernden Stimmungslagen sollte er schon mögen – jedenfalls, wenn er ein aktuelles Stellenangebot der Insel Norderney annehmen möchte. Ab September will die Tourismusabteilung des Rathauses für die Dauer eines Jahres die Stelle des Inselbloggers besetzen.

Reich wird man dabei nur an Eindrücken werden; es gibt lediglich ein Taschengeld von 450 Euro im Monat. Hinzu kommen aber eine möblierte Wohnung – mit Internetanschluss, versteht sich – und eine Kamera. Die Offerte richtet sich also eher an Aussteiger im Sabbatjahr als an Nerds mit der Lust aufs große Geld.

„Uns ist egal, ob 18 oder 80 Jahre; wichtig ist, dass die Person Spaß am Berichten, Fotografieren und vielleicht auch Drehen von Videos hat“, sagt Wolfgang Lübben, der stellvertretende Marketingleiter der Tourismusorganisation auf Norderney. Zeitdruck gebe es beim Bloggen nicht, betont Lübben. „Qualität statt Quantität“ laute die Devise.

Ja, mit der Quantität dürfte es ab Oktober auch schwierig werden auf dem Eiland. Die vielen Touristen sind dann zumeist abgereist, und über Wasser und Watt streicht schon ein kalter, böiger Wind. Der Marketingprofi spricht denn auch von der „Eigeninitiative“ des Bloggers.

Der muss vielleicht einfach nur genau hinschauen. Auch Storm beobachtete oft die raue Lebenswirklichkeit der kleinen Leute in der bürgerlichen Gesellschaft. Bei ihm ist Weltliteratur daraus geworden.

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