+
In der Klinik: Experten gehen davon aus, dass Sars-CoV-2 Deutschland lange beschäftigen wird. 

Deutschland

Was plant der Bund?

Krisenstab berät über staatliche Maßnahmen.

Der Gesundheitsausschuss des Bundestags wird am Montag in einer Sondersitzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über die neusten Entwicklung bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus informiert. Der einzige Tagesordnungspunkt: „Bericht der Bundesregierung zum aktuellen Stand des Coronavirus insbesondere in Deutschland und Europa“. Auch bei seiner regulären Sitzung am Mittwoch wird sich der Ausschuss unter dem ersten Tagesordnungspunkt von der Bundesregierung über die aktuelle Lage informieren lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bereits am Freitag mit Spahn und Innenminister Horst Seehofer (CSU), über die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland beraten. Dabei sei es auch um staatliche Maßnahmen gegangen, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen beziehungsweise zu verlangsamen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Hierüber beriet auch der Krisenstab unter der gemeinsamen Leitung der beiden Ministerien am Nachmittag.

Es werde alles getan, damit Infizierte die erforderliche medizinische Behandlung bekämen und um das Gesundheitssystem auf mögliche steigende Fallzahlen vorzubereiten, fügte Seibert hinzu. Zudem würden die Bürgerinnen und Bürger darüber informiert, wie sie ein Ansteckungsrisiko erheblich mindern könnten.

Die Bundesregierung stimmt sich laut Seibert „engstens“ mit Ländern und Kommunen in Deutschland sowie mit den europäischen Partnern ab. Am Freitagabend wollte der Krisenstab dann über das Ergebnis seiner Beratungen informieren, wie Seibert weiter sagte. Bis zum Redaktionsschluss der FR war dies noch nicht geschehen.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr bereitet indes zusätzliche Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 vor. Für eine isolierte Unterbringung von Soldatinnen und Soldaten, bei denen der Verdacht einer Infektion bestehe, stünden dann mehr als 1200 Plätze bereit, teilte der Sanitätsdienst am Freitag mit. Bisher sei ein Soldat infiziert. Die fünf Bundeswehrkrankenhäuser seien darauf vorbereitet, mit Sars-CoV-2 infizierte Patientinnen und Patienten nach gültigen Richtlinien in Einzelisolierung behandeln zu können. Zusätzlich stelle jedes der Bundeswehrkrankenhäuser Plätze für intensivpflichtige Covid-19-Erkrankte bereit, hieß es.

„Es muss offen, ehrlich, zentral und verständlich über das Virus informiert werden. Das ist die entscheidende Grundlage dafür, dass gerade jetzt im Winter nicht jeder eigene Husten oder die laufende Nase in der Familie zu Angst und Unsicherheit führt“, so Oberstarzt Thomas Harbaum, für die Präventivmedizin in der Bundeswehr zuständig. „Gleichzeitig gilt es, unsere Vorbereitungen auf eine Epidemie jetzt zu nutzen und alle Maßnahmen umzusetzen, die einer Ausbreitung im Inland und in unseren Einsatzgebieten so weit wie möglich vorbeugen.“

Experten meldeten unterdessen, dass Deutschland mit dem neuen Coronavirus wohl dauerhaft wie mit der normalen Grippe leben müsse. Der Virologe Christian Drosten erwartet in Deutschland eine der höchsten Fallzahlen Europas, „weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist“, wie der Experte von der Berliner Charité am Donnerstagabend im ZDF sagte.

Die Angst vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 sorgt inzwischen für erste Hamsterkäufe in Deutschland, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Handelsketten ergab. Ketten wie Lidl und Aldi Süd berichteten am Freitag von teilweise deutlich erhöhten Verkaufszahlen bei Produkten wie Konserven oder Desinfektionsmitteln.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet frühestens 2021 mit einem Impfstoff. „In ein paar Jahren werden wir mit einer weiteren grippeartigen Erkrankung leben, die Covid-19 heißt und gegen die wir impfen können. Jetzt gilt es den Übergang zu managen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“.

Der Virologe Drosten sagte in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: „Wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass neue Fälle und kleine Fallgruppen wie die Pilze aus dem Boden schießen werden.“ Bislang gibt es in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mindestens 53 Nachweise von Coronavirus-Infektionen. Davon sind mindestens 37 Fälle in den vergangenen Tagen bekannt geworden – hauptsächlich in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, wie eine RKI-Liste zeigt.

Trotz der neuen Fälle sieht das Institut in Deutschland derzeit noch kein breites Krankheitsgeschehen. Insgesamt bleibe es bei der Einschätzung, dass das Risiko gering bis mäßig sei, sagte der RKI-Vizedirektor Lars Schaade am Freitag. Laut RKI hat sich die Zahl der Fälle weltweit auf mehr als 83 000 Infizierte in 52 Ländern erhöht. Ein Teil dieser Menschen ist längst wieder geheilt oder hatte von vornherein keine oder kaum Symptome, überstandene Infektionen bleiben in der Statistik aber weiter erfasst. 

rnd/dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare