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Ganz langsam gießen – und im richtigen Moment abdrücken.

Social Media

Pizza aus der Vogelperspektive

In den Sozialen Medien veröffentlichen viele User Bilder von ihrem Essen. Appetitlich sehen die Fotos nur selten aus. Geht das nicht besser?

Wer schon einmal versucht hat, die eigenen Kochkünste fotografisch festzuhalten, kennt das vermutlich: Selbst das leckerste Gericht sieht auf einmal unappetitlich, manchmal gar zum Fürchten aus. Aber können nur die Profis Nudelauflauf und Nusskuchen perfekt inszenieren?

Food-Bloggerin Vera Wohlleben ist so eine Spezialistin. Ein gutes Essensfoto brauche vor allem gutes Licht, sagt sie. Deshalb stellt Wohlleben ihr Essen, bevor sie sich darüber hermacht, erstmal an ein Fenster, um Tageslicht einzufangen. „Das Licht sollte von schräg seitlich oder von schräg hinten kommen, nicht von oben oder von vorne“, sagt die Bloggerin.

Da geht’s schon los mit den kleinen Schwierigkeiten. Direktes Sonnenlicht nämlich wirft zu harte Schatten. Am besten wäre ein Fenster, das nach Norden, Westen oder Osten ausgerichtet ist. Und ein Shooting lange vor der Mittagszeit. Das Licht in den frühen Morgenstunden ist am besten geeignet, sagt Stina Spiegelberg. „Dann ist der Schatten noch relativ weich und die Farben kommen schön leuchtend und natürlich zur Geltung.“

Spiegelberg ist Food-Fotografin und TV-Köchin, kann also meist unter besten Bedingungen fotografieren. Im Winter etwa greift sie auf eine sogenannte Softbox zurück, die mit Hilfe einer Art Pergamentpapier ein weiches Licht schafft. Dazu muss Spiegelberg allerdings den Raum vorher abdunkeln, um das künstliche Licht nicht mit Tageslicht zu mischen.

Nun hat nicht jede und jeder eine Softbox daheim rumstehen. Und überhaupt: Viele der Food-Fotos auf Sozialen Medien entstehen im Restaurant. Den Teller erstmal an ein passend ausgerichtetes Fenster zu stellen, kommt dort vermutlich nicht gut an. Deswegen empfiehlt Vera Wohlleben, die Food-Bloggerin, aus der Not eine Tugend zu machen und im Restaurant die Stimmung mit einbeziehen.

Den Hintergrund ihres Tellers verschönert sie dann etwa mit Brotkorb und Weingläsern, das schummrige Kerzenlicht kann auch zum Stilmittel werden. „Nicht der Versuchung erliegen und den Frontalblitz verwenden“, mahnt Wohlleben, „das bekommt Foodfotos in kaum einem Fall gut.“

Auch bei der Perspektive muss sich Wohlleben viele Gedanken machen. „Ein Stapel fluffiger Pfannkuchen kommt am besten von frontal zur Geltung“, weiß die Fachfrau. Eine lecker belegte Pizza dagegen sei prädestiniert für die Vogelperspektive.

Fotos mit Biss

Wohlleben hat eine praktische Faustregel: Die Sicht derjenigen, die das Essen verspeisen will, ist meist ideal. Ein 45-Grad-Winkel also. Diese Perspektive eigne sich auch gut für flache Gerichte oder Gebäck, erklärt Fotografin Spiegelberg. „Bei einer Suppe oder Bowl ist es besser, sie anzuschrägen, damit der Betrachter den Inhalt zu sehen bekommt.“

Wem das im Restaurant nicht zu peinlich ist, könne „einfach mal um das Essen herum wandern“, sagt Sebastian Barsch vom Fachmagazin „Chip Foto-Video“. Auf den Hintergrund kommt es natürlich auch an. Rustikales Holz, ist klar, passt gut zu einem herzhaften Gericht. Eine Erdbeertorte macht sich auf einem hellen Untergrund hervorragend, eine Pfanne mit Käsespätzle wiederum wirkt eher auf dunklem Grund.

„Gute Essensfotos erzählen eine Geschichte“, findet Spiegelberg. Manchmal legt sie ein paar verwendete Zutaten neben ihren Teller, oder beißt hier und dort ein Stückchen ab. Ihr gehe es darum, nicht nur das Essen abzuknipsen, sondern auch das Drumherum. Essen, das schon ein bisschen angefangen ist, gefalle ihr besonders, „das impliziert eine gewisse Heimeligkeit.“ Wenn dann noch eine Gabel im Essen liegt, ist die Bloggerin zufrieden. Bernadette Winter, dpa

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