Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Suchmaschine PimEyes aus Polen listet 900 Millionen Gesichter auf. Jeder, der ein Foto oder Video im Internet geteilt hat, kann betroffen sein (Symbolbild).
+
Die Suchmaschine PimEyes aus Polen listet 900 Millionen Gesichter auf. Jeder, der ein Foto oder Video im Internet geteilt hat, kann betroffen sein (Symbolbild).

Gesichtserkennung aus Polen

Wohl ohne Einwilligung: PimEyes aus Polen listet 900 Millionen Gesichter

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
    schließen

PimEyes, eine Software aus Polen, hat 900 Millionen Gesichter in ihrer Datenbank gespeichert. Wer ein Foto im Internet teilt, kann Teil der Datenbank sein.

  • PimEyes ist eine Suchmaschine aus Polen.
  • Die Gesichtserkennungs-Software listet 900 Millionen Fotos in ihrer Datenbank.
  • Jeder, der ein Foto im Internet teilt, kann gefunden werden.

Frankfurt - Schnappschuss am Strand. Paul lächelt. Die Aufnahme ist gelungen. Szenenwechsel. Ein Abend im Club. Paul ist betrunken. Es ist einer dieser Abende, von denen eigentlich kein Foto an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Geschenkt. Das Foto entsteht trotzdem und kann bei PimEyes, einer kostenlosen Suchmaschine aus Polen, landen. Wie ist das möglich?

Das Unternehmen wirbt auf seiner Homepage mit dem Slogan „Lade ein Foto von dir hoch und finde heraus, wo es auftaucht. Beginne jetzt damit, deine Privatsphäre zu schützen“. Sobald das Foto hochgeladen wurde, analysiert die Suchmaschine Gesichter im Internet nach individuellen Merkmalen wie Bart, Frisur und so weiter. Anschließend speichert PimEyes biometrische Daten der Gesichter ab und zeigt dem User ähnliche Gesichter. Außerdem listet die Suchmaschine auf, auf welcher Homepage das Bild einsehbar ist.

Gesichtserkennungs-Software PimEyes aus Polen: Ein Foto genügt zur Identifizierung

Laut Recherchen von „Netzpolitik“ reicht bereits ein Foto aus, um eine Person zu identifizieren. Zwar teile PimEyes nicht den Klarnamen der gefundenen Person mit. Allerdings könne man über die „Websites in vielen Fällen Namen, Beruf und vieles weitere herausfinden“. Das heißt im Umkehrschluss: Egal, an welchen Orten ein Foto entsteht - sei es ein Besuch im Club oder die Teilnahme an einer Demonstration. Über die Datenbank der Suchmaschine ist eine Rückverfolgung möglich.

Da PimEyes im Gegensatz zum US-amerikanischen Start-up Clearview nicht nur von Behörden, sondern von jedem genutzt werden kann, ist die Missbrauchsgefahr umso höher. Die Suchmaschine kann beispielsweise queere Menschen outen. Oder Prostituierte, die ihren Beruf geheim halten wollen. Natürlich kann auch die Polizei die Software nutzen, um Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Demonstrationen nachträglich zu identifizeren.

PimEyes aus Polen: Nützliches und hochgefährliches Tool für Stalker

Und das ist längst noch nicht alles. Auch für Stalker dürfte die Suchmaschine aus Polen ein nützliches Tool sein. So bezeichnet Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, PimEyes gegenüber „netzpolitik“ als „hochgefährlich“. „Die Vorstellung, dass jeder Creep in der U-Bahn mich über ein Handyfoto identifizieren und ohne große Hürden meinen Wohn- und Arbeitsort ausfindig machen kann, finde ich extrem beunruhigend“, sagt sie.

Auch „Racheaufnahmen“ können über PimEyes gelistet werden. So berichtet ein Betroffener darüber, dass er über die Suchmaschine Nacktaufnahmen seiner Frau im Internet finden konnte. „PimEyes ist die absolute Katastrophe“, sagt der Mann im Gespräch mit „netzpolitik.org“. „Bei einer Testsuche auf PimEyes fand ich direkt 61 Suchergebnisse mit unerlaubt veröffentlichen Nacktaufnahmen meiner Frau.“

Google und Facebook gehen gegen PimEyes vor - Betroffene sollten Unternehmen verklagen

US-Konzerne wie Google und Facebook gehen bereits rechtlich gegen PimEyes vor. Sie werfen dem Unternehmen aus Polen vor, unerlaubt Inhalte bei Youtube und Instagram gesammelt zu haben. Google erklärt, dass es ausdrücklich verboten sei, Daten bei Youtube zu sammeln, um eine Person anschließend zu identifizieren. „Dementsprechend werden wir eine schriftliche Abmahnung an PimEyes senden, in der wir die Verletzungen der Nutzungsbedingungen genau auflisten“, sagt ein Google-Sprecher.

Auch deutschen Behörden ist die Suchmaschine aus Polen bereits ins Auge gesprungen. Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter Baden-Württembergs, ist der Meinung, dass die Plattform das Recht am eigenen Bild verletzte. „Das schreit geradezu danach, dass auch zivilrechtliche Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden können.“ Menschen, deren Gesichter von PimEyes ohne ausdrückliche Einwilligung aufgelistet werden, haben daher einen zivilrechtlichen Anspruch auf Schadensersatz. Wer betroffen ist, kann sich an die jeweilige Landesbehörde für Datenschutz wenden. (Moritz Serif)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare